Bachelorarbeit, 2014
30 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2.1. Erinnerung, kulturelles Gedächtnis und Totengedächtnis
2.1.1 Gedächtnis und Erinnerung
2.1.2 Das kulturelle Gedächtnis
2.1.2 Totengedächtnis
2.2 Die Melusine des Thüring von Ringoltingen
2.2.1 Verbürgerlichung der Literatur
2.2.2 Die Melusine in Bern
2.2.3 Ringoltingens Interesse am Melusinestoff
3. Zeitenräume in der Melusine
3.1 Bergszene Awelon
3.2 Mis en absyme
4. Stabilisatoren der Erinnerung
4.1Tafelgedächtnis
4.2 Körpergedächtnis
5. Fazit
Diese Arbeit analysiert den Prosaroman „Melusine“ von Thüring von Ringoltingen als Medium und Raum der kulturellen Erinnerung, wobei insbesondere die Funktion von Schriftlichkeit und Körpersymbolik bei der Identitätsstiftung und Legitimation adliger Herkunft untersucht wird.
3.1 Bergszene Awelon
Christian Kiening stellt in seinem Aufsatz „Zeitenraum und mise en abyme. Zum Kern der Melusinegeschichte“ heraus, dass sich in der mittelalterlichen Literatur nicht nur Räume ausmachen lassen, die sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegen, sondern dass sich Verschachtelungen, Paradoxien und Spiegelverhältnisse identifizieren lassen. Exemplarisch für einen solche Zeitenraum steht auch die Awelon- Episode in der „Melusine“. Der literarische Text öffnet selbst einen Raum der Geheimnisse, der Genealogie und Tabubrüche. Er macht sich selbst zum Ort des Geheimnisses.
In der Awelon- Episode verfolgt Geoffrey den Riesen Grymmolts, der einen Berg bewacht. Im Inneren des Berges dringt er zu einer Höhle vor, die das gut behütete Geheimnis seiner eigenen Familie beherbergt. Er entdeckt eine Grabkammer, in der auf sechs goldenen Pfeilern das Grab seines Großvaters steht. Zu dessen Füßen befindet sich eine Statue, die eine Schrifttafel in den Händen hält. Auf dieser Tafel ist die Geschichte von Melusines Eltern eingeschrieben.
„das hett ein tafel in den henden dar innen stund geschriben. dises ist durchleuchtig und großmechtig künig Helmas mein allerliebster gemahel. der hie begraben leit. Vnd er was künig vnd herre zuo Albanie in dem künigreich/ der hat mir geschworen do er mich zuo einem weib nam. das er sein lebtag die zeit vnd weil so ich in der kindtpedt leg/ mich nymmer besuochen. besehen/ noch nyemnadt gestatten zuo thun/ oder befelhen/ Jn der zeyt keyn wissen haben. noch durch nyemandt anders erfahren woelte. und wann er mir nur diß nit gehalten/ vnd seinen eyde vnd gelüb übersehen hat. so hat er mich verloren.“
Schon im Vorfeld hatte Geoffrey Hinweise zu seiner Herkunft bekommen, aber erst jetzt erfährt er die ganze Geschichte, die seine eigene genealogische Identität enthüllt.
1. Einleitung: Einführung in das Thema Gedächtnis und Erinnerung sowie Darlegung der Forschungsfragen und der theoretischen Grundlagen für die Analyse des Romans.
2.1. Erinnerung, kulturelles Gedächtnis und Totengedächtnis: Erarbeitung der kulturwissenschaftlichen Grundbegriffe von Gedächtnis und Erinnerung unter Einbeziehung des Totengedächtnisses als religiöse und weltliche Dimension.
2.2 Die Melusine des Thüring von Ringoltingen: Untersuchung der Entstehung der deutschen „Melusine“-Übersetzung im Kontext der Verbürgerlichung der Literatur und der gesellschaftspolitischen Lage Berns.
3. Zeitenräume in der Melusine: Analyse der Handlungsstruktur und der Funktion von räumlichen und zeitlichen Verschachtelungen im Roman.
4. Stabilisatoren der Erinnerung: Darstellung der Tafel- und Körperschriften als Medien, die Erinnerung objektivieren und identitätsstiftend wirken.
5. Fazit: Zusammenfassende Deutung der „Melusine“ als komplexes Medium der kulturellen Erinnerung und Aufsteigergeschichte.
Melusine, Thüring von Ringoltingen, kulturelles Gedächtnis, Erinnerungsraum, Prosaroman, Verbürgerlichung, Tafelgedächtnis, Körpergedächtnis, Genealogie, Identität, Mittelalter, Schriftlichkeit, Mnemotechnik, Legitimationsbedürfnis, Zeichen
Die Arbeit untersucht den Prosaroman „Melusine“ von Thüring von Ringoltingen als ein zentrales Medium der kulturellen Erinnerung im Spätmittelalter.
Die zentralen Felder sind die Gedächtnistheorie nach Aleida und Jan Assmann, die Gattungsgeschichte des Prosaromans sowie die Bedeutung von Genealogie und Identität für das Bürgertum des 15. Jahrhunderts.
Die Arbeit fragt, inwiefern der Roman als Gedächtnis- und Erinnerungsraum fungiert und durch welche Medien (wie Schrift oder Körpermakel) diese Erinnerungen stabilisiert werden.
Es wird eine kulturwissenschaftliche Analyse angewandt, die den Roman auf seine symbolischen Funktionen hin untersucht und diese mit zeittypischen Kontexten sowie Mnemotechniken in Verbindung setzt.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Gedächtnisbegriffen, der Entstehungsgeschichte der Melusine-Übersetzung, der Analyse von "Zeitenräumen" wie der Awelon-Höhle sowie den Funktionen von Schrifttafeln und körperlichen Makeln.
Wichtige Begriffe sind unter anderem kulturelles Gedächtnis, Schrifttafel, Körpergedächtnis, Identitätsstiftung und Verbürgerlichung der Literatur.
Der Eberzahn dient als sichtbares Symbol der Gewalt und als "Narbenschrift", die die traumatische Vergangenheit und das Familiengeheimnis auf dem Körper des Sohnes manifestiert.
Die Höhle wird als schwer zugänglicher Raum interpretiert, in dem sich Zeitlichkeit auflöst und Geoffrey durch die Konfrontation mit der Familiengeschichte seine eigene Identität und Herrschaftsansprüche legitimiert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

