Examensarbeit, 2012
122 Seiten, Note: 2,5
1 Einleitung
2 Bestimmung des Korpus
2.1 Warum Film?
2.2 Welche Filme?
3 Theorie
3.1 Jugend
3.1.1 Lebensphase
3.1.2 Identität
3.1.3 Schule
3.2 Dramaturgie
3.2.1 Figuren
3.2.2 Dialoge
3.2.3 Reise des Helden
3.3 Bildgestaltung
4 Spurensuche
4.1 Die Feuerzangenbowle
4.1.1 Zeitliche Verortung
4.1.2 Entstehungsgeschichte
4.1.2.1 Drehbuch
4.1.2.2 Film
4.1.3 Detailanalyse
4.1.3.1 Lehrer und Schüler
4.1.3.2 Dramaturgische Struktur
4.1.4 Film als Spiegel des Nationalsozialismus
4.2 The Breakfast Club
4.2.1 Setting und Rezeption
4.2.2 Das amerikanische Schulsystem
4.2.3 Die 1980er
4.2.3.1 Gefühle und Stimmungen
4.2.3.2 Das Kino
4.2.4 The Breakfast Club - Entstehungsumstände
4.2.4.1 Das Brat Pack
4.2.4.2 John Hughes
4.2.4.3 Produktionsbedingungen
4.2.5 Sequenzprotokoll der Exposition
4.2.6 Detailanalyse
4.2.6.1 Auslösendes Ereignis
4.2.6.2 Vernon vs. Bender
4.2.6.3 Erster Wendepunkt
4.2.6.4 Begegnung mit dem Weiblichen
4.2.6.5 Midpoint
4.2.6.6 Im Bauch des Walfischs
4.2.6.7 Rollenübernahme
4.2.6.8 Wendepunkt II
4.2.6.9 Krise
4.2.6.10 Backstorywound
4.2.6.11 Höhepunkt
4.3 Entre les murs (Die Klasse)
4.3.1 Setting des Films
4.3.2 Das französische Schulsystem
4.3.3 Grenzgang zwischen Doku und Fiktion
4.3.4 Detailanalyse
4.3.4.1 Exposition: Lehrerfigur
4.3.4.2 Wendepunkt I
4.3.4.3 Dialektik und Geheimste Höhle
4.3.4.4 Midpoint
4.3.4.5 Grenzüberschreitung als Anstoß
4.3.4.6 Krise
4.3.4.7 Höhepunkt
4.3.4.8 Rückkkehr
5 Fazit
Die Arbeit untersucht das Bild von Schule und Schülern in ausgewählten Schulfilmen anhand einer ästhetisch-historischen Spurensuche. Ziel ist es zu analysieren, wie Filme kulturelle Identitätsangebote für Jugendliche schaffen, welche pädagogischen Bilder sie vermitteln und wie diese vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit und filmdramaturgischer Strukturen kritisch zu reflektieren sind.
4.1.3.1 Lehrer und Schüler
Nach Stutterheim/Kaiser (2011: 186.) ist eine Rahmenhandlung „vergleichbar mit Prolog und Epilog“ und „kann der Spannungsförderung oder der Kontrastierung dienen“. Die Feuerzangenbowle ist geprägt durch solch eine Rahmenhandlung, in der der berühmte Schriftsteller Pfeiffer sich mit einer Gruppe älterer Herren zur Feuerzangenbowle trifft. Die Männer schwärmen von den Streichen ihrer Schulzeit. Als sie feststellen, dass Pfeiffer nie eine öffentliche Schule besucht hat, beschließen sie, dass er das nachholen müsse. Durch diese Einführung bekommt der Film gleich zu Beginn eine sentimentale, schwelgerische Färbung.
Die Binnenhandlung, Pfeiffers Schulbesuch, beginnt mit der Begrüßung durch Professor Crey. Dabei werden schnell zwei Dinge deutlich: 1. „Die erwarteten Verhaltensweisen der Schüler [… sind] Unterordnung gegenüber den Lehrkräften und Erweisen von Höflichkeit und Respekt“ (Kiper 2008: 17.). 2. Pfeiffer ist nicht gewillt, sich unterzuordnen und übernimmt durch seinen legendären Spruch „[Pfeiffer] mit drei ‚f’“ die Rolle des Klassenclowns.
