Examensarbeit, 1992
155 Seiten, Note: sehr gut
A. Einleitung
B. I. Soziologie und philosophische Aufklärung über Grundzüge des Menschen als sozialem Wesen
1. Was ist Wissenschaft?
1.1. Das Erkennen als fundiertes Phänomen
1.2. Erkennen und alltägliches Sein
1.3. Das Verstehen als Existenzial
1.4. Verstehen und Auslegung
1.5. Auslegung als phänomenologische Deskription oder die »Demethodologisierung der Hermeneutik«
1.6. Verstehen versus Erklären
a) Vorwissenschaftliches, alltägliches Verständnis
b) Rationaler Verstehensbegriff und Erklärung
c) Entwicklung des hermeneutischen Verstehensbegriffs
d) Erste Phase der »Verstehen-Erklären-Kontroverse«
e) Zweite Phase der »Verstehen-Erklären-Kontroverse«
f) Dritte Phase der »Verstehen-Erklären-Kontroverse«
g) »Auflösung« der »Verstehen-Erklären-Kontroverse«
1.7. Die »ontologische Rückstrahlung«
2. Der existenziale Begriff der Wissenschaft
3. Der Gegenstandsbereich einer »existenzialen Sozialwissenschaft«
B.II. Grundlegende Bedingungen jeder soziologischen Methode
C.I. Wesentliche Grundlagen der qualitativen und der quantitativen Forschung aus wissenschaftsgeschichtlicher Sicht
1. Was ist ein soziales Phänomen?
2. Das Verhältnis des Forschers zu seinem Objekt der Forschung
C.II. Kritische Darstellung der quantitativen Sozialforschung
C.III. Kritische Darstellung der qualitativen Sozialforschung
1. Allgemeine Grundannahmen
2. Das »interpretative Paradigma«
2.1. Der »symbolische Interaktionismus«
2.2. Die »Ethnomethodologie«
2.3. Das Konzept der Lebenswelt und die sozialwissenschaftliche Hermeneutik
D. Auswertung der kritischen Betrachtungen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Verhältnis von qualitativer und quantitativer Sozialforschung auf Basis einer existenzialen, an der Phänomenologie Heideggers orientierten Sozialwissenschaft kritisch zu hinterfragen und neu zu bewerten. Hierbei steht die Frage im Mittelpunkt, welcher Forschungszugang der sozialen Wirklichkeit in ihrer Seinsart am ehesten gerecht wird.
1.1 Das Erkennen als fundiertes Phänomen
»Erkennen als Erfassen verstanden, hat nur Sinn auf dem Grunde eines Schon-sein-bei.« [Heidegger, 1979 b, 213; 1979 a, 61]
Das Erkennen ist offenbar nicht das ursprüngliche Sein des Menschen. Daher führt Heidegger etwas später aus: »Dieses Schon-sein bei, in dem Erkennen überhaupt erst ›leben‹ kann, wird nicht erst unmittelbar von einem Erkenntnisvollzug ›hergestellt‹, sondern Dasein ist – mag es je erkennen oder nicht – als Dasein schon Sein bei einer Welt«. [Heidegger, 1979 b, 219; 1979 a, 157 ff.]
Hierin wird klar auf eine Fundierung des Erkennens gewiesen. Was meint nun diese ursprüngliche Weise des »schon Sein bei einer Welt«? Mit dieser ist das In-sein angesprochen, wobei mit dem »in« nicht auf Räumliches gedeutet wird, sondern, wie Heidegger betont, primär »vertraut sein mit« besage. Das »bin« in »Ich bin vertraut mit ...« hänge zusammen mit dem »bei« und damit heiße »ich bin« soviel wie: ich wohne, halte mich auf bei der Welt als dem Vertrauten. Dieses »In-sein« faßt Heidegger als Existenzial und damit bedeutet der Infinitiv »sein« zu »ich bin« »wohnen bei ..., vertraut sein mit ...« und ist ein formaler existenzialer Ausdruck des Seins des Daseins. [Heidegger, 1979a, 54] Ein ursprüngliches vertraut Sein ermöglicht das alltägliche Verhalten zu den Dingen. In diesem muß ich mich schon halten (sein), um überhaupt »Beziehungen« zur »Welt der Dinge« aufnehmen zu können, daher kann auch nicht davon gesprochen werden, daß sie erst mit Hilfe von »Erkenntnissen« hergestellt würden.
