Magisterarbeit, 2004
72 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Sturm und Drang
2.1. Die Uneinigkeit bei der Bestimmung des Epochenbegriffs des Sturm und Drang
2.2. Ideale des Sturm und Drang
2.3. Das Drama als bevorzugte Gattung des Sturm und Drang
3. Dramentheoretische Schriften
3.1. Die Anmerkungen übers Theater
3.1.1. Formulierung neuer dramentheoretischer Vorstellungen
3.1.2. Die Polemik gegen Aristoteles
3.1.3 Die Kritik am französischen Theater in den „Anmerkungen übers Theater“ und „Für Wagnern“
3.2. Dramentheorie als Gesellschaftskritik
3.3. Die Umsetzung dramentheoretischer Vorstellungen in den Dramen Der Hofmeister/Die Soldaten
4. Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung
4.1. Die Erziehungsthematik und der kritische Blick auf die Hofmeisterexistenz
4.1.1. Privaterziehung oder öffentliche Schule
4.1.2. Die Sonderrolle des Dorfschulmeisters Wenzeslaus
4.1.3. Der Hofmeister Läuffer als Negativbeispiel
4.1.4. Literatur als schlechte Erziehung für das weibliche Geschlecht
4.2. Der Zufall als bestimmendes Prinzip im „Hofmeister“ und das versöhnende Ende des Dramas
5. Die Soldaten
5.1. „Eine Hure wird immer eine Hure.“ Über die Schädlichkeit der Komödie
5.2. Die Soldaten als autonome Kaste innerhalb der Gesellschaft
5.3. Maries sozialer Abstieg und die Zerstörung der bürgerlichen Existenz
5.4. Eine Pflanzenschule von Soldatenweibern. Gesellschaftsutopie oder Lösungsvorschlag
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftskritischen Tendenzen in den Dramen „Der Hofmeister“ und „Die Soldaten“ von J.M.R. Lenz. Dabei wird analysiert, wie Lenz die aristotelische Regelpoetik kritisiert, um durch eine neue, offene Dramenform soziale Missstände, wie den Generationskonflikt, patriarchale Erziehungsstrukturen und den zerstörerischen Einfluss militärischer Kasten auf das Bürgertum, aufzudecken.
3.1.2. Die Polemik gegen Aristoteles
Lenz` zentrale Kritik an Aristoteles Poetik besteht vorwiegend aus zwei dramentheoretischen Aspekten. Zum einen widerspricht Lenz Aristoteles Theorie, daß der Hauptgegenstand des Dramas in erster Linie die Nachahmung einer Handlung sei. Lenz stellt sich die Frage, wie Aristoteles zu dieser Auffassung gelangen konnte und findet die Antwort in der Religion. Im Schauspiel der Antike wird das Handeln der Menschen ausschließlich vom Fatum, durch das von den Göttern vorgegebene Schicksal, bestimmt. Diese Definition erscheint Lenz nicht mehr zeitgemäß und tragbar zu sein, da sie das Schauspiel für das Publikum der Gegenwart uninteressant erscheinen läßt.
„Da ein eisernes Schicksal die Handlungen der Alten bestimmte und regierte, so konnten sie als solche interessieren, ohne davon den Grund in der menschlichen Seele aufzusuchen und sichtbar zu machen. Wir aber hassen solche Handlungen, von denen wir die Ursache nicht einsehen, und nehmen keinen Teil dran.“
Lenz hingegen sieht die Figuren des Stücks als selbständige, für sich verantwortliche, Charaktere an, die ihr Handeln selbst bestimmen können. Für ihn steht also das Individuum im Vordergrund des Interesses, welches sein Schicksal selber in die Hand nimmt und bestimmt, und dessen Handeln auch für den Zuschauer durchschaubar ist. Genau diese Individuen findet er aber nicht in den Schauspielen der Griechen und zu seinem Bedauern auch nicht in den Dramen der Gegenwart, die sich an die vorgeschriebene Regelpoetik der Antike halten.
1. Einleitung: Darstellung der vernichtenden zeitgenössischen Kritik Goethes an Lenz und Einordnung von Lenz als bedeutendem Vertreter des sozialen Dramas und des Sturm und Drang.
2. Sturm und Drang: Untersuchung der zeitlichen und ideellen Einordnung der Literaturepoche, ihrer Abgrenzung zur Aufklärung und der Suche nach Autonomie durch die Autoren.
3. Dramentheoretische Schriften: Analyse der „Anmerkungen übers Theater“, der Abkehr von der aristotelischen Regelpoetik und der Entwicklung eines neuen, auf Charakter fokussierten Dramenkonzepts.
4. Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung: Untersuchung der Erziehungskritik, der sozialen Abhängigkeit des Hofmeisterstandes und des ironischen Umgangs mit dem Dramenschluss.
5. Die Soldaten: Analyse des zerstörerischen Einflusses der Soldatenschaft auf das Bürgertum, des sozialen Abstiegs der Frauen und der parasitären Autonomie der Offizierskaste.
6. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei die enge Verzahnung von Theorie und dramatischer Praxis sowie das Scheitern der Figuren als Spiegel von Lenz` Lebenswirklichkeit betont wird.
J.M.R. Lenz, Sturm und Drang, Dramentheorie, Gesellschaftskritik, Der Hofmeister, Die Soldaten, Aristoteles, Privaterziehung, Ständegesellschaft, Soziale Determination, Individuum, Offiziere, Freiheit, Literatur, Genieästhetik.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftskritischen Tendenzen, die J.M.R. Lenz in seinen beiden Hauptdramen „Der Hofmeister“ und „Die Soldaten“ thematisiert.
Im Zentrum stehen die Kritik an feudalen Erziehungsstrukturen, die Darstellung der sozialen Ständegesellschaft und die radikale Abkehr von der klassischen Dramentheorie.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lenz seine dramentheoretischen Konzepte, wie die Ablehnung der aristotelischen Einheiten, nutzt, um das Individuum in seiner Abhängigkeit von gesellschaftlichen Zwängen darzustellen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischer Literaturtheorie sowie wissenschaftlicher Sekundärliteratur verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lenz` dramentheoretischen Schriften und die detaillierte Interpretation der beiden genannten Dramen hinsichtlich ihrer Sozial- und Erziehungskritik.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Sturm und Drang, Gesellschaftskritik, Hofmeisterstand, Soziale Determination, Aristoteles-Polemik und Autonomie des Individuums.
Die Schrift dient als theoretisches Fundament, da Lenz hier den Bruch mit der Regelpoetik begründet, was wiederum die von ihm gewählte Form der „offenen Dramen“ in seinen Stücken erklärt.
Der Autor interpretiert das Ende als ironische Pointe, da es die zuvor ausführlich gezeigten sozialen Problematiken nicht real löst, sondern als „märchenhaften“ Kontrast zur tragischen Realität einsetzt.
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