Magisterarbeit, 2013
101 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras (1951)
1. Wolfgang Koeppens poetologisches Engagement
2. Inhaltsangabe des Romans Tauben im Gras
3. Traditionslinien
4. Gestaltungsmomente
5. Koeppens Kritik am politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozess der Bundesrepublik zu Beginn der 1950er Jahre
5.1 „Schicksalszeit“, „Wendezeit“: Die frühen 1950er Jahre
5.2 Die Großstadt und ihre Bewohner
5.3 Die Romangesellschaft im Schatten der Vergangenheit
5.4 Die Romangesellschaft und ihr vorherrschender Rassismus
5.5 Zusammenfassung
6. Die Brüchigkeit der geistesgeschichtlichen Tradition des Abendlandes
6.1 Der durch die Zeichen der Zeit verstummte Dichter
6.2 Veränderung des Weltbildes durch die Naturwissenschaften
6.3 Der Romantitel Tauben im Gras zwischen den Polen von zufälliger Freiheit und Geborgenheit
6.4 Zusammenfassung
7. Der literarische Blick auf die bundesrepublikanische Gesellschaft zu Beginn der 1950er Jahre – Funktion und Leistung des Romans Tauben im Gras
III. Martin Walser: Ehen in Philippsburg (1957)
1. Martin Walsers poetologisches Engagement
2. Inhaltsangabe des Romans Ehen in Philippsburg
3. Traditionslinien und Gestaltungsmomente des Romans
4. Schattenseiten des „Wirtschaftswunders“
4.1 Die Philippsburger Gesellschaft im Spannungsfeld von ‚oben’ und ‚unten’
4.2 Auswirkungen des Wohlstandsstrebens auf die Identität der Romanfiguren
4.3 Ehe und Gesellschaft vor dem Hintergrund ökonomischer und sozialer Bedingungen in den 1950er Jahren
4.4 Martin Walsers Darstellung von Sexualität, Geschlechterrollen und Eheverhältnissen im Roman
4.5 Verknüpfung von Kultur und Wirtschaft
4.6 Zusammenfassung
5. Die nationalsozialistische Vergangenheit als Hintergrundfolie der 1950er Jahre
5.1 Die Sichtbarmachung der nationalsozialistischen Vergangenheit im Roman
5.2 Zusammenfassung
6. Ein literarischer Blick auf die bundesrepublikanische Gesellschaft der 1950er Jahre – Funktion und Leistung des Romans Ehen in Philippsburg
IV. Schlussbetrachtung
Diese Magisterarbeit analysiert die Darstellung der bundesrepublikanischen Gesellschaft in den 1950er Jahren anhand der Romane Tauben im Gras (1951) von Wolfgang Koeppen und Ehen in Philippsburg (1957) von Martin Walser. Das primäre Ziel ist es, mittels einer detaillierten Textanalyse herauszuarbeiten, wie die Autoren gesellschaftliche Transformationsprozesse, das „Wirtschaftswunder“, das Fortbestehen nationalsozialistischer Mentalitäten sowie die Krise zwischenmenschlicher Beziehungen als zeittypische Phänomene in ihren Werken reflektieren und kritisieren.
5. Koeppens Kritik am politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozess der Bundesrepublik zu Beginn der 1950er Jahre
Wolfgang Koeppens Roman Tauben im Gras charakterisiert die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft zu Beginn der 1950er Jahre. Es war eine Zeit, in der die Menschen ihr Leben zwischen Ohnmacht und Hoffnung, Schuldgefühl und Verdrängung, Resignation und Aufbruchswillen, Angst und Zuversicht bewältigen mussten. Wie es der Historiker Rudolf Großkopff ausdrückt, erschien vieles möglich, weniges unmöglich, nichts war wirklich entschieden: Die Deutschen befanden sich in der Wartehalle der Geschichte. Dies sind denn auch die zeithistorischen Umstände, unter denen Koeppen eine Gesellschaft beschreibt, in der alte Wertmaßstäbe und geistige Haltungen noch nachwirken und neue kaum gefunden sind, wo neue Kriegsgefahr droht und nationale bzw. rassistische Vorurteile weiterhin bestehen, wo die Wirkungslosigkeit humanistischer Traditionen vorgeführt werden. Koeppen ist es mit überzeugenden literarischen Mitteln gelungen, solche politische und gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen aufzuzeigen und zu hinterfragen. Die treffende Darstellung zeittypischer Schicksale, kollektiver Verhaltensweisen sowie politischer und geistiger Strömungen anhand der einzelnen Romanfiguren lassen ohne theoretische Ausführungen über Politik und Gesellschaft ein tiefgründiges realistisches Bild der Zeit entstehen.
