Masterarbeit, 2015
115 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Biografischer Überblick
3. Funktionsanalyse und vor-ikonographische Beschreibung
3.1 Fotoreihe I
3.2 Fotoreihe II
3.3 Foto III - Porträt der Familie Ruete
3.4 Fotoreihe IV. - Knie- und Bruststücke von Emily Ruete (1868-1916)
4. Produktanalyse
4.1 Emilys Darstellung in omanischer und westlicher Kleidung (1868) - Fotoreihe I und II
4.2 Familienporträt und Einzelaufnahmen Emilys zwischen 1868 und 1916
4.3 Hybride Identitäten: Sayyida Salme und Emily Ruete
5. Ikonisierungsprozess
6. Interpikturalität
7. Rezeptions- und Nutzenanalyse
7.1 Der deutsche Orientalismus-Diskurs
7.2 Emily Ruetes Repräsentation in deutschen Zeitschriften
7.3 „Memoiren einer arabischen Prinzessin“ (1886)
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion der hybriden Identität von Sayyida Salme (Emily Ruete) durch eine detaillierte Analyse ihrer zwischen 1868 und 1916 entstandenen Porträtfotografien. Dabei wird analysiert, wie in den Fotografien Merkmale von Klasse, Geschlecht und Ethnie repräsentiert werden, um die Spannung zwischen der arabischen Herkunft und der assimilierten Hamburger Kaufmannsfrau sichtbar zu machen.
1. Einleitung
Wer bereits die Insel Sansibar an der Ostküste Tansanias besucht hat, konnte sicherlich nicht dem entschlossenen und zugleich fragenden Blick entgehen, der dort von Hotelbroschüren und Souvenirläden zu einem aufsieht. Es sind die Augen der Prinzessin Sayyida Salme, in Deutschland auch bekannt unter dem Namen Emily Ruete, der Tochter des Sultans Said ibn Sultan von Sansibar und Oman, die einen anblicken. Sie dient heutzutage als eine Attraktion, mit der Touristen aus Europa auf die Insel gelockt werden. Die Prinzessin war 1866 von der Insel geflohen, um einen deutschen Kaufmann zu heiraten und fortan in Deutschland zu leben. Die in Hamburg entstandenen Aufnahmen, die sie in ihrem kostbaren orientalischen Gewand zeigen, sind heute fast omnipräsent an den touristischen Orten Sansibars.
Es erscheint nahezu so, als wollten die Reiseveranstalter den Besucher*innen durch die Geschichte der Prinzessin versichern, dass auf der Insel das Gefühl von Tausendundeiner Nacht ganz sicher erfahrbar sei, genauso wie es in Reisekatalogen häufig versprochen wird. Während auf der Insel niemand an den Fotografien der Emily Ruete in ihrer orientalischen Kleidung vorbeikommt, begegnen die Aufnahmen von ihr in den Kleidern einer vornehmen Hamburger Kaufmannsfrau nur denjenigen, die das Palace Museum in Stone Town betreten. Doch entstanden die Fotografien wahrscheinlich zur selben Zeit in Hamburg und zeugen vom Leben der Prinzessin, nachdem sie ihre Heimat Sansibar verlassen hatte. Unter den Aufnahmen, die es von Emily Ruete gibt, bilden die Porträts in westlicher Kleidung zwar die Mehrheit, dennoch erfreuen sich die Fotografien, in denen sie sich im orientalischen Gewand präsentiert, der größeren Beliebtheit.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz der Fotografien von Emily Ruete sowie die Fragestellung und methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. Biografischer Überblick: Darstellung des Lebenslaufs von Sayyida Salme (Emily Ruete), von ihrer Flucht aus Sansibar bis zu ihrem Leben in Deutschland und ihrer Auseinandersetzung mit Erbansprüchen.
3. Funktionsanalyse und vor-ikonographische Beschreibung: Systematische Einteilung und technische Untersuchung der Fotografien in drei Gruppen (orientalische Kleidung, westliche Kleidung, Familienporträts).
4. Produktanalyse: Untersuchung der ikonographischen Mittel und der Inszenierung von Status, ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht in den Porträts.
5. Ikonisierungsprozess: Analyse der Verwendung der Bilder als Ikonen im kulturellen Gedächtnis und in der modernen Tourismusbranche.
6. Interpikturalität: Vergleich der Fotografien mit Motiven des europäischen Orientalismus, insbesondere der „Odalisken-Pose“.
7. Rezeptions- und Nutzenanalyse: Einordnung der Fotografien und Memoiren in den zeitgenössischen Orientalismus-Diskurs des 19. Jahrhunderts.
8. Fazit: Zusammenfassende Auswertung der Analyseergebnisse bezüglich der hybriden Identitätskonstruktion durch Fotografie.
Emily Ruete, Sayyida Salme, Sansibar, Identität, Hybridität, Orientalismus, Visual History, Fotografie, Porträt, Ikonographie, Odaliske, Postkolonialismus, Mimikry, 19. Jahrhundert, Hamburg.
Die Arbeit untersucht die fotografische Repräsentation der Sayyida Salme, bekannt als Emily Ruete, und wie ihre hybriden Identitäten als arabische Prinzessin und Hamburger Kaufmannsfrau visuell konstruiert werden.
Zentrale Themen sind die visuelle Kultur des 19. Jahrhunderts, die Rolle von Identität und Hybridität sowie die diskursive Verknüpfung von Fotografie mit zeitgenössischen Orient-Vorstellungen.
Ziel ist es zu analysieren, wie Emily Ruete ihre beiden kulturellen Identitäten in den Porträtaufnahmen inszenierte und welche Rolle diese Bilder in ihrer Kommunikation mit dem deutschen Publikum spielten.
Die Autorin folgt der von Gerhard Paul vorgeschlagenen Methode der Visual History, ergänzt durch Erich Panofskys Dreischritt der Bildanalyse und Ansätze der Postcolonial Studies.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Funktions- und Produktanalyse der Fotografien sowie eine Untersuchung der Interpikturalität und der Rezeption im deutschen Orientalismus-Diskurs.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Hybridität, Orientalismus, Ikonographie, Identitätskonstruktion und Postkoloniale Theorie geprägt.
Sie dienen als bewusster oder unbewusster Rückgriff auf bekannte Bildmotive des Orients, die Emily Ruete in den Kontext einer „sinnlichen Haremsdame“ stellen, um den exotischen Erwartungen der Zeitgenossen entgegenzukommen.
Die Flucht und die darauf folgende Heirat in Hamburg markieren den radikalen Schnitt, der ihre spätere hybride Existenz zwischen einer arabisch-islamischen Herkunft und einer christlich-deutschen Identität begründete.
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