Magisterarbeit, 2007
81 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1 Die Bedeutung der Spectacula bei der Errichtung der caesarischen Diktatur
1.2 Die caesarische Diktatur im Vergleich zum augusteischen Prinzipat
1.3 Zum Gegenstand dieser Arbeit
2. Die Entwicklung der Spectacula von ihren Anfängen bis zum Ende der Römischen Republik
2.1 Die Königszeit
2.2 Die Frühe Republik
2.3 Die Mittlere Republik
2.4 Die Späte Republik
2.5 Die Reorganisation der Spectacula in der Kaiserzeit
3. Bisherige Thesen der Geschichtswissenschaft zur Bedeutung der Spectacula in der Kaiserzeit
3.1 Die Spectacula als Mittel der Kaiser zur Entpolitisierung der Plebs urbana
3.1.1 Jérôme Carcopino
3.1.2 Aspekte, die gegen die Annahmen Carcopinos sprechen
3.2 Die Spectacula als Ersatz für die republikanische Volksversammlung
3.2.1 Ludwig Friedländer
3.2.2 Aspekte, die gegen Friedländers These sprechen
3.3 Die politische Bedeutung der Spectacula im kaiserlichen Rom
4. Die Berichte antiker Autoren über die Spectacula unter der Regierung der iulisch-claudischen Kaiser
4.1 Vorstellung der bei der Analyse verwendeten Quellen
4.1.1 Die Annalen des Publius Cornelius Tacitus
4.1.2 Die Kaiserviten des Gaius Suetonius Tranquillus
4.1.3 Die Römische Geschichte des Cassius Dio Cocceianus
4.2 Die Quellenanalyse
4.2.1 Die Spectacula unter der Regierung des Kaisers Augustus (27 v. Chr. - 14 n. Chr.)
4.2.1.1 Tacitus
4.2.1.2 Sueton
4.2.1.3 Cassius Dio
4.2.1.4 Interpretation
4.2.2 Die Spectacula unter der Regierung des Kaisers Tiberius (14 – 37 n. Chr.)
4.2.2.1 Tacitus
4.2.2.2 Sueton
4.2.2.3 Cassius Dio
4.2.2.4 Interpretation
4.2.3 Die Spectacula unter der Regierung des Kaisers Caligula (37 – 41 n. Chr.)
4.2.3.1 Tacitus
4.2.3.2 Sueton
4.2.3.3 Cassius Dio
4.2.3.4 Interpretation
4.2.4 Die Spectacula unter der Regierung des Kaisers Claudius (41 – 54 n. Chr.)
4.2.4.1 Tacitus
4.2.4.2 Sueton
4.2.4.3 Cassius Dio
4.2.4.4 Interpretation
4.2.5 Die Spectacula unter der Regierung des Kaisers Nero (54 – 68 n. Chr.)
4.2.5.1 Tacitus
4.2.5.2 Sueton
4.2.5.3 Cassius Dio
4.2.5.4 Interpretation
4.3 Die Instrumentalisierung der Spectacula unter den iulisch-claudischen Kaisern
5. Die Spectacula als politische und gesellschaftliche Machtmittel der iulisch-claudischen Kaiser
5.1 Die Spectacula als Beneficia
5.2 Die Spectacula als Kommunikationsmedien
5.3 Die Spectacula als Stützen des Prinzipats
6. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die politische und gesellschaftliche Bedeutung der römischen Schauspiele ("Spectacula") während des Frühen Prinzipats. Ziel der Untersuchung ist es, zu klären, inwiefern die iulisch-claudischen Kaiser das Spielwesen systematisch instrumentalisierten, um ihre Machtstellung zu etablieren und zu festigen, sowie welche Rolle die Spectacula in der Kommunikation zwischen den Alleinherrschern und der Bevölkerung Roms spielten.
Die Bedeutung der Spectacula bei der Errichtung der caesarischen Diktatur
„Viele Jahre hatte er [Gaius Iulius Caesar] auf die Errichtung einer Zwangsherrschaft hingearbeitet, mit großer Anstrengung und beträchtlichem Risiko hatte er seine Pläne in die Tat umgesetzt. Durch Spiele, Bauten, Spenden und Volksbankette hatte er die unwissende Menge geködert; seine Anhänger hatte er durch Belohnungen, seine Gegner durch den Schein der Milde an sich gefesselt“. In diesem Auszug aus seiner Zweiten Philippischen Rede rekapituliert der Senator Marcus Tullius Cicero, ein Zeitgenosse Caesars, mit welchen Mitteln dieser die Alleinherrschaft erlangt hatte. Unter anderem unterstellt er dem ermordeten Diktator, das römische Spielwesen systematisch instrumentalisiert zu haben, um die Unterstützung der Bevölkerung Roms für seine Politik zu gewinnen.
