Examensarbeit, 2010
76 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau
2 Zum Gegenstand des Witzes
2.1 Etymologie, Definition und Witzkategorien
2.2 Der Witz, das Komische und das Lachen
2.3 Sach- und Sprachwitze
2.4 Die formale Struktur des Witzes
2.4.1 Die Exposition
2.4.2 Die Dramatisierung
2.4.3 Die Pointe
3 Die Sprache in der DDR
3.1 Die politisch-bedingte Sprachlenkung durch die SED
3.2 Werte und Ritualität in der DDR
3.3 Öffentlichkeitssprache vs. Alltagssprache
4 Kognitive Modelle des Witzes
4.1 Das Konzept der Inkongruenz
4.2 Die Bisoziation
4.3 Die Frame-Theorie
4.4 Die Kombination von Bisoziation und Frame-Theorie
4.5 The General Theory of Humor (GTVH)
5 Zum Gegenstand des politischen Witzes
5.1 Der politische Witz in der DDR
5.1.1 Partei und Staat
5.1.2 Die Defizite der Planwirtschaft
5.1.3 Staatsfunktionäre und ihre Organe
5.1.4 Deutsch-Russische Beziehungen
5.1.5 Häschen-Witze
5.1.6 Anfragen an den Sender Jerewan
6. Evaluation
6.1 Bewertung der General Theory of Verbal Humor (GTVH)
6.2 Die Funktionen des politischen Witzes in der DDR
7 Der Witzkorpus
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den politischen Witz in der DDR primär aus linguistischer Perspektive als Textsorte zu definieren und seine kommunikativen Funktionen zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der politische Witz als Ventil für Aggressionen und als Ausdruck einer Gegenöffentlichkeit in einem diktatorischen System fungierte.
Die formale Struktur des Witzes
Der Witztext ist gemäß Marfurt (1977) in drei Hypertagmeme, drei formale Strukturelemente, unterteilbar. Im Einzelnen zählen dazu: Einleitung, Dramatisierung und Pointe. Die Hypertagmeme „determinieren und ergänzen sich gegenseitig, haben aber meist auch noch Funktionen, welche die Ebene der Witzstruktur transzendieren und sich auf das Interaktionsmuster beziehen“ (1977, S. 93).
Die Einleitung erläutert in kurzer Weise die im Witzgeschehen verankerte Situation und den Handlungsrahmen und führt die im Geschehen agierenden Personen (bzw. Tiere, belebte Gegenstände) ein. Das Hypertagmem soll Vorurteile und Erwartungen beim Rezipienten erwecken. Die Exposition fungiert als die Motivierung zum Höhepunkt des Witzes. Das Witzgeschehen wird meist im Präsens geschildert, damit die dargestellte Situation im Witz aktuell wirkt.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Humors ein und skizziert die Rolle des politischen Witzes als Spiegelbild der DDR-Gesellschaft sowie den Aufbau dieser Arbeit.
2 Zum Gegenstand des Witzes: Dieses Kapitel erläutert die Etymologie, Definition und formale Struktur von Witzen sowie die theoretischen Grundlagen des Komischen und Lachens.
3 Die Sprache in der DDR: Der Abschnitt behandelt die politischen Einflussnahmen auf die Sprache durch die SED, die Bedeutung von Ritualen im Alltag und die Koexistenz von offizieller Parteisprache und Alltagssprache.
4 Kognitive Modelle des Witzes: Hier werden zentrale Theorien der Witzforschung wie die Inkongruenztheorie, die Bisoziation, die Frame-Theorie und die GTVH vorgestellt und diskutiert.
5 Zum Gegenstand des politischen Witzes: In diesem Kapitel erfolgt die Analyse der politischen Witzkultur in der DDR, unterteilt in verschiedene Themenfelder wie Staatsführung, Planwirtschaft und spezifische Witztypen.
6. Evaluation: Die Evaluation bewertet die Anwendbarkeit der kognitiven Witzmodelle auf den untersuchten Korpus und reflektiert die soziologischen und politischen Funktionen des DDR-Witzes.
7 Der Witzkorpus: Dieser Abschnitt bietet die gesammelte Zusammenstellung der in der Arbeit analysierten politischen Witze.
Politischer Witz, DDR, SED, GTVH, SSTH, Inkongruenz, Bisoziation, Frame-Theorie, Planwirtschaft, Sprachlenkung, Gegenöffentlichkeit, Witzkultur, DDR-Alltag, Humor, Pointe.
Die Arbeit untersucht den politischen Witz in der DDR als linguistisches und gesellschaftliches Phänomen, um seine Rolle und Funktion im diktatorischen System zu verstehen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Sprachverhältnisse in der DDR, die kognitiven Mechanismen hinter der Witzentstehung und die thematische Vielfalt der Witze, etwa über Partei, Planwirtschaft oder Stasi.
Das Ziel ist die linguistische Definition des Witzes als Textsorte und die Untersuchung seiner kommunikativen, sozialen und psychologischen Funktionen als Widerstandsform.
Es werden linguistische Ansätze der Witzforschung verwendet, insbesondere die Semantic Script Theory of Humor (SSTH) und die General Theory of Verbal Humor (GTVH).
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Witzmodelle und wendet diese auf einen Korpus politischer Witze aus der DDR an, um Mechanismen wie Script-Oppositionen und Situationen zu verdeutlichen.
Die wichtigsten Begriffe sind Politischer Witz, DDR, GTVH, Inkongruenz, Planwirtschaft und Gegenöffentlichkeit.
Die SED-Diktatur lieferte durch ihre rigide Sprachpolitik und gesellschaftliche Missstände den "Nährboden", auf dem der politische Witz als Ventil für den Unmut der Menschen gedieh.
Sender-Jerewan-Witze fungierten als fiktive Institution, die in einer von Zensur geprägten Landschaft scheinbar "ehrlich" auf Fragen antwortete und damit die Diskrepanz zwischen sozialistischer Theorie und der Realität aufdeckte.
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