Magisterarbeit, 2006
90 Seiten, Note: 1,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Vorwort
I. Einleitung
I. 1. Kleists Konflikt mit Brentano und Arnim
II. Vorgeschichte
II. 1. Entstehungsgeschichte des Tetschener Altar
II. 2. Die Rezension Ramdohrs
II. 2. 1. Zusammenfassung
II. 3. Reaktionen auf die Rezension Ramdohrs
II. 4. Berlin 1810 – Die Kunstausstellung
II. 5. Die Berliner Abendblätter
III. Clemens Brentanos und Achim von Arnims Reaktion auf eine Landschaft in Öl von Caspar David Friedrich
III. 1. Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, worauf ein Kapuziner, veröffentlicht 1826 in der Iris.
III. 1. 1. Die gestrichene Einleitung aus der Handschrift
III. 2. Die Leseorientierung des Titels
III. 2. 1. Abweichungen im Titel der Handschrift
III. 3. Zur biblischen Referenz: Petrus, der über das Wasser gehen will
III. 4. Die Landschaft als Allegorie erweckt Andacht.
III. 5. Das Landschaftsbild als Allegorie und Andachtsmotiv
III. 5. 1. Abweichungen in der Handschrift
III. 6. Publikumssatire statt Bildrezension
III. 6. 1. Abweichung in der Handschrift
III. 7. Die Auswahl und Umsetzung des Motivs
III. 8. Zusammenfassung: Brentano/Arnims Deutung der Seelandschaft
IV. Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft in den Berliner Abendblätter
IV. 1. Kleists „Geist“ und „Verantwortlichkeit“
IV. 2. Vergleich der Einleitung Kleists mit der Einleitung in der Iris von 1826
IV. 2. 1. Abweichungen in der Handschrift
IV. 3. Pathologische und ästhetische Rührung
IV. 4. Die Bedeutung des Bildrahmens
IV. 5. Zur historischen Referenz: Regulus
IV. 6. „Eine ganz neue Bahn“
IV. 7. Zusammenfassung: Kleists Deutung der Seelandschaft
V. Die Konsequenzen
V. 1. Zur Systematisierung der „Berliner Abendblätter“
V. 2. Zur Chronologie der Ausstellungsbeiträge in den „Berliner Abendblätter“
V. 3. Zusammenfassung
VI. Schlußbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Konflikt um die kunstkritische Rezeption der Werke Caspar David Friedrichs, insbesondere die Auseinandersetzung zwischen Heinrich von Kleist und den Autoren Clemens Brentano und Achim von Arnim anlässlich der Berliner Kunstausstellung 1810. Ziel ist es, die unterschiedlichen Dichterpositionen und deren historischen Kontext, unter Einbeziehung früherer Kontroversen wie des „Ramdohrstreits“, offenzulegen und die Bedeutung der redaktionellen Bearbeitung des Textes „Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft“ für die Berliner Abendblätter zu erhellen.
III. 1. Verschiedene Empfindungen vor einer Seelandschaft von Friedrich, worauf ein Kapuziner, veröffentlicht 1826 in der Iris.
Es ist herrlich, in unendlicher Einsamkeit am Meeresufer unter trübem Himmel auf eine unbegrenzte Wasserwüste hinzuschauen, und dazu gehört, daß man dahingegangen, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt, und seine Stimme doch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, in dem einsamen Geschrei der Vögel vernimmt; dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, den einem die Natur tut.
Dieses aber ist vor dem Bild unmöglich, und das, was ich in dem Bilde finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nämlich einen Anspruch, den mir das Bild tat, indem es denselben nicht erfüllte; und so wurde ich selbst der Kapuziner, das Bild ward die Düne, das aber, wo hinaus ich mit Sehnsucht blickte, die See, fehlte ganz. Dieser wunderbaren Empfindung nun zu begegnen, lauschte ich auf die Äußerungen der Verschiedenheit der Beschauer um mich her, und teile sie als zu diesem Bild gehörig mit, das durchaus Dekoration ist, vor welchem eine Handlung vorgehen muß, indem es keine Ruhe gewährt.
I. Einleitung: Beschreibt den Konflikt zwischen Kleist, Brentano und Arnim bezüglich einer gekürzten Rezension im Jahr 1810 und führt in die wissenschaftliche Debatte darüber ein.
II. Vorgeschichte: Analysiert den „Ramdohrstreit“ um den „Tetschener Altar“ und die Berliner Kunstausstellung von 1810 als notwendigen Kontext für das Verständnis der späteren Kontroverse.
III. Clemens Brentanos und Achim von Arnims Reaktion auf eine Landschaft in Öl von Caspar David Friedrich: Detaillierte Untersuchung der literarischen Reaktion der Autoren auf ein neues Gemälde Friedrichs, inklusive der Publikation in der „Iris“ und der vorangegangenen Handschriften.
IV. Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft in den Berliner Abendblätter: Analysiert Kleists redaktionelle Eingriffe, seine Entschuldigung und seine eigene Deutung der Seelandschaft unter Einbeziehung des historischen Regulus-Mythos.
V. Die Konsequenzen: Beleuchtet die Auswirkungen des Streits auf die Arbeit der „Berliner Abendblätter“ und die redaktionelle Planung.
VI. Schlußbemerkung: Fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die Rezensionen als Ausdruck eines Versuchs zur Rehabilitierung des Künstlers durch Kleist zu verstehen sind.
Heinrich von Kleist, Clemens Brentano, Achim von Arnim, Caspar David Friedrich, Berliner Abendblätter, Ramdohrstreit, Tetschener Altar, Kunstkritik, Seelandschaft, Romantik, Allegorie, Regulus, Publizistik, Ästhetik, Pathologische Rührung
Die Arbeit analysiert die Dichterkontroverse zwischen Heinrich von Kleist, Clemens Brentano und Achim von Arnim, die durch die redaktionelle Bearbeitung einer Rezension über ein Gemälde von Caspar David Friedrich ausgelöst wurde.
Zentrale Themen sind die Kunstkritik um 1800, die Entwicklung der „Berliner Abendblätter“, die Rezeption von Caspar David Friedrichs Kunst sowie das Spannungsfeld zwischen ästhetischer und pathologischer Rührung.
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen dem früheren „Ramdohrstreit“ und der Auseinandersetzung zwischen Kleist und Brentano/Arnim aufzuzeigen und die publizistischen Konsequenzen für Kleists Zeitung zu beleuchten.
Die Arbeit nutzt ein „simultanes close reading“ der verschiedenen Textversionen und Handschriften sowie eine historische Kontextualisierung der Debatten.
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte von Friedrichs Gemälden, der Analyse der ursprünglichen und gekürzten Rezensionstexte sowie der Rolle Kleists als Redakteur.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem „Ramdohrstreit“, „pathologische Rührung“, „Allegorie“ und das spezifische Selbstverständnis der „Berliner Abendblätter“.
Kleist verwendet den historischen Regulus-Mythos und die Metapher der „weggeschnittenen Augenlider“ als Schlüssel, um die extreme emotionale Wirkung des Gemäldes zu verdeutlichen und eine politische Deutungsebene einzuführen.
Die Abweichungen zeigen die intendierte Satire von Brentano im Vergleich zu der von Kleist erzwungenen ernsthafteren, „hymnischen“ Deutung des Bildes.
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