Masterarbeit, 2009
44 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Schulstruktur im Wandel
2.1 Argumente für Ganztagsschulen
2.2 Definition und Organisationsformen
2.2.1 Die offene Ganztagsschule
2.2.2 Die teilgebundene Ganztagsschule
2.2.3 Die gebundene Ganztagsschule
3. Organisationsentwicklung als Grundlage im Entwicklungsprozess zur Ganztagsschule
3.1 Drei-Wege-Modell der Schulentwicklung
3.2 Schule als lernende Organisation
3.3 Strategien des Wandels
3.4 Widerstand gegen Wandel
4. Organisationsentwicklung als Instrumentarium
4.1 Daten sammeln
4.2 Vereinbaren von Entwicklungszielen
4.3 Entwicklungsvorhaben planen
4.3.1 Raum- und Sachkonzept
4.3.2 Zeitstrukturen
4.3.2.1 Rhythmisierung und Lernzeit
4.3.2.2 Die Mittagszeit
4.3.3 Personalentwicklung
4.3.3.1 Berufsgruppenbezogene Personalentwicklung
4.3.3.2 Integration der Personalentwicklung mit außerschulischen Partnern
4.3.4 Öffnung von Schule
4.3.4.1 Partizipation
4.3.4.2 Kooperation
4.4 Durchführung des Entwicklungsvorhabens
4.4.1 Die Einführungsphase
4.4.2 Die Phase der Konsolidierung
4.5 Evaluation
4.6 Zusammenfassung
5. Die Führung im Wandel
5.1 Ein neues Anforderungsprofil für Schulleitung
5.2 Aufgaben der Schulleitung im Veränderungsprozess
6. Schlusswort
Die Arbeit untersucht die Umwandlung traditioneller Halbtagsschulen in gebundene Ganztagsschulen und analysiert, wie Organisationsentwicklung als steuerndes Instrumentarium diesen komplexen Veränderungsprozess unterstützen kann. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, welche Führungsaufgaben der Schulleitung zukommen, um Schule ganzheitlich als lernende Organisation zu gestalten.
3.2 Schule als lernende Organisation
Schule ist eine formale Organisation wie viele andere auch. Sie ist eine Unterrichtsanstalt mit hierarchischem Stellenkegel, mit Arbeitsteilung, Leistungsorientierung und zweckrationaler Ausrichtung des Verwaltungshandelns. Darüber hinaus ist sie aber auch gleichzeitig eine Erziehungs- und Bildungseinrichtung, die über die allgemeinen Merkmale einer Organisation hinaus Besonderheiten aufweist: Sie unterliegt nicht unmittelbar den Gesetzen der Warenproduktion, die in ihr stattfindenden Bildungs- und Erziehungsprozesse lassen sich nicht operationalisieren, sie unterliegen auch nicht klar geregelten „Produktionsmethoden“.
Die in ihr tätigen Lehrkräfte verfügen über ein relativ hohes Maß an Autonomie am Arbeitsplatz. Diese Autonomie ist es nicht selten, die Veränderungsprozesse erschwert, da weder der Gesetzgeber noch die Schulleitung Lehrkräfte zu verändertem Denken und Handeln zwingen können. „Das Individuum handelt nur, wenn es ein Bedürfnis zum Handeln empfindet“. Lernen wird ausgelöst, wenn das Gleichgewicht zwischen Organismus und Umwelt gestört wird. Als Reaktion darauf setzt ein Anpassungsprozess ein, der die Wiederherstellung des Gleichgewichts anstrebt.
