Masterarbeit, 2016
95 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Sirenen - Der mythologische Ursprung der Wasserfrau
2.2. Die Stammutter Melusine
2.3. Loreley
2.4. Meerjungfrauen und Nixen
3. Paracelsus
3.1. Paracelsus Elementargeistlehre
3.2. Melusine als Hexe
4. Das Motiv der gestörten Mahrtenehe
5. Die proto-melusinische Erzählung - Gervasius von Tilburys „Otia imperialia“
6. Die Staufenberg-Sage
6.1. Entstehungsgeschichte
6.2. Die mysteriöse Unbekannte
6.3. Eine Sonderform der gestörten Mahrtenehe
6.4. Der bedeutungsträchtige Fuß
6.5. Paracelsus - die Freisprechung der Staufenberger Fee
7. Thürings von Ringoltingen „Melusine”
7.1. Entstehungsgeschichte
7.2. Der erste Eindruck zählt
7.3. Die Gründung eines neuen Geschlechts
7.4. Eine Frau in der Herrscherrolle
7.5. Der erste Tabubruch - Die Verschiebung des Kräfteverhältnisses
7.6. Der zweite Tabubruch - Die Diffamierung der Melusine
7.7. Dämonisierung und Christianisierung der Schlangenfrau
7.8. Die Ambivalenz des Schlangenleibes
8. Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“
8.1. Entstehungsgeschichte
8.2. Die Naturhaftigkeit der Undine
8.3. Undines Verwandlung in eine leidende und liebende Frau
8.4. Polarisierte Weiblichkeit
8.5. Undine im Spannungsfeld zwischen Christentum und mythischer Herkunft
9. Hans Christian Andersens “Die kleine Meerjungfrau“
9.1. Entstehungsgeschichte
9.2. Die Amputation des Fischschwanzes
9.3. Die Unvereinbarkeit zweier Welten
9.4. Die dämonische Meerhexe
10. Fazit
Diese Masterarbeit untersucht die zeitliche Entwicklung des Wasserfrauenmythos von der mittelalterlichen Sage bis zum Kunstmärchen des 19. Jahrhunderts mit Fokus auf die Prozesse der Dämonisierung und Entdämonisierung. Die zentrale Forschungsfrage widmet sich dabei den Faktoren, die das Verhältnis zwischen Mensch und Wasserwesen bestimmen und klärt, warum die Bestrafung des Mannes trotz zunehmender Entdämonisierung der weiblichen Figur drastischer ausfällt.
6.2. Die mysteriöse Unbekannte
Die Informationen über die Protagonistin, die man in der Staufenberg-Sage erhält, sind insgesamt sehr spärlich. Weder erfährt man, woher die Dame, die bei der ersten Begegnung mit Peter von Staufenberg auf einem Stein sitzt, kommt, noch welche Absichten sie verfolgt oder was mit ihr nach Peters Tod passiert. Offensichtlich ist sie trotz aller Macht keine "melusinische Fee". Ein dämonisches Kennzeichen wie Melusines Schlangenschwanz besitzt sie nicht. Außerdem wird sie nicht durch Fruchtbarkeit oder eine Erlösungssehnsucht ausgezeichnet. Aus diesem Grund bedarf sie der Menschenwelt eigentlich gar nicht. Eine Überlegung könnte sein, dass sie ihren Geliebten in ihre Anderwelt ziehen möchte, eine Art Gegenwelt zur Menschenwelt. Doch auch das ist unwahrscheinlich, denn Peter von Staufenberg mangelt es in der Gesellschaft seiner Welt an nichts. Er besitzt Reichtum und Anerkennung, ganz im Gegenteil zu Raimund bei Gervasius und Thüring. Zumal sie den Ritter gar nicht hinüberzieht, stattdessen tötet sie ihn. Eine andere Welt scheint trotz ihres übernatürlichen Wesens nicht zu existieren. Sie treffen sich am Burgweg und in seinen Schlafgemächern. Die Fee besitzt keinen Ort und keine Geschichte.
Sie verkörpert nicht die Natur, die im Kontrast zur Gesellschaft und Kultur steht. Sie bleibt einzig in der Menschenwelt, Schwellenorte oder -handlungen sind nicht vorhanden. Dann stellt sich allerdings die Frage, wozu sie überhaupt ein Tabu aufstellt und was dadurch geschützt werden soll.
