Masterarbeit, 2016
61 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Widerstandsbegriff
3. Politische und religiöse Situation zu der Zeit von Galens
3.1 Die Situation bis 1933
3.2 Die Situation nach der Machtergreifung Hitlers
4. Von Galens Werdegang bis 1933
4.1 Prägung durch Herkunft und Familie
4.2 Einflüsse während der Schule und des Studiums
4.3 Die Zeit als Kaplan, Curatus und Pfarrer in Berlin
4.4 Von Galen als Pfarrer in Münster
4.5 Die Ernennung zum Bischof
5. Von Galens Verhalten gegenüber dem NS-Regime
5.1 Zur Kriegspolitik der Nationalsozialisten gegen die Sowjetunion
5.2 Neuheidentum
5.3 Katholische Organisationen
5.4 Kinderlandverschickung
5.5 Klostersturm
5.6 Euthanasieprogramm
5.7 Judenverfolgung
6. Wirkung und Reaktionen
6.1 Wirkung auf die Bevölkerung Münsters
6.2 Reaktionen des NS-Regimes
7. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die historische Kontroverse um Clemens August Graf von Galen und analysiert, ob sein Wirken als Bischof von Münster während des Nationalsozialismus als Widerstand gegen das NS-Regime gewertet werden kann. Dabei wird insbesondere der Dissens zwischen seinem Einsatz für die Kirche und seine befürwortende Haltung gegenüber Teilen der nationalsozialistischen Kriegspolitik kritisch beleuchtet.
5.6 Euthanasieprogramm
Von Galen beschränkt sich in seinen Predigten jedoch nicht nur auf den Protest gegen die Zwangsenteignung von Klöstern und kirchlichen Einrichtungen, sondern spricht sich ab August 1941 auch gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, das die Tötung von sogenannten `lebensunwerten Lebens´ vorsah, aus.245 Für die Nationalsozialisten fallen unter diesen Begriff insbesondere Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, sowie nicht mehr arbeitsfähige und infolgedessen nach Auffassung des Regimes unproduktive Reichsbewohner.246 Unter strengster Geheimhaltung werden diese Menschen ab 1940 bis zum Ende des Krieges landesweit in sogenannten Heil- und Pflegeanstalten überführt und systematisch ermordet.247 Zum Zweck der Geheimhaltung werden im Anschluss die Hinterbliebenen über den Tod des Angehörigen informiert, jedoch unter falscher Angabe der Todesursache.248
Dennoch ist davon auszugehen, dass spätestens seit Anfang 1941 „Informationen über das Euthanasieprogramm trotz des Geheimschleiers, den das Regime darüber gelegt hatte, […] in der Bevölkerung […] breit gestreut waren“249, diese jedoch oftmals als Gerüchte angesehen werden, da Informationen mündlich und unbelegt sind. Infolgedessen und aufgrund der Angst vor Konsequenzen seitens des Regimes bleiben „Proteste aus der Bevölkerung gegen die Euthanasie […] seltene Ausnahme.“250 Die katholische Kirche, die schätzungsweise seit Herbst 1940 detaillierte Informationen über Verfahrensabläufe der Euthanasie hatte, versuchte durch Kontaktaufnahmen der Bischöfe zur Reichsregierung und einen gemeinsam aufgesetzten Hirtenbrief gegen die Maßnahme des Regimes vorzugehen, jedoch bleiben auch hier großflächig angelegte öffentliche Proteste aus, dass wiederum auf die Haltung des Kardinals Bertram und seinen Kurs jenseits politischer und öffentlicher Proteste zurückzuführen ist.251
1. Einleitung: Diese Arbeit stellt die Forschungsfrage, ob Clemens August Graf von Galen als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime gelten kann, da sein Verhalten bis heute umstritten ist.
2. Der Widerstandsbegriff: Es erfolgt eine wissenschaftliche Definition des Widerstandsbegriffs im Kontext des Nationalsozialismus, um eine objektive Bewertung der Handlungen Galens zu ermöglichen.
3. Politische und religiöse Situation zu der Zeit von Galens: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Rahmen, insbesondere die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges sowie die politischen Veränderungen von der Weimarer Republik bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung.
4. Von Galens Werdegang bis 1933: Der Autor beschreibt die familiäre Prägung, die Ausbildung und die seelsorgerische Tätigkeit Galens, die sein Weltbild und sein Amtsverständnis maßgeblich formten.
5. Von Galens Verhalten gegenüber dem NS-Regime: Hier werden Galens Positionierungen zu Themen wie der Kriegspolitik, dem Neuheidentum, katholischen Organisationen, der Kinderlandverschickung, dem Klostersturm, dem Euthanasieprogramm und der Judenverfolgung analysiert.
6. Wirkung und Reaktionen: Das Kapitel untersucht die Resonanz von Galens Predigten in der Bevölkerung und die unmittelbaren Reaktionen der nationalsozialistischen Machthaber.
7. Fazit: Die Arbeit gelangt zu der Schlussfolgerung, dass von Galen trotz seiner befürwortenden Haltung in einigen Kriegsfragen als Vertreter des Widerstands im Nationalsozialismus anzusehen ist.
Clemens August Graf von Galen, Widerstand, Nationalsozialismus, Katholische Kirche, Euthanasieprogramm, Klostersturm, Bolschewismus, Kirchengeschichte, Münster, NS-Regime, Bekenntnisschule, Menschenwürde, Gehorsam, Drittes Reich, Moral.
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen im Nationalsozialismus und geht der Frage nach, ob man ihn trotz seiner Positionierungen zu kriegerischen Handlungen als Widerstandskämpfer bezeichnen kann.
Die Arbeit fokussiert auf Galens Haltung zur NS-Ideologie, seinen Einsatz für kirchliche Organisationen, Schulen und gegen das Euthanasieprogramm sowie seine differenzierte Sicht auf Krieg und Judenverfolgung.
Das Ziel ist die Klärung des Dissenses über Galens Person, um sein Handeln als Bischof in einem totalitären System historisch fundiert einzuordnen.
Es handelt sich um eine historisch-theologische Analyse, die auf der Auswertung von Predigten, Hirtenbriefen, Denkschriften und zeitgenössischen Dokumenten basiert.
Der Hauptteil analysiert detailliert Galens konkrete Stellungnahmen zu staatlichen Eingriffen des NS-Regimes in kirchliche Belange sowie seine Auffassung zum Krieg gegen die Sowjetunion.
Neben dem Widerstand gegen das NS-Regime sind die Begriffe christliche Moral, bischöfliche Autorität, Verhältnis von Kirche und Staat sowie die Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus zentral.
Galen betrachtete den Krieg gegen die Sowjetunion aus einer antikommunistischen Grundhaltung heraus teilweise als Verteidigungs- und Befreiungskrieg für das Christentum, was ihn in einen Konflikt zur generellen Ablehnung von Angriffskriegen brachte.
Das Regime dokumentierte seine Predigten genau und sah darin Hochverrat und Meuterei, schreckte jedoch vor einer Verhaftung zurück, um das Münsterland und ganz Westfalen nicht gegen sich aufzubringen.
Die Unterstützung war ambivalent; während er sich öffentlich kaum explizit namentlich für die Juden gegen das Regime aussprach, gibt es Berichte über private Hilfeleistungen und finanzielle Unterstützung.
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