Bachelorarbeit, 2016
49 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die letzten Jahre Franz Schuberts und die Entstehungsgeschichte des posthum entstandenen Schwanengesangs
3. Ludwig Rellstab und die Übergabe seiner Gedichte an Beethoven
4. EXKURS: Das musikalische Fragment
4.1. Die Abgrenzung des musikalischen Fragment zu anderen Begrifflichkeiten
4.2. Die Grundtypen eines Fragments bei musikalischen Werken
4.3. Bezug der Fragmenttheorie nach Lindmayr-Brandl auf den Schwanengesang und die Rellstabvertonungen
5. Analyse der Rellstabvertonungen
5.1. Vertonungen aus dem Schwanengesang (D 957, 1-7)
5.1.1. Liebesbotschaft
5.1.2. Kriegers Ahnung
5.1.3. Frühlingssehnsucht
5.1.4. Ständchen
5.1.5. Aufenthalt
5.1.6. In der Ferne
5.1.7. Abschied
5.2. Andere Rellstabvertonungen mit Begleitung des Pianoforte
5.2.1. Lebensmuth (D 937)
5.2.2. Herbst (D 945)
6. Ergeben die Rellstabvertonungen doch einen Zyklus?
6.1. Was ist ein Liedzyklus? – Empirische Definitionen im Kurzüberblick
6.2. Doch kein Zyklus?
6.3. Doch ein Zyklus?
6.4. Fazit
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht, ob die Rellstabvertonungen aus dem Schwanengesang (D 957) sowie die ergänzenden Stücke Herbst (D 945) und das Fragment Lebensmuth (D 937) trotz ihrer komplexen Entstehungsgeschichte als zyklische Einheit betrachtet werden können.
4.1. Die Abgrenzung des musikalischen Fragment zu anderen Begrifflichkeiten
Um das musikalische Fragment von anderen Begrifflichkeiten zu unterscheiden, ist eine Differenzierung der Nomenklatur hinsichtlich ihrer Verwendung und ihres Ausdrucks notwendig. Zieht man die Definitionen von Konrad zu den bereits genannten Begrifflichkeiten „Skizze“, „Entwurf“ und „Fragment“ hinzu, wird dies sehr deutlich:
„Die Skizze stellt innerhalb des Kompositionsvorgangs die erste Form der schriftlichen Fixierung einer musikalischen Gestalt dar. Ihr Inhalt kann, bezogen auf die weitere Ausführung der Gestalt, vorläufig oder endgültig sein. Im darauffolgenden Entwurf wird die erste, satzkonstitutive Schicht der endgültigen Fassung eines Werkes oder Werkabschnittes festgehalten. […] Das Fragment ist eine auf dem Weg vom Entwurf zur Endgestalt nicht abgeschlossene Ausfertigung eines Werkes oder Werkabschnittes; es kann in sich voll ausgeführte Kompositionsteile bergen“48.
Heraus kommt heraus, dass die unterschiedlichen Begrifflichkeiten die verschiedenen Stadien eines Arbeitsprozesses zum Ausdruck bringen. Allerdings beantwortet Konrad in dieser Definition nicht die Frage wie ein Werk zu benennen ist welches unvollständig überliefert wurde. Aufgrund dessen muss der erste Satzteil der Definition von Deutsch hinzugezogen werden: „Als Fragment bezeichnen wir eine Komposition, wenn sie unvollständig überliefert ist […]“49. Nach Lindmayr-Brandl ergeben sich damit vier Arbeitsstadien in einer Komposition: Skizze, Entwurf, Fragment und vollständiger Notentext. Als vollständiger Notentext ist die autografe Niederschrift des Komponisten anzusehen. Schon vor der Fertigstellung der Monographie von Lindmayer-Brandl haben sich weitere Begrifflichkeiten eingebürgert, die das Arbeitsstadium des vollständigen Notentextes weiter unterteilen; erste Niederschrift und Reinschrift. Nach Lindmayr-Brandl soll der Begriff erste Niederschrift das „erste, eigenschriftliche Vollendungsstadium“50 beschreiben.
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur zyklischen Zusammengehörigkeit der Rellstab-Vertonungen unter Berücksichtigung fragmenttheoretischer und musikalischer Analysen.
2. Die letzten Jahre Franz Schuberts und die Entstehungsgeschichte des posthum entstandenen Schwanengesangs: Beleuchtung der Lebensumstände Schuberts in den letzten Jahren und der komplizierten, durch den Verleger Hasslinger geprägten Veröffentlichungsgeschichte.
3. Ludwig Rellstab und die Übergabe seiner Gedichte an Beethoven: Biografische Einordnung Rellstabs und die historische Kontextualisierung der Übergabe seiner Gedichte, die schließlich in die Hände Schuberts gelangten.
4. EXKURS: Das musikalische Fragment: Theoretische Grundlegung und Begriffsbestimmung von Fragment, Entwurf und Skizze im Werkzusammenhang von Franz Schubert.
5. Analyse der Rellstabvertonungen: Detaillierte musikalisch-poetische Untersuchung der Lieder aus dem Schwanengesang sowie der zusätzlichen Kompositionen Herbst und Lebensmuth.
6. Ergeben die Rellstabvertonungen doch einen Zyklus?: Zusammenführung der Analyseergebnisse und Diskussion der zyklischen Kohärenz auf Basis musikwissenschaftlicher Definitionen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Musikalien und wissenschaftlichen Sekundärquellen.
Franz Schubert, Schwanengesang, Rellstablieder, Liederzyklus, musikalisches Fragment, Lindmayr-Brandl, musikalisch-poetische Analyse, Lebensmuth, Herbst, Kammermusik, Kompositionsfragment, Tonartencharakteristik, Wiener Klassik, Liedanalyse, Musikgeschichte.
Die Arbeit untersucht die Rellstab-Vertonungen von Franz Schubert, insbesondere die Frage, ob diese Lieder trotz ihrer Entstehungsgeschichte als einheitlicher Liederzyklus verstanden werden können.
Im Zentrum stehen die Fragmenttheorie, die Entstehungsgeschichte der Rellstab-Vertonungen sowie eine detaillierte Analyse der musikalischen Struktur und der poetischen Inhalte der Lieder.
Ziel ist es, durch die Kombination historischer Fakten und einer musikalisch-poetischen Analyse zu prüfen, ob die Rellstab-Lieder eine zyklische Einheit bilden oder ob sie als autarke Kompositionen zu betrachten sind.
Die Arbeit nutzt musiktheoretische Analysen, vergleicht Quellen zur Entstehungsgeschichte und wendet die Fragmenttheorie nach Andrea Lindmayr-Brandl an.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Exkurs über den Fragmentbegriff sowie eine systematische Einzalanalyse der Lieder des Schwanengesangs (Rellstab-Teil) und der ergänzenden Werke Lebensmuth und Herbst.
Wichtige Begriffe sind hierbei der Liederzyklus, das Kompositionsfragment, die tonale und motivische Klammer sowie die Bedeutung der Interpretation durch den Verleger Hasslinger.
Die Arbeit betont, dass die Zusammenstellung des Schwanengesangs auf einer nachträglichen Auswahl des Verlegers basiert, was die zyklische Absicht Schuberts in Frage stellt.
Das Fragment Lebensmuth wird als entscheidendes Puzzleteil diskutiert; würde man es als fast vollständig komponiert betrachten, ließe sich ein zyklischer Zusammenhang theoretisch fundierter argumentieren.
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