I. Einleitung: Die Einleitung verortet Koeppens und Walsers Romane in der Tradition des gesellschaftskritisch-realistischen Romans und formuliert das Ziel, die Auswirkungen der instabilen Nachkriegsverhältnisse auf das Individuum zu analysieren.
II. Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras (1951): Das Kapitel beleuchtet Koeppens poetologisches Engagement als Beobachter, analysiert die Montagetechnik und Bildlichkeit des Romans sowie Koeppens Kritik an der politischen Restauration, dem Rassismus und der Entfremdung in der frühen Bundesrepublik.
III. Martin Walser: Ehen in Philippsburg (1957): Das Kapitel untersucht Walsers satirische Darstellung der Wohlstandsgesellschaft, die Deformation der Identität durch Anpassungszwang und Leistungsideologie sowie die Verknüpfung von privatem Scheitern und gesellschaftlicher Doppelmoral.
IV. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass trotz unterschiedlicher literarischer Ansätze beide Autoren eine tiefgreifende Kritik an der Verdrängung der Vergangenheit und den moralischen Defiziten der Konsumgesellschaft üben, wobei Koeppens Roman eher als Zeugnis der Angst und Walsers Roman als Panorama der Karrierementalität fungiert.
Nachkriegsliteratur, Bundesrepublik, 1950er Jahre, Gesellschaftskritik, Identitätsverlust, Wirtschaftswunder, Verdrängung, Nationalsozialismus, Rassismus, Existentialismus, Realismus, Entfremdung, Romananalyse, Gesellschaftsstruktur
Die Arbeit analysiert kritisch das Bild der bundesdeutschen Gesellschaft der 1950er Jahre in Wolfgang Koeppens Roman Tauben im Gras und Martin Walsers Ehen in Philippsburg.
Zu den Schwerpunkten gehören das „Wirtschaftswunder“ und seine Schattenseiten, die Rolle der Literatur als Zeitdokument, der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sowie soziologische Aspekte wie Identitätsverlust und gesellschaftliche Rollenverteilung.
Das Ziel ist es, durch eine detaillierte Textanalyse aufzuzeigen, wie die Autoren die instabilen politischen und sozialen Verhältnisse der Nachkriegszeit sowie die Auswirkungen von Anpassungszwang und moralischer Korruption auf die Romanfiguren darstellen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die durch soziologische und zeitgeschichtliche Kontexte sowie durch den Rückgriff auf poetologische Äußerungen der Autoren ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analysen beider Romane, wobei jeweils auf das poetologische Engagement des Autors, Inhaltsangaben, Traditionslinien, Gestaltungsmittel und spezifische gesellschaftliche Kritikpunkte (wie Rassismus, Wiederaufbau und Sexualmoral) eingegangen wird.
Zentrale Begriffe sind Gesellschaftskritik, Nachkriegsliteratur, Identitätsverlust, Verdrängung, Wirtschaftswunder und Entfremdung.
Die Arbeit zeigt auf, dass viele Figuren die Vergangenheit verdrängen und sich in einer Opferrolle sehen, wobei nationalsozialistische Denkmuster wie Antisemitismus oder rassistische Vorurteile oft unhinterfragt in die Nachkriegszeit übernommen wurden.
Das Streben nach materiellem Erfolg und Wohlstand fungiert als zentraler Anpassungsdruck, der bei den Figuren oft zu moralischer Kompromissbereitschaft und letztlich zu einem Verlust der persönlichen Identität und zwischenmenschlicher Aufrichtigkeit führt.
Während Koeppen mit modernen Montagetechniken ein Bild der existentiellen Angst und Orientierungslosigkeit entwirft, konzentriert sich Walser stärker auf ein satirisches Gesellschaftstableau, das die Opportunität und den Karrierezwang der restaurierten Gesellschaft im Fokus hat.
Beide Autoren gelangen zu der Erkenntnis, dass die Gesellschaft der 1950er Jahre tiefgreifende moralische Defizite aufweist, da sie versucht, die traumatische Vergangenheit durch materiellen Aufstieg und oberflächliche Normalisierung zu übertünchen, anstatt sie aufzuarbeiten.
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