Bachelorarbeit, 2014
48 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Sokrates Einfluss auf die Sicht des Lehrens
2.2 Die pädagogische Diagnose
2.3 Voraussetzungen für die Diagnose im Schulunterricht
2.4 Förderliche Verhaltensweisen für die pädagogische Diagnose
2.5 Relevanz der pädagogischen Diagnose
2.6 Die Verwicklung
3 Hypothesen
4 Methode
4.1 Stichprobe
4.2 Ethischer Hintergrund
4.3 Material
4.4 Vorgehensweise und Design
4.5 Analyse und Kodierung
5 Ergebnisse
5.1 Alternative Verhaltensweisen bei der Analyse des Lehrer-Schüler-Dialogs
5.2 Theoretisch-deklaratives Wissen über diagnostische relevante förderliche Verhaltensweisen
5.3 Theoretisch-deklaratives Wissen über diagnostische relevante nicht förderliche Verhaltensweisen
5.4 Selbsteinschätzung des theoretischen Wissens und Selbsteinschätzung der eigenen Diagnosekompetenz
5.5 Relevanz der diagnostischen Kompetenz im Schulalltag
6 Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss beruflicher Erfahrung auf die diagnostische Kompetenz von Lehrpersonen im Kontext eines Lehrer-Schüler-Dialogs. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob erfahrene Lehrkräfte im Vergleich zu Lehramtsstudierenden über ein breiteres Repertoire an alternativen Handlungsstrategien zur Diagnose von Lernprozessen verfügen und wie sich beide Gruppen hinsichtlich ihres theoretisch-deklarativen Wissens und ihrer Selbsteinschätzung unterscheiden.
2.1 Sokrates Einfluss auf die Sicht des Lehrens
Es ist so leicht nicht, wie die Welt glaubet, das Amt einer Hebamme, wie Socrates sagte, an der Seelen des Menschen zu verrichten, und das, was sie eigentlich denket und glaubet, ans Licht zu ziehen. Man muß oft lange fragen, ehe man etwas gewisses erfähret. Man muß die Fragen auf vielerley Weise ändern und herum setzen. Man muß sich oft stellen, als wenn man auf etwas anders kommen wolle, und durch einen Umweg zu seinem Zwecke langsam fortgehen, um der Seelen Raum zu geben, sich wieder zu setzen und zu ermuntern. So viele Köpfe und Geister es gibt, so viele Arten dieser Prüfung können beinahe Statt haben. (Mosheim, 1753, S. 496)
Sokrates lehrte nach dem Leitspruch, den Lernenden nicht zu belehren, sondern ihn dazu zu befähigen, selbstständig auf die Lösung zu kommen. Die Lehrperson soll nicht mehr in den Lernprozess des Schülers eingreifen, als eine Hebamme bei der Betreuung einer Geburt und das Wissen der Lernenden „heben“ (Bühler, 2012, S. 32), wie die Hebamme das Neugeborene „hebt“. Man spricht daher auch von der Mäeutik, was im Altgriechischen die Hebammen- oder die „Geburtshelferkunst“ (Loska, 1995, S.9) bedeutet.
Wie genau der große Philosoph diese Kunst der Gesprächsführung ausübte, ist allerdings umstritten, da er selbst keine Schriften hinterließ und die von seinen Schülern Aristophanes, Platon und Xenophon sich teilweise widersprechen (Bühler, 2012). So haben sich neben Mosheim (1694-1755) seit dem 17. Jahrhundert eine ganze Reihe von Pädagogen und Psychologen damit befasst, wie man die „sokratische Lehrmethode“ erfolgreich umsetzen kann.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Lehrerkompetenzen für den Lernerfolg und verortet das Thema der diagnostischen Kompetenz innerhalb der Standards der Lehrerbildung.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der pädagogischen Diagnose, den Einfluss sokratischer Lehrmethoden sowie die Bedeutung eines Autonomie-unterstützenden Lehrstils für den Diagnoseprozess.
3 Hypothesen: Hier werden auf Basis der Literatur sechs Hypothesen formuliert, die den Zusammenhang zwischen Berufserfahrung und diagnostischer Kompetenz sowie theoretischem Wissen untersuchen.
4 Methode: Das Kapitel beschreibt den Versuchsaufbau, die Stichprobe der Lehrkräfte und Studierenden sowie die videobasierte Erfassung der Kompetenz mittels systematischer Beobachtung.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die statistische Auswertung der t-Tests zu den Unterschieden in der Anzahl alternativer Vorschläge und der Selbsteinschätzung zwischen den Expertisegruppen.
6 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Literatur und hinterfragt die methodischen Aspekte der durchgeführten Untersuchung.
Pädagogische Diagnose, Diagnosekompetenz, Lehrer-Schüler-Dialog, Berufserfahrung, Autonomie-unterstützende Lehrart, Lehrerbildung, formative Diagnose, Expertise, Unterrichtsqualität, pädagogische Psychologie, Lernprozesse, Lehrerkompetenz, Interaktionsstrategien, Selbsteinschätzung, Unterrichtsvideos.
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die berufliche Erfahrung von Lehrpersonen auf deren Fähigkeit zur pädagogischen Diagnose von Lernprozessen in einem Lehrer-Schüler-Dialog hat.
Zentrale Themen sind die pädagogische Diagnosekompetenz, der Autonomie-unterstützende Lehrstil, die Analyse von Unterrichtsvideos und der Vergleich von expertisierten Lehrkräften gegenüber Lehramtsstudierenden.
Das Ziel ist es herauszufinden, ob erfahrene Lehrkräfte in der Lage sind, bei der Beobachtung von Dialogen mehr und vielfältigere alternative Interaktionsstrategien zu identifizieren als Studierende ohne praktische Erfahrung.
Es wurde eine videobasierte Erfassung der diagnostischen Kompetenz in drei Schritten durchgeführt, ergänzt durch einen standardisierten Fragebogen zur Selbsteinschätzung und zur Erhebung des theoretisch-deklarativen Wissens.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Formulierung von Hypothesen, die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise und die Darstellung sowie Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diagnosekompetenz, Expertise, formative Diagnose und professionelle Unterrichtsgestaltung charakterisiert.
Erfahrene Lehrkräfte können die im Video gezeigten Verhaltensmuster mit ihren eigenen, gefestigten Handlungsmustern und ihrer Unterrichtsroutine abgleichen, was zu einer schnelleren Identifikation von Problemen und Lösungsstrategien führt.
Nein, die Studie widerlegt die Annahme, dass Studierende ihr theoretisches Wissen höher einschätzen; beide Gruppen bewerten ihr Wissen auf einem vergleichbaren Niveau.
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