Diplomarbeit, 2011
141 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Heimerziehung
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Geschichte der Heimerziehung
2.3. Heimerziehung im Kontext des KJHG
3. Partizipation
3.1. Begriffsbestimmung
3.2. Partizipation – Widersprüche zwischen Theorie und Praxis
3.3. Differenzierungsmöglichkeiten
3.3.1. Die „ladder of citizen participation”
3.3.1.1. Non Participation
3.3.1.2. Degrees of Tokenism
3.3.1.3. Participation
3.3.2. Stufenmodell nach Kriener/Petersen
3.3.2.1. Nicht-Beteiligung
3.3.2.2. Quasi-Beteiligung:
3.3.2.3. Partizipation/Beteiligung:
3.3.3. Typologie nach Abeling et al.
3.3.4. Sinn von und Kritik an Partizipationsmodellen
3.4. Gesetzlicher Auftrag zur Partizipation
3.4.1. UN-Kinderrechtskonvention
3.4.2. Bürgerrechte
3.4.3. Kinder- und Jugendhilfegesetz
4. Klientenpartizipation in der Heimerziehung
4.1. Beteiligung – ein Thema für die Kinder- und Jugendhilfe?
4.1.1. Entwicklung moralischer Überzeugung
4.1.2. Das Modell der Salutogenese
4.1.3. Selbstbildung
4.2. Partizipation als Qualitätsmerkmal
4.2.1. Partizipation als konstitutives Element in Konzepten der Jugendhilfe
4.2.2. Partizipation im Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
4.2.3. Partizipation im Konzept einer dienstleistungsorientierten Jugendhilfe
4.3. Formen von Partizipation
4.4. Partizipationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen
4.5. Beteiligung der Adressaten – Umsetzung in der Praxis
5. Partizipation in der Heimerziehung – Stand der Forschung
5.1. Fehlende institutionelle Verankerung und Machtstrukturen
5.2. Kultur der Partizipation
5.3. Partizipation und Fachlichkeit – ein Gegensatz?
5.4. Institutionalisierte Beteiligungsformen
5.5. Partizipation im Alltag der stationären Erziehungshilfe
5.6. Einengung von Partizipation auf das Hilfeplanverfahren
5.7. Partizipationserfahrungen
6. Methodisches Vorgehen der empirischen Studie
6.1. Gegenstand der Untersuchung
6.2. Entwicklung der Fragestellung
6.3. Datenerhebung
6.4. Leitfadeninterview
6.5. Zur Auswertung
7. Auswertung
7.1. „Wir wurden da einfach hingeschoben, so gesagt“ - Beteiligung bei Auswahl der Hilfe
7.2. „Das sind keine wirklichen Rechte, das sind Regeln, die wir befolgen müssen“ - Zwischen Rechten und Regeln im Alltag der stationären Erziehungshilfe
7.3. „Das nennt man schon Petzrunde hier in der Gruppe unter den Kindern“ - Institutionalisierte Beteiligungsformen
7.4. „Wir wohnen ja auch hier alle zusammen, da sollten wir eigentlich auch alle zusammen entscheiden“ - Eigene Haltung gegenüber Partizipation
7.5. „Aber wie schon gesagt, haben dann die Betreuer das letzte Wort“ - Einfluss der Fachkräfte
7.6. „Wir schaffen das, wir machen das jetzt die ganze Zeit so, bis es klappt“ - Durch Beteiligung gewonnene Erfahrungen/Lernprozesse
7.7. „Also eigentlich reicht mir das mit der Gruppenrunde“ - Ausblick
7.8. Zusammenfassung der Ergebnisse
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Umsetzung von Partizipation im Bereich der stationären Heimerziehung. Ziel ist es, das Partizipationsverständnis aus der Perspektive der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu erfassen und zu analysieren, wie deren Mitbestimmungsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag tatsächlich wahrgenommen werden.
7.1. „Wir wurden da einfach hingeschoben, so gesagt“ - Beteiligung bei Auswahl der Hilfe
Natascha erzählt, dass sie nach einem Krankenausaufenthalt aufgrund von Selbstmordgefährdungen in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Entschieden haben darüber ihr Vormund, Mitarbeiter des Jugendamts und Mitarbeiter der Psychiatrie. Anschließend folgt der gemeinsame Einzug mit ihrer Schwester in eine Wohngruppe, eine Entscheidung, an der auch ihre Mutter beteiligt war. Sie selbst hatte dabei nach eigener Aussage keinerlei Beteiligungsmöglichkeiten. „Wir wurden da einfach hingeschoben, so gesagt. Wir wussten davon nichts und wurden dann dahin gebracht und dachten uns "Ja, ist okay so. Dann bleiben wir jetzt hier und fertig" (Natascha: 171f.).