Mit dieser selbst gewählten Rolle gelingt ihm auch der Übergang von einer unfreiwilligen Komik in eine bewusste, kontrollierte. Macht er sich erst zum Gespött der Klasse, so hat er schnell die Lacher auf seiner Seite. Die Notwendigkeit einer solchen Entwicklung wird bewusst inszeniert und die weitere Entwicklung dramaturgisch komponiert: Zunächst wird Pfeiffer aufsichtig in einer Totalen auf dem Schulhof abseits der übrigen Schüler gezeigt. Seine Gesten drücken Zögern, ja Schüchternheit aus. Dazu eine Voice Over „Dann stehe ich eines morgens auf dem Schulhof, bin der Neue, die Sensation für Banberg und jetzt kommen sie in dichten Haufen und staunen mich an, fragen mich aus, wer ich bin, woher ich komme, ob ich …“ (08:37-08:56.). Während sich Pfeiffer in der Voice Over - dem Brückenschlag von der Situation der Feuerzangenbowle zur langen Schul-„rückblende“ – im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses sieht, spricht das Bild eine andere Sprache: Niemand beachtet ihn. Durch dieses Auseinanderfallen von Voice Over und Bildern, und das damals geltende Vertrauen in die Evidenz des Bildes, wird beim Zuschauer ein Gefühl geweckt, dass nun das tatsächlich Erlebte erzählt wird, etwas das sich von der Träumerei der Feuerzangenbowle absetzt, quasi die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Konzept der Spurensuche im Film und etabliert den Rahmen der Untersuchung an der Schnittstelle von Filmwissenschaft und Pädagogik.
2 Bestimmung des Korpus: In diesem Kapitel wird die Filmauswahl begründet und die Relevanz des Mediums Film für die Lebenswelt Jugendlicher diskutiert.
3 Theorie: Der theoretische Rahmen umfasst Definitionen von Jugend, Identität, dem Sozialraum Schule sowie grundlegende dramaturgische Begriffe und Konzepte wie die "Reise des Helden".
4 Spurensuche: Dieses Hauptkapitel führt eine detaillierte Analyse der Filme "Die Feuerzangenbowle", "The Breakfast Club" und "Entre les murs" durch, inklusive historischer Verortung und dramaturgischer Detailanalysen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert das Potenzial des Genres Schulfilm und plädiert für eine stärkere Einbindung filmischer Bildung in den schulischen Kontext.
6 Literatur: Das Literaturverzeichnis listet die verwendeten Schriften und Filme auf.
7 Anhang: Interview mit Laurent Cantet: Ein ergänzendes Interview bietet zusätzliche Einblicke in die Intentionen und Produktionsweisen des Regisseurs von "Entre les murs".
8 Einstellungen zur Voice Over (Exposition): Ein ergänzendes Kapitel mit Bildmaterial zur visuellen Analyse der Exposition.
Schulfilm, Jugend, Identität, Filmdramaturgie, Die Feuerzangenbowle, The Breakfast Club, Entre les murs, Coming of Age, Medienpädagogik, Spurensuche, Sozialisation, Kultfilm, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Narrative Struktur, Filmkanon.
Die Arbeit untersucht das Bild von Schule und Heranwachsenden in ausgewählten Schulfilmen, um zu verstehen, wie diese Filme Identität formen und gesellschaftliche Werte vermitteln.
Die zentralen Themenfelder sind die filmische Inszenierung von Adoleszenz, das Spannungsfeld zwischen Lehrerrolle und Schülerschaft sowie die dramaturgische Konstruktion von Coming-of-Age-Geschichten.
Das Ziel ist es, durch eine ästhetisch-historische Analyse aufzuzeigen, wie Kultfilme kritisch hinterfragt werden können und welchen Wert die Auseinandersetzung mit ihnen für die pädagogische Arbeit hat.
Der Autor nutzt eine historisch-ästhetische Spurensuche, die filmtheoretische Analyse, dramaturgische Strukturanalyse sowie sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über Jugend und Sozialisation kombiniert.
Im Hauptteil werden drei Filme – "Die Feuerzangenbowle", "The Breakfast Club" und "Entre les murs" – detailliert analysiert, wobei besonders die jeweiligen Entstehungsumstände, dramaturgischen Muster und ihre gesellschaftliche Spiegelungsfunktion untersucht werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schulfilm, Identität, Dramaturgie, Coming-of-Age und Medienpädagogik charakterisiert.
Sie dient als deutsches archetypisches Muster für einen Schulfilm. Die Arbeit untersucht den Kultstatus des Films kritisch vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit im Nationalsozialismus.
Laut der Arbeit zeichnet sich der Film durch John Hughes' Fokus auf psychologisch tiefergehende Charakterdarstellungen statt rein oberflächlicher Klischees aus, was ihn zu einem wegweisenden Genre-Beispiel macht.
Der Film verzichtet auf klassische dramaturgische Versatzstücke und inszeniert den französischen Schulalltag durch seinen dokumentarischen, authentischen Stil als "Resonanzboden" für die Außenwelt.
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