Bachelorarbeit, 2014
40 Seiten, Note: 2,3
1.Einführung
2. Theorie und Begriff des Rituals
2.1 Definition des Begriffes ,,Ritual''
2.2 Theorie der Übergangsriten von Arnold van Gennep
2.3 Theorie der Liminalität und Anti-Struktur von Victor Turner
3. Charakterisierung des Rituals
3.1 Bedeutung und Funktion
3.2 Formale Kriterien
3.3 Symbolcharakter
4. Das Stadion
4.1 Aufbau des Stadions
4.2 Inneres Geschehen
5. Charakterisierung des Fans
6. Fußball und Rivalität
6.1 Herstellung von Rivalität
6.2 Gewalt im Stadion
7. Fazit und Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Fußballspiel im Stadion als modernes Ritual. Ziel der Forschungsarbeit ist es, nachzuweisen, dass das Stadionerlebnis rituellen Handlungen folgt, die das Individuum aus seinem profanen Alltag in eine gemeinschaftsbildende "eigene Welt" überführen und dabei soziale Identität sowie Rivalitäten stiften.
Die Transformation durch den Weg ins Stadion
Sobald ich mich auf dem Weg zum Spiel der Eintracht begab, war das Gefühl dicht an dicht gedrängt zu sein. Auf geringem Raum in der S-Bahn ab der S-Bahnstation Hauptwache fahrend, über den Hauptbahnhof bis zur Station Stadion, standen die Menschen Körper an Körper. Schwitzende Menschen schaukelten aneinander. Eine klaustrophobische Enge musste Waggon für Waggon ertragen werden. Die Menschen waren über 10 Minuten mit Oberkörper und Gesicht hauteng entweder zueinander, oder an den Türen der S-Bahn geschmiegt. Kinder drohten teilweise erdrückt zu werden, die Luft wurde dünn, und dennoch fuhr die Bahn unentwegt.
Sobald der Ausstieg aus der S-Bahn am Stadion erfolgte, gab es keinen Weg mehr zurück. Menschen strömten zu Hunderten Richtung der S-Bahn-Unterführung, als würden sie nur eine Richtung kennen. Wenn man zu jenem Zeitpunkt einen Weg zurück finden will, geht man das Risiko ein, überrannt zu werden. Der Weg der Menschenmassen bahnt sich dann in die Unterführung, wo an den Seiten schon Pfandflaschensammler mit riesigen Müllsäcken auf die Menschen und die Abgabe ihres Leergutes warten. Eine Stunde vor dem Spiel ist schon unglaublich viel Fan- und Polizeiaufgebot auf den Beinen. Es strömen bis kurz vor Spielbeginn, aus jeder an der S-Bahnstation ,,Stadion'' ankommenden Bahn, hunderte von Fans aus, welche mit Fan-Utensilien, alkoholischen Getränken und gesungenen Parolen auf sich aufmerksam machen.
In der Unterführung riecht es nach Rauschmitteln wie z. B. Marihuana, und nach Verlassen des Treppenausganges kann man gigantische Rauchwolken über den Köpfen der Massen sehen, da gefühlt nahezu jede zweite Person eine Zigarette und ähnliches raucht.
1.Einführung: Der Autor erläutert seine Motivation, Fußball als Massenphänomen und modernes Ritual zu begreifen, und beschreibt seine methodische Herangehensweise.
2. Theorie und Begriff des Rituals: Hier werden theoretische Grundlagen (van Gennep, Turner) eingeführt, um den Übergang vom Alltag ins rituelle Stadiongeschehen zu legitimieren.
3. Charakterisierung des Rituals: Dieses Kapitel definiert Fußball über formale Kriterien, Symbolik und soziale Funktionen, wie Solidarität und Integration.
4. Das Stadion: Der Fokus liegt auf der räumlichen Struktur des Stadions als "Bühne" und der Analyse der rituellen Abläufe innerhalb dieser Umgebung.
5. Charakterisierung des Fans: Die verschiedenen Fan-Typologien und die enorme Bedeutung der Vereinstreue für das Leben des Einzelnen stehen hier im Vordergrund.
6. Fußball und Rivalität: Das Kapitel beleuchtet, wie durch Konfrontation Identität geschaffen wird und welche Rolle Gewalt und Transgression dabei spielen.
7. Fazit und Schlussbemerkungen: Der Autor resümiert, dass das Fußballritual eine moderne Nische für kollektive Identität bildet und gesellschaftlich relevant bleibt.
Fußball, Ritual, Stadion, Ethnologie, Fan, Identität, Übergangsriten, Arnold van Gennep, Victor Turner, Rivalität, Gewalt, Symbolik, Communitas, Eintracht Frankfurt, Moderne
Die Arbeit untersucht das Fußballspiel im Stadion aus ethnologischer Perspektive und argumentiert, dass dieses Ereignis als komplexes, modernes Ritual fungiert.
Zentrale Themen sind die Transformation der Individuen vom Alltag zum Fan-Dasein, die Bedeutung der Stadionarchitektur als ritueller Raum sowie soziale Prozesse wie Identitätsbildung und Rivalität.
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Stadionbesuch ein Ritual ist, welches den Teilnehmern ermöglicht, soziale Normen zu überschreiten und eine "eigene Welt" der Gemeinschaft zu erfahren.
Der Autor nutzt Ansätze der qualitativen Forschung, insbesondere ethnographisches Schreiben und teilnehmende Beobachtung bei Spielen von Eintracht Frankfurt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Ritualtheorie), die Analyse des Stadions als Ort ritueller Handlungen, die Charakterisierung der Fanszene und die Untersuchung von Rivalität und Konfliktpotenzial.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Übergangsriten", "Liminalität", "Communitas", "Transgression" und die Einordnung des Fußballs als moderne Religion.
Die Polizei kategorisiert Fans in A (friedlich), B (konfliktgefährdet) und C (gewalttätig), wobei die Arbeit verdeutlicht, dass die Grenzen zwischen diesen Gruppen fließend sein können.
Der Autor ordnet Pyrotechnik als apotropäisches (Unheil abwehrendes) Ritual ein und plädiert für einen kommunikativen Umgang statt eines strikten Verbots, da Letzteres zu Frustration führen könnte.
Der Autor verwendet den Theatervergleich, um die räumliche Trennung und die performative Natur des Fußballspiels zu illustrieren, in der Fans und Spieler gemeinsam eine inszenierte Realität erschaffen.
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