Bachelorarbeit, 2015
42 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Amerikas Frauen – Die Oberköchin, Klara und Brunelda im Blick
2.1. Klara Pollunder
2.2. Oberköchin Grete Mitzelbach
2.3. Brunelda
3. Die weiblichen ‚Tücken‘ in Amerika
4. Frauen und die Jahrhundertwende
5. Otto Weiningers Frauenbild in Geschlecht und Charakter im Vergleich mit Amerikas Frauenbild
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärquellen
7.2. Forschungsliteratur
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion weiblicher Figuren in Franz Kafkas Romanfragment "Amerika" (Der Verschollene). Dabei wird analysiert, wie diese Figuren als bedrohliche Instanzen fungieren, die den sozialen Abstieg des Protagonisten Karl Roßmann maßgeblich beeinflussen. Ein zentrales Ziel ist es, diese Frauengestalten unter Rückgriff auf das misogyne Frauenbild in Otto Weiningers Dissertation "Geschlecht und Charakter" kritisch zu hinterfragen und die Verknüpfung von Mütterlichkeit und Erotik in Kafkas Werk aufzuzeigen.
2.1. Klara Pollunder
Die Begegnung mit dem „Fräulein Klara“ wird von dem Bankier Pollunder, einem Geschäftspartner des Onkels, eingeleitet. Dieser scheint bereits bei dem ersten Zusammentreffen von Karl eingenommen und lädt den Jungen zu sich auf das Landgut ein. Als Herr Pollunder am nächsten Tag unerwartet auftaucht, um Karl abzuholen, schiebt der Onkel verschiedene Ausflüchte vor, damit Karl die Reise nicht antritt. Herr Pollunder lässt sich jedoch nicht abschütteln und verweist mit Erfolg auf die Tochter, welche den Besuch des jungen Deutschen bereits heute Abend erwarte. Das Argument der wartenden jungen Frau scheint alle weiteren Einwände zu entkräften.
Während der Autofahrt zum Anwesen des Herrn Pollunders will Karl „vieles über das Fräulein Klara hören, als sei er ungeduldig über die lange Fahrt […]“ Aus der Distanz scheint Karl also sehr interessiert an der jungen Frau. Klara erwartet die Ankunft der beiden Männer bereits und nimmt Karl umgehend in Beschlag, in dem sie ihm ihre Pläne für die kurze gemeinsame Zeit unterbetet: „Nach dem Nachtmahl […] werden wir, wenn es Ihnen recht ist, gleich in meine Zimmer gehen […]. Und Sie werden dann so freundlich sein, mir Klavier vorzuspielen […].“ Mit diesem Übereifer scheint Karl zunächst einverstanden, auch, wenn der personale Erzähler anmerkt, dass er gerne Herrn Pollunder dabei gehabt hätte. Als Klara eröffnet, dass Herr Green für eine geschäftliche Besprechung mit dem Vater unerwartet aufgetaucht sei, sind sich die drei vorerst einig, dass sie diesen Besuch als Störung empfinden.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Bedeutung Kafkas und führt in das zentrale Thema der Rolle der Frauenfiguren in "Amerika" sowie deren bisherige Unterrepräsentation in der Forschung ein.
2. Amerikas Frauen – Die Oberköchin, Klara und Brunelda im Blick: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Figuren Klara Pollunder, die Oberköchin Grete Mitzelbach und Brunelda hinsichtlich ihrer Interaktion mit dem Protagonisten.
2.1. Klara Pollunder: Der Fokus liegt auf Klaras manipulativer Art und ihrer ambivalenten Wirkung auf Karl, die in einer gewaltsamen körperlichen Konfrontation gipfelt.
2.2. Oberköchin Grete Mitzelbach: Die Oberköchin wird als ambivalente Mutterfigur charakterisiert, deren fürsorgliche Unterstützung Karls dennoch mit einem unterschwelligen sexuellen und Macht-Aspekt verknüpft ist.
2.3. Brunelda: Brunelda wird als triebgesteuerte, exzessive Figur dargestellt, die Karl und seine Gefährten durch ihre erotische Ausstrahlung dominiert und als „reine Fleischmasse“ fungiert.
3. Die weiblichen ‚Tücken‘ in Amerika: Zusammenfassende Untersuchung, wie die Frauen als Lockmittel agieren und durch ihre Verbindung zu mächtigen Männern unangreifbar bleiben.
4. Frauen und die Jahrhundertwende: Historische Einordnung des gesellschaftlichen Klimas um 1900 und die damit verbundene Angst vor dem „Weiblichen“.
5. Otto Weiningers Frauenbild in Geschlecht und Charakter im Vergleich mit Amerikas Frauenbild: Direkter Vergleich von Kafkas literarischer Frauenzeichnung mit den misogynen Thesen Weiningers zur moralischen Defektheit der Frau.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Analyseergebnisse, die aufzeigt, dass keine universelle Formel das Weibliche bei Kafka erklärt, aber klare Muster in der Machtausübung existieren.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.
7.1 Primärquellen: Nennung der primären Werkausgaben von Kafka und Weininger.
7.2. Forschungsliteratur: Vollständiges Verzeichnis der zitierten Sekundärliteratur.
Franz Kafka, Amerika, Der Verschollene, Otto Weininger, Geschlecht und Charakter, Frauenbilder, Mütterlichkeit, Erotik, Weiblichkeit, Literaturwissenschaft, Machtstrukturen, Klara Pollunder, Oberköchin, Brunelda, Jahrhundertwende.
Die Arbeit untersucht die Darstellung weiblicher Figuren in Franz Kafkas Roman "Amerika" und analysiert deren Funktion als bedrohliche Einflüsse im sozialen Aufstieg und Abstieg des Protagonisten Karl Roßmann.
Die zentralen Themen sind das ambivalente Frauenbild bei Kafka, die Verknüpfung von Mütterlichkeit und Sexualität sowie die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern.
Die Arbeit fragt nach der Funktion der Frauenfiguren in "Amerika" und wie diese unter Einbeziehung von Otto Weiningers "Geschlecht und Charakter" als Verkörperung männlicher Ängste interpretiert werden können.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mittels rezeptionstheoretischer und biographischer Ansätze sowie unter Anwendung philosophiegeschichtlicher Theorien (Weininger) untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse der drei Frauenfiguren (Klara, Oberköchin, Brunelda), eine historische Einordnung der Epoche und einen Vergleich mit Weiningers Thesen.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Kafka, Amerika, Weiblichkeit, Erotik, Mütterlichkeit, Machtmittel, Weininger und das Motiv des sozialen Abstiegs.
Klara fungiert als manipulative Verführerin, die durch ihre Launen und ihre körperliche Überlegenheit Karl in eine Situation bringt, die letztlich zu seinem Ausschluss aus dem Umfeld des Onkels beiträgt.
Sie nimmt die Rolle der aufopfernden, mütterlichen Versorgerin ein, zeigt jedoch gleichzeitig ein erotisches Interesse am Oberkellner und nutzt dieses Machtverhältnis, um über das Schicksal Karls zu entscheiden.
Durch ihre völlige Hingabe an physische Bedürfnisse, ihre Umgebung (Fliegen, Schmutz) und ihr teils infantiles, teils raubtierhaftes Verhalten wird sie als eine Figur dargestellt, die der Natur näher steht als dem rationalen Menschen.
Während Karl als Protagonist ständig Opfer gesellschaftlicher und zwischenmenschlicher Konflikte wird, agieren die Frauen aus einer privilegierten Position heraus und bleiben in ihren Handlungen weitgehend unangreifbar.
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