Doch welches Interesse konnte Caesar an der Plebs urbana gehabt haben ? Stellte sie auf seinem Weg zur Dictatura perpetua tatsächlich einen derart entscheidenden politischen Faktor dar, wie es Cicero hier suggeriert ? Und, wenn ja, wie war es dem Iulier möglich, die römische Bevölkerung mit der Veranstaltung von Spectacula in seinem Sinne zu beeinflussen ?
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Bedeutung der Spectacula im Kontext von Caesars Diktatur sowie im Übergang zum augusteischen Prinzipat.
2. Die Entwicklung der Spectacula von ihren Anfängen bis zum Ende der Römischen Republik: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des römischen Spielwesens von der Königszeit über die Republik bis hin zur Vorbereitung der kaiserzeitlichen Strukturen nach.
3. Bisherige Thesen der Geschichtswissenschaft zur Bedeutung der Spectacula in der Kaiserzeit: Hier werden zentrale wissenschaftliche Theorien – insbesondere die Entpolitisierungsthese von Carcopino und die Friedländersche Ersatz-Volksversammlungs-These – kritisch hinterfragt.
4. Die Berichte antiker Autoren über die Spectacula unter der Regierung der iulisch-claudischen Kaiser: Dies bildet den methodischen Kern der Arbeit, in dem die Quellen von Tacitus, Sueton und Cassius Dio für jeden Kaiser der iulisch-claudischen Dynastie analysiert und interpretiert werden.
5. Die Spectacula als politische und gesellschaftliche Machtmittel der iulisch-claudischen Kaiser: Zusammenführung der Ergebnisse zur Nutzung der Schauspiele als Beneficia, Kommunikationsmedien und Stützen des Prinzipats.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und stellt die Kontinuität der Spielpolitik über das Ende der Dynastie hinaus dar.
Spectacula, Römische Republik, Prinzipat, Kaiserzeit, Instrumentalisierung, Plebs urbana, Augustus, Nero, Sueton, Tacitus, Cassius Dio, Machtmittel, Klientelwesen, Politik, Kommunikation.
Die Arbeit untersucht, ob und wie die iulisch-claudischen Kaiser die römischen Spiele ("Spectacula") als Instrument zur Festigung ihrer Alleinherrschaft und zur Beeinflussung der städtischen Bevölkerung einsetzten.
Die zentralen Themen sind das kaiserliche Patronat, die öffentliche Kommunikation in den Spielstätten, das Verhältnis der Kaiser zum Senat und der Bevölkerung (Plebs urbana) sowie die Rolle der Spiele als Machtmittel.
Die Arbeit fragt, ob eine bewusste politische Instrumentalisierung der Spectacula durch die Kaiser des Frühen Prinzipats nachweisbar ist und inwiefern diese Praxis mit der caesarischen Diktatur vergleichbar ist.
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die auf einem breiten Spektrum antiker Primärliteratur (Tacitus, Sueton, Cassius Dio) basiert und diese mit modernen geschichtswissenschaftlichen Theorien abgleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, eine wissenschaftstheoretische Debatte und eine detaillierte, chronologische Quellenanalyse für jeden Kaiser der iulisch-claudischen Dynastie.
Schlüsselbegriffe sind "Spectacula", "Prinzipat", "Instrumentalisierung", "Plebs urbana" und "kaiserliches Patronat".
Während Augustus die Spiele eher strategisch zur Legitimierung seiner Stellung und zur Förderung von Nachfolgern nutzte, war Neros Engagement laut den antiken Quellen stärker von seiner persönlichen Geltungssucht und künstlerischen Passion geprägt.
Die Arbeit widerlegt diese Sichtweise; sie zeigt auf, dass die Bevölkerung die Spiele sehr wohl als Plattform für politische Artikulation, Kritik und Kundgebungen nutzte und somit nicht bloßes Objekt einer Unterhaltungspolitik war.
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