Examensarbeit, 2016
76 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Entstehungskontext des Romans
3. Soumission: Zwischen Antizipation und Nachgegenwartsutopie
3.1 Das Romangeschehen
3.2 Modellierung der Realität und Referenzialität
3.2.1 Bezüge zum Realismus und Naturalismus
3.2.3 Authentifizierungsstrategien: Dokumentation und Recherche
3.2.3 Verweise auf die Gegenwart
3.2.4 Mise en abyme: Huysmans
3.2.5 Bezüge zur Situation des kontemporären Frankreichs/Europas
3.3 Antizipation und der Aspekt des Prophétisme littéraire
3.3.1 Im Frühwerk
3.3.2 Soumission als visionärer Vorgriff
3.4 Soumission - eine Nachgegenwartsutopie?
3.4.1 Fiktive Elemente und Fiktionalisierung der Realität
3.4.2 Hybridstellung zwischen Eutopie und Dystopie
3.5 Houellebecqs literarisches ‚Spiel‘
3.5.1 Das ‚Spiel' mit den Ängsten der Bevölkerung
3.5.2 Skandalpotenzial: Provokation und Satire
4. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht Michel Houellebecqs Roman Soumission vor dem Hintergrund seiner Einordnung als politisches, antizipatorisches Werk zwischen Realität und Fiktion. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Houellebecq durch die Integration realer politischer Entwicklungen und Ängste ein Szenario der „Nachgegenwartsutopie“ erschafft, das die Identitätskrise Frankreichs und Europas reflektiert.
3.2.4 Mise en abyme: Huysmans
Eine besondere Rolle kommt in Soumission dem dekadenten Romancier Joris-Karl Huysmans zu. Die Bezüge zu ihm und seinem Werk sind ambivalent und mehrdimensional angelegt. Zunächst scheint Houellebecq den Leser durch den engen Bezug zu Huysmans dazu einzuladen, seine eigene Midlife-Crisis als Romancier zu begutachten (vgl. Hanson 2015, o.S.). Im Roman wird die Frage aufgeworfen, ob ein Schriftsteller nach Erreichen seines literarischen Höhepunkts überhaupt noch weiterschreiben kann (vgl. SM 2015, 48). Diese Frage bezieht sich nicht nur auf Huysmans, sondern lässt sich auch auf Houellebecq selbst sowie den Protagonisten von Soumission, der gerade seine Doktorarbeit fertiggestellt hat (welche für ihn zugleich den Höhepunkt seines Lebens darstellt), übertragen (vgl. Hanson 2015, o.S.).
François ist Huysmans-Experte, schreibt von Zeit zu Zeit Artikel für die Zeitschrift Journal des dix-neuvièmistes und hat zudem gerade mit einer Doktorarbeit („Joris-Karl Huysmans, ou la sortie du tunnel“ - SM 2015, 11) über Huysmans promoviert. Aber François' Verbindung zu Huysmans reicht über das rein literarische und wissenschaftliche Interesse hinaus. Huysmans ist nicht nur Forschungsgegenstand, sondern es gibt mehrere biografische Parallelen, die den Ich-Erzähler mit Huysmans verbinden: „The nineteenth-century Huysmans […] haunts the work as more than a simple literary echo“ (Allan 2015, o.S.).
Huysmans wird nicht nur in den entscheidenden Schlüsselmomenten von François' Leben erwähnt, sondern seine Lebensgeschichte wird nahezu auf ihn überschrieben (vgl. Almeida J. 2015, 52). Beide sind zunächst frustrierte und zurückgezogen lebende Angestellte des mittleren Dienstes, für die dann aber schließlich in der Hinwendung zur Religiosität gewissermaßen eine Erfüllung der Leere erfahrbar wird (vgl. Steinfeld 2015a, o.S.). Huysmans stellt für François eine existenzielle und spirituelle Orientierung dar und bietet ihm ein hohes Identifikationspotenzial. Zudem scheint eine freundschaftliche Verbindung zwischen François und Huysmans zu bestehen: „[U]n livre qu’on aime, c’est avant tout un livre dont on aime l’auteur, qu’on a envie de retrouver, avec lequel on a envie de passer ses journées“ (SM 2015, 14).
1. Einleitung: Einführung in die kontroverse Wirkung des Autors und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage zum Spannungsfeld von Realität und Fiktion.
2. Entstehungskontext des Romans: Analyse der politischen und soziokulturellen Lage Frankreichs, insbesondere der Rolle des Antitotalitarismus und des Front National.
3. Soumission: Zwischen Antizipation und Nachgegenwartsutopie: Umfassende Untersuchung der Romanstruktur, der literarischen Verweise auf Huysmans und der hybriden Gattungszuordnung des Werks.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Analyseergebnisse und Aufzeigen des weiteren Forschungsbedarfs hinsichtlich Houellebecqs literarischer Poetik.
Soumission, Michel Houellebecq, Joris-Karl Huysmans, Nachgegenwartsutopie, politische Fiktion, Islamisierung, Frankreich, Identitätskrise, Literatur und Politik, Antizipation, Dystopie, Realismus, Skandal, Mise en abyme, gesellschaftlicher Wandel.
Die Arbeit analysiert den Roman Soumission von Michel Houellebecq und dessen Einbettung in das kontemporäre politische und gesellschaftliche Klima Frankreichs.
Zu den Hauptthemen gehören die Islamisierung Frankreichs, der Zerfall westlicher Identität, die Rolle des Laizismus sowie das literarische Spiel zwischen Fakt und Fiktion.
Das Ziel ist es, zu klären, wie der Roman als „Nachgegenwartsutopie“ zu situieren ist und inwiefern er als Spiegel für die Ängste der französischen Bevölkerung fungiert.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman durch externe politische Analysen und literaturtheoretische Konzepte wie die Mise en abyme kontextualisiert.
Der Hauptteil befasst sich mit dem Entstehungskontext, der literarischen Struktur, den Referenzen zu Huysmans und der Einordnung als politische Fiktion.
Die wichtigsten Schlagworte sind Soumission, Nachgegenwartsutopie, Identitätskrise, politisches Spiel, Islamisierung und gesellschaftliche Realität.
Huysmans dient als „literarisches Spiegelbild“ für den Protagonisten François, dessen eigene existenzielle Krise durch die Identifikation mit dem historischen Schriftsteller und dessen Hinwendung zur Religion gespiegelt wird.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Roman keine einseitige Islam-Provokation ist, sondern ein komplexes, ambivalentes Spiel mit Ängsten, das sowohl konservative als auch liberale gesellschaftliche Positionen satirisch hinterfragt.
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