Bachelorarbeit, 2016
40 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Hauptteil: Charakter und Funktionen der Zofenfigur Lunete
1. Warum eine zweite Frauengestalt neben der weiblichen Hauptfigur?
2. Ermöglichung des Romangeschehens: Lunete als Lebensretterin
3. Beeinflussung des Handlungsverlaufs durch die Dienerin
3.1 Die Dienerin als Ehestifterin
3.2 Einschub: Gaweins Lob
3.3 Lunete als Anklägerin
3.4 Lunete als Angeklagte
4. Die Zofe als Versöhnerin – ir dienst was wol lôns wert
Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Rolle der Zofe Lunete in Hartmanns von Aue ‚Iwein‘. Dabei steht die Frage im Fokus, welche Funktionen die Nebenfigur für das Romangeschehen einnimmt, inwiefern sie das Handeln der Hauptfiguren Iwein und Laudine beeinflusst und ob sie als kompensierendes Alter Ego der Königin fungiert.
2. Ermöglichung des Romangeschehens: Lunete als Lebensretterin
Bereits Lunetes erster Auftritt ist von essentieller Bedeutung für das Romangeschehen. Sie rettet Iwein das Leben, als dieser nach seiner tödlichen Verfolgungsjagd (vgl. ‚Iwein‘, V. 1056ff.), an deren Ende er Askalon erschlagen hat, in dessen Burg gefangen und der Rache der Bewohner ausgeliefert ist (vgl. ebd., V. 1127ff.).
Der Erzähler führt sie als rîterlîche magt (ebd., V. 1153) in die Romanhandlung ein. Dieser Ausdruck definiert zum einen ihre soziale Stellung als Magd „im Sinne von ‚dienende Jungfrau einer vrouwe‘“ und weist zum anderen auf Vortrefflichkeit der Person hin – als ein ritterlîchez wîp (‚Erec‘, V. 3324) wird auch Enite aufgrund ihrer Erscheinung bezeichnet. Wie Erecs Minnedame wird so auch der Nebenfigur Lunete Schönheit zugestanden, die gemäß des Prinzips der Kalokagathie „[d]as äußere Merkmal für ihre ‚schöne Seele‘ ist“. An einigen Stellen wird statt magt der Begriff iunchfrouwe verwendet (vgl. ‚Iwein‘, V. 1414, 1483, 4013, 5301, 7977), der Lunete als vornehme ledige Dienerin kennzeichnet.
Einleitung: Die Einleitung stellt das höfische Epos ‚Iwein‘ vor und ordnet die Figur der Lunete in den literarischen Kontext des Artusromans ein, wobei der Fokus auf ihrer Analyse als handlungstragende Nebenfigur liegt.
Hauptteil: Charakter und Funktionen der Zofenfigur Lunete: Dieser Teil bildet das Fundament der Untersuchung, indem er die Motive für Lunetes Existenz und ihr Verhältnis zu Laudine beleuchtet.
1. Warum eine zweite Frauengestalt neben der weiblichen Hauptfigur?: Es wird untersucht, welcher Zweck weiblichen Figuren in der höfischen Dichtung zukommt und warum Lunete als Ergänzung zur Minnedame Laudine notwendig ist.
2. Ermöglichung des Romangeschehens: Lunete als Lebensretterin: Das Kapitel analysiert Lunetes ersten Auftritt, in dem sie Iwein das Leben rettet und somit den weiteren Verlauf der Geschichte erst ermöglicht.
3. Beeinflussung des Handlungsverlaufs durch die Dienerin: Dieser Abschnitt untersucht, wie Lunete aktiv in das Geschehen eingreift und sowohl Iweins als auch Laudines Entscheidungen steuert.
3.1 Die Dienerin als Ehestifterin: Es wird analysiert, wie Lunete diplomatisch auf Laudine einwirkt, um die Ehe mit Iwein zu arrangieren und somit die politische Stabilität des Quellenreichs zu wahren.
3.2 Einschub: Gaweins Lob: Das Kapitel behandelt die Anerkennung, die Lunete durch den Ritter Gawein erfährt, und was dies für ihre Rolle als Identitätsfigur bedeutet.
3.3 Lunete als Anklägerin: Es wird untersucht, wie Lunete Iwein bei seinem Verfall in Ungnade mit seinem Versagen konfrontiert und welche moralische Instanz sie dabei vertritt.
3.4 Lunete als Angeklagte: Dieses Kapitel thematisiert Lunetes eigene Krise, in der sie zur Sündenbockfigur wird, und zeigt auf, wie sie sich aus dieser wehrlosen Position befreit.
4. Die Zofe als Versöhnerin – ir dienst was wol lôns wert: Das abschließende Kapitel analysiert Lunetes Vermittlerrolle, die schließlich zur Versöhnung der Liebenden führt und ihr Engagement mit einem eigenen Herrschaftsgebiet belohnt.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und hebt Lunetes Bedeutung als moralische Leitgestalt und Alter Ego Laudines hervor.
Lunete, Iwein, Hartmann von Aue, Artusroman, Mittelhochdeutsche Epik, Konfidentin, Minne, Laudine, rîterlîche magt, Vermittlerin, hövescheit, Sündenbockmechanismus, Treue, politische Dimension, höfische Tugenden.
Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung der Zofenfigur Lunete in Hartmanns von Aue Artusroman ‚Iwein‘ als zentrales Element der Handlung.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Konfidentin in der höfischen Epik, das Verhältnis von politischer Realität und Minne sowie die erzähltechnische Gestaltung weiblicher Nebenfiguren.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Lunete mehr als nur ein Kontrastcharakter zu Laudine ist, sondern eine unverzichtbare Retterin, Vermittlerin und moralische Leitgestalt darstellt.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse der Romanvorlage unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Forschungsliteratur, insbesondere zu den Themen Minneauffassungen und erzählerischer Typologie.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Funktionsanalysen: von Lunetes Auftreten als Lebensretterin über ihre Rolle als Ehestifterin und Anklägerin bis hin zu ihrer eigenen existentiellen Bedrohung als Sündenbock.
Wichtige Begriffe sind Lunete, Konfidentin, Treue (triuwe), Höfischkeit (hövescheit), Laudine, Iwein und die spezifische Doppelwegstruktur des Artusromans.
Der Name Lunete leitet sich von ‚lune‘ ab; das Kapitel zeigt, wie die etymologische Verbindung zum Mond ihre wechselvolle Rolle und ihre Fähigkeit, im Verborgenen zu wirken, symbolisch unterstreicht.
Beide Zofenfiguren erfüllen ähnliche Aufgaben als Vertraute, die das Schicksal der Protagonisten maßgeblich beeinflussen, Liebesverhältnisse ermöglichen und eine loyale, wenngleich oft gefährdete Position einnehmen.
Als Vertraute des Königs und politisch einflussreiche Figur gerät sie in das Spannungsfeld der Krise nach Iweins Abreise, wo sie aufgrund ihrer exponierten Stellung als Sündenbock für das Scheitern des Herrschers herhalten muss.
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