Sie fühlt sich ins Heim „abgeschoben“, was ihre passive Rolle in diesem Prozess verdeutlicht. Sie selbst hatte keinen Einfluss darauf, wo sie in Zukunft leben wird, findet sich aber damit ab. Die Relevanz von Beteiligung an der Auswahl der Hilfe, stellt sie erst retrospektiv fest. „Früher war es mir eigentlich relativ egal, weil, da wusste ich ja noch nicht, wie das so mein Leben verändert. Also, wie das so Einfluss hat auf das ganze Leben. […] Da hab ich mir früher keine Gedanken drüber gemacht.“ (Natascha: 176ff.). Sie bemerkt, dass die Entscheidung für eine Hilfe Einfluss auf das ganze Leben hat. Ihre Aussage verdeutlicht sehr treffend, wie elementar es ist, Kinder und Jugendliche an der Auswahl der Hilfe zu beteiligen, da dies einen entscheidenden Einfluss auf ihren weiteren Lebensverlauf hat. Ähnlich argumentiert auch Jasmin. Sie erzählt, bei Gesprächen mit dem Jugendamt nicht anwesend gewesen zu sein, und merkt dazu kritisch an: „Eigentlich doof. Also ich wollte gerne dabei sein. Wissen, worum es überhaupt geht. Weil na ja, ich sollte ja dahin und nicht meine Mutter“ (Jasmin: 103f.).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen dem rechtlichen Standard der Partizipation und der oft unklaren oder geringen Umsetzung in der pädagogischen Alltagspraxis der Jugendhilfe.
2. Heimerziehung: Dieses Kapitel definiert Heimerziehung als familienersetzende Hilfeform und diskutiert deren historischen Wandel sowie die rechtliche Verankerung innerhalb des KJHG.
3. Partizipation: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung des Partizipationsbegriffs, erläutert verschiedene Stufenmodelle zur Differenzierung und diskutiert den gesetzlichen Auftrag zur Beteiligung.
4. Klientenpartizipation in der Heimerziehung: Hier wird begründet, warum Partizipation für die Entwicklung moralischer Überzeugung, das Kohärenzgefühl und Selbstbildungsprozesse von entscheidender Bedeutung ist.
5. Partizipation in der Heimerziehung – Stand der Forschung: Es wird aufgezeigt, dass Partizipation zwar als Paradigma gilt, jedoch eine fehlende institutionelle Verankerung und bestehende Machtstrukturen die Umsetzung in der Praxis erschweren.
6. Methodisches Vorgehen der empirischen Studie: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Design der explorativen Studie, basierend auf leitfadengestützten Interviews mit Kindern und Jugendlichen.
7. Auswertung: Die Auswertung analysiert detailliert die Aussagen der befragten Kinder zu Themen wie Hilfeplanung, Rechte, Gruppenregeln, institutionelle Gremien und ihre eigene Rolle im Spannungsfeld zwischen Fachkräften und Institution.
8. Fazit: Das Fazit bestätigt die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit und fordert eine stärkere aktive Unterstützung durch Fachkräfte, um Kinder tatsächlich in Beteiligungsprozesse zu befähigen.
Partizipation, Heimerziehung, Kinder- und Jugendhilfe, Mitbestimmung, KJHG, Beteiligung, stationäre Erziehungshilfe, Empowerment, Selbstbildung, Adressaten, Hilfeplan, Machtstrukturen, Empowerment, Qualitative Studie, Pädagogische Alltagspraxis
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Partizipation in der stationären Heimerziehung und analysiert die Kluft zwischen dem gesetzlich geforderten Standard der Beteiligung und der tatsächlich erlebten Praxis durch Kinder und Jugendliche.
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Grundlagen (KJHG, UN-Kinderrechtskonvention), theoretische Stufenmodelle der Beteiligung, die Rolle von Machtstrukturen in Einrichtungen und die Bedeutung von Partizipation für die Identitätsentwicklung.
Das Ziel ist es, die Perspektive der betroffenen Kinder und Jugendlichen in den Fokus zu rücken und deren individuelles Verständnis sowie ihre Einschätzung der Mitbestimmungsmöglichkeiten im Heimalltag empirisch zu erforschen.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf leitfadengestützten Interviews mit sechs Bewohnern zweier Wohngruppen basiert, um ein tiefes Verständnis für die subjektive Sichtweise der Jugendlichen zu erhalten.
Der Hauptteil wertet die Aussagen der Jugendlichen zu verschiedenen Lebensbereichen aus, insbesondere ihre Erfahrungen bei der Hilfeplanung, ihren Umgang mit Gruppenregeln und ihre Interaktionen mit dem pädagogischen Fachpersonal.
Zentrale Begriffe sind Partizipation, Empowerment, institutionelle Verankerung, Mitspracherechte, stationäre Erziehungshilfe sowie das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.
Die Jugendlichen empfinden ihre Mitspracherechte oft als begrenzt und formalistisch; sie fühlen sich häufig durch das Personal fremdbestimmt, insbesondere bei wichtigen Entscheidungen wie dem Hilfeplanverfahren.
Regeln werden als dominanter Faktor im Alltag wahrgenommen. Sie werden oft ambivalent gesehen – einerseits als einschränkende Vorgaben, andererseits als notwendige Orientierungshilfe, wobei die Art der Mitgestaltung bei der Festlegung der Regeln kritisiert wird.
Die Haltung der Fachkräfte ist entscheidend. Trotz positiver zwischenmenschlicher Beziehungen verhindert ein oft wahrgenommener Wissens- und Machtvorsprung der Erzieher eine echte, auf Augenhöhe stattfindende Beteiligung.
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