Auffällig ist die ausgeprägte Christianisierung des Textes, die zweifelsohne nicht bruchlos vonstatten geht. Dies führt zu einer ambivalenten Darstellung der Staufenbergerin. Mehrmals bringt sie in den Dialogen mit ihrem Geliebten Gott bzw. den christlichen Glauben zur Sprache, indem sie ihn ermahnt in die Kirche zu gehen oder zu beichten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Wasserfrau-Ambivalenz und Vorstellung der zu untersuchenden Primärtexte von Thüring bis Andersen.
2. Begriffsdefinitionen: Historische Herleitung des Wasserfrauenmythos von antiken Sirenen bis hin zur spezifischen Melusinen- und Undinenfigur.
3. Paracelsus: Analyse der Elementargeistlehre des Paracelsus und die Einordnung der Wasserfrau als seelenloses Naturwesen mit Erlösungsbedarf.
4. Das Motiv der gestörten Mahrtenehe: Definition des zentralen Handlungsmusters der Mahrtenehe als Vermittlungsversuch zwischen menschlicher und andersweltlicher Sphäre.
5. Die proto-melusinische Erzählung - Gervasius von Tilburys „Otia imperialia“: Untersuchung der klerikalen Vorstufen des Melusinenstoffs und deren didaktische Funktion zur Abschreckung vor unheilvollen Verbindungen.
6. Die Staufenberg-Sage: Untersuchung einer Sage, die durch starke Christianisierung und die unerklärliche Tötung des Ritters geprägt ist.
7. Thürings von Ringoltingen „Melusine”: Detaillierte Analyse des Melusinen-Prosaromans als genealogisches Gründungsdokument und dessen Umgang mit christlichen Elementen.
8. Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“: Untersuchung der romantischen Domestizierung der Wasserfrau durch Beseelung und christliche Ehe.
9. Hans Christian Andersens “Die kleine Meerjungfrau“: Analyse des Leidenswegs der kleinen Meerjungfrau, die ihre Natur opfert, um eine Seele zu erhalten.
10. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Dämonisierungs- und Entdämonisierungstendenzen über sieben Jahrhunderte.
Wasserfrau, Melusine, Undine, Mahrtenehe, Dämonisierung, Entdämonisierung, Seelenlosigkeit, Mythos, Christianisierung, Schlangenfrau, Elementargeister, Literaturgeschichte, Geschlechterrollen, Tabubruch, Erlösung.
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung von Wasserfrauenfiguren und deren Entwicklung vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert, wobei der Fokus auf dem Wandel zwischen Dämonisierung und Humanisierung liegt.
Die zentralen Felder umfassen die Genealogie des Wasserfrauenmythos, die Rolle christlicher Moralvorstellungen in Erzählungen sowie das Motiv der Mahrtenehe.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Wasserfrau von einer bedrohlichen, dämonischen Figur hin zu einem erlösungsbedürftigen, "vermenschlichten" Wesen aufzuzeigen und zu analysieren, wie sich dies auf das Schicksal der männlichen Protagonisten auswirkt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Motiv- und Stoffanalyse durchgeführt, die die Primärtexte in ihren geschichtlichen und kulturhistorischen Kontext einordnet.
Der Hauptteil analysiert spezifische Texte wie die "Melusine", die Staufenberg-Sage, Fouqués "Undine" und Andersens "Die kleine Meerjungfrau" und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Charakterisierung der Wasserfrau.
Wichtige Begriffe sind Wasserfrau, Mahrtenehe, Dämonisierung, Beseelung, Tabubruch und die Ambivalenz zwischen Natur und Kultur.
Das Tabu symbolisiert die Grenze zwischen zwei Welten; sein Bruch markiert das Scheitern der Integration des Naturwesens in die menschliche, gesellschaftliche Ordnung.
Während Melusine eine mächtige, fast matriarchale Figur darstellt, wird Undine stärker durch den christlichen Beseelungsprozess domestiziert und in eine konventionelle, passive Rolle gedrängt.
Diese körperlichen Merkmale dienen als Indizien für die Andersartigkeit und das unauflösbare, oft ambivalent bewertete Verhältnis zur Natur, das die Figuren von den Menschen unterscheidet.
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