Diese Merkmale des Lernens gelten nicht nur für den einzelnen Organismus, sondern auch für soziale Systeme, wie es zum Beispiel eine Schule darstellt. Innerhalb der Beziehung von System und Umwelt ist die „Passung des Systems an seine Umwelt das vordringliche Ziel organisationalen Lernens“. Allerdings stellt sich die Frage, warum viele Organisationen lange Zeit überlebt haben, ohne sich wirklich wesentlich verändert zu haben. „Soziale Systeme verfügen über eine große Fähigkeit, formale Veränderungen zu absorbieren, ohne sich wirklich zu verändern. (...) Ob Veränderung stattfindet, hängt davon ab, ob Akteure sich auf Wandel einlassen, (...)“, denn ohne Personen kann eine Organisation nicht lernen. Als „Lernende Schule“ wird eine Schule bezeichnet, die ihren Entwicklungsprozess selbst organisieren kann, und an deren Gestaltung die Lehrer/innen und Schüler/innen, die Schulleitung, die Eltern, Hausmeister und weiteres Personal mitwirken.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Debatte und die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung durch den Ausbau von Ganztagsschulen.
2. Schulstruktur im Wandel: Dieses Kapitel diskutiert die Argumente für Ganztagsschulen sowie die Differenzierung zwischen offenen, teilgebundenen und gebundenen Organisationsformen.
3. Organisationsentwicklung als Grundlage im Entwicklungsprozess zur Ganztagsschule: Hier werden theoretische Grundlagen wie das Drei-Wege-Modell und das Konzept der lernenden Organisation als Basis für den Schulentwicklungsprozess eingeführt.
4. Organisationsentwicklung als Instrumentarium: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die fünf Basisprozesse der Organisationsentwicklung und deren Anwendung auf die konkreten Anforderungen einer Ganztagsschule.
5. Die Führung im Wandel: Das Kapitel widmet sich den neuen Anforderungen an die Schulleitung und deren Aufgaben als Change Manager im Veränderungsprozess.
6. Schlusswort: Das Schlusswort betont, dass der Weg zur gebundenen Ganztagsschule eine fundamentale Gestaltung der Einzelschule erfordert, die weit über zeitliche Aspekte hinausgeht.
Organisationsentwicklung, Ganztagsschule, Schulentwicklung, Unterrichtsentwicklung, Personalentwicklung, Lernende Organisation, Schulleitung, Veränderungsmanagement, Rhythmisierung, Partizipation, Schulkultur, Schulstruktur, Bildungsreform, Change Management, Schulmanagement.
Die Arbeit befasst sich mit dem Veränderungsprozess von einer traditionellen Halbtagsschule hin zu einer gebundenen Ganztagsschule und der Rolle der Organisationsentwicklung bei diesem Wandel.
Die zentralen Themen sind Organisationsformen von Ganztagsschulen, die Architektur einer lernenden Organisation, die konkrete Planung von Entwicklungsvorhaben und die veränderten Führungsaufgaben der Schulleitung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Organisationsentwicklung als systematisches Instrumentarium genutzt werden kann, um eine Schule erfolgreich in eine gebundene Ganztagsschule umzugestalten.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und überträgt theoretische Konzepte der Organisationsentwicklung und des Change Managements praxisnah auf den Schulentwicklungsprozess.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Schule als lernende Organisation), die fünf Phasen der Organisationsentwicklung (Daten, Ziele, Planung, Durchführung, Evaluation) und die daraus abgeleiteten Aufgaben für Schulleitungen.
Wichtige Schlagworte sind Organisationsentwicklung, Rhythmisierung, Partizipation, Teamentwicklung und Schulleitungskompetenz.
Im Gegensatz zu offenen oder teilgebundenen Modellen ist die Teilnahme am Nachmittagsangebot in der gebundenen Form für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend, was eine tiefgreifende Rhythmisierung des gesamten Tagesablaufs ermöglicht.
Widerstand gilt als „siamesischer Zwilling“ von Veränderung, da er häufig aus Ängsten, Unsicherheiten oder dem Unverständnis gegenüber neuen Strukturen resultiert; er kann jedoch als Signal für blockierte Energien konstruktiv genutzt werden.
Rhythmisierung meint den sinnvollen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung über den Tag hinweg, um Lernen nicht nur als Zeitquantität, sondern als qualitativen, individuellen Prozess zu gestalten.
Die Schulleitung fungiert nicht mehr als bloße Anweisungsinstanz, sondern als hochqualifizierter Dienstleister, der Teams moderiert und den Prozess so steuert, dass er auf die Bedürfnisse der Organisation und ihrer Mitglieder abgestimmt ist.
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