A. Einleitung: Diese Einleitung reflektiert die Vielfalt konkurrierender soziologischer Ansätze und stellt die Frage nach der Möglichkeit eines "sicheren Ganges der Wissenschaft".
B. I. Soziologie und philosophische Aufklärung über Grundzüge des Menschen als sozialem Wesen: Dieses Kapitel ergründet das Wesen der Wissenschaft durch eine phänomenologische Analyse der Seinsweise des Menschen.
B.II. Grundlegende Bedingungen jeder soziologischen Methode: Hier werden die ontologischen Voraussetzungen für einen angemessenen soziologischen Forschungszugang erarbeitet.
C.I. Wesentliche Grundlagen der qualitativen und der quantitativen Forschung aus wissenschaftsgeschichtlicher Sicht: Die Grundlagen beider Forschungsrichtungen werden hinsichtlich ihrer Begriffsauffassungen und Objektkonstitution untersucht.
C.II. Kritische Darstellung der quantitativen Sozialforschung: Dieses Kapitel kritisiert die quantitative Sozialforschung aufgrund ihrer methodischen Orientierung an naturwissenschaftlichen Modellen.
C.III. Kritische Darstellung der qualitativen Sozialforschung: Hier erfolgt eine kritische Würdigung qualitativer Ansätze, insbesondere im Hinblick auf deren "interpretatives Paradigma".
D. Auswertung der kritischen Betrachtungen: Das Fazit führt die kritischen Überlegungen zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer existenzialen Sozialwissenschaft.
Sozialforschung, Qualitative Forschung, Quantitative Forschung, Heidegger, Phänomenologie, Verstehen, Erklären, Hermeneutik, Lebenswelt, Dasein, In-der-Welt-sein, Existenzial, Sozialwissenschaftliche Methode, Symbolischer Interaktionismus, Ethnomethodologie
Die Arbeit untersucht die methodologischen Grundlagen der Sozialforschung und fragt danach, wie ein angemessener Zugang zur sozialen Wirklichkeit konstituiert werden kann.
Zentrale Themen sind die phänomenologische Fundierung des menschlichen Seins, die Kontroverse zwischen Verstehen und Erklären sowie eine kritische Analyse quantitativer und qualitativer Forschungsansätze.
Das Ziel ist es, mit Hilfe der Heideggerschen Daseinsanalyse zu prüfen, ob und inwieweit aktuelle Forschungsmethoden den Strukturen der sozialen Lebenswelt gerecht werden.
Der Autor nutzt vorrangig eine hermeneutisch-phänomenologische Analyse, um die existenzialen Voraussetzungen für das wissenschaftliche Erkennen freizulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Aufklärung über das Dasein, eine Untersuchung der Methodenstreitigkeiten zwischen qualitativen und quantitativen Ansätzen sowie eine detaillierte Kritik von Ansätzen wie dem symbolischen Interaktionismus.
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie "Dasein", "Verstehen", "Seinsvergessenheit", "Lebenswelt" und die methodologische "Kontroverse zwischen Verstehen und Erklären".
Heideggers "Sein und Zeit" dient als maßgeblicher Leitfaden, um die ontologische Fundierung der Wissenschaft und die "ontologische Rückstrahlung" als verdeckendes Phänomen zu analysieren.
Sie wird kritisiert, da ihr Vorgehen durch eine "ersetzende Übersetzung" alltäglicher Lebenszusammenhänge in messbare Daten eine ursprünglichere Wirklichkeitserfahrung verstelle.
Auch qualitative Ansätze werden als problematisch gesehen, da sie oft ebenfalls in eine "unumsichtig-betrachtende" Haltung verfallen oder durch methodische Vereinfachungen den eigentlichen Seinscharakter des Daseins verfehlen.
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