Bachelorarbeit, 2011
37 Seiten
0. Vorwort: Die Romantik: eine deutsche Affäre?
1.0 Der Wendepunkt: die Französische Revolution und die ästhetische Erziehung; Kritik am Rationalismus und Glaube an die Kontingenz
1.1 Das Subjektive und die Herausbildung einer Universalpoesie; der deutsche Einfallsreichtum und Tiefsinn
1.2 Ein Mangel an nationalem Bewusstsein; der deutsche Idealismus als Suche nach neuen Formen der Transzendenz
1.3 Die organische Gesellschaft, die nach Freiheit strebt
1.4 Patriotismus und romantische Verklärung; Gleichförmigkeit statt Eigensinn
1.5 Radikalisierung der `politischen‘ Romantik
1.6 Neue Formen des romantischen Ausdrucks: Wagners Gesamtkunstwerk und Nietzsche als Verteidiger des Mythischen
1.7 Die Wilhelminische Ära: Nominalismus und Militarismus
1.8 Eine Zwischenbilanz; der deutsche Provinzialismus und die damit einhergehende Weltabgewandtheit
2.0 Herder in der Darstellung Safranskis: die lebendige Vernunft, geschichtlich gedacht
2.1 Zur sprachlichen Transzendenz bei Herder
2.2 Sprache als `Schauplatz der Geschichte‘ (JGH, S. 16); die diachrone Entwicklung der Sprachen; das sinnliche Erfassen der Welt
2.3 Herders anthropologische Ansätze; der Volksgeist als identitätsstiftender Faktor
2.4 Herder im Spiegel des 20. Jahrhunderts; Wertepluralismus
2.5 Die Utopie der historischen Progression und des Endpunkts der Geschichte; `das Deutsche‘ als Minderwertigkeitskomplex; Antagonismus der Neuzeit
2.6 Ein Zeitenbruch: Das Tragische als Pendant zum geistigen Universalismus; die Geburt des `Anti‐Helden‘ und einer deutschen Gegenkultur
2.7 Die Apotheose des Ichs: eine `Fußnote‘ zu Kant
2.8 Zwischenbilanz: moderne Kulturkritik an einer verhinderten Transzendenz im intermenschlichen Bereich
3.0 Ausblick: das `Deutsche‘ als Destillat der Geschichte und der Geistesgeschichte
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, ob und inwiefern der Begriff des „Deutschen“ mit einer festen, romantischen Identität verknüpft werden kann. Ziel ist es zu erörtern, ob die deutsche Romantik als spezifisch nationale Geisteshaltung zu definieren ist oder ob sie als Teil einer breiteren, geistesgeschichtlichen Strömung zu verstehen ist, die den Begriff des „Volksgeistes“ als identitätsstiftenden Faktor nutzt.
Die organische Gesellschaft, die nach Freiheit strebt
Der deutsche Idealismus wurde im wesentlichen von Hegel bestimmt; Safranski referiert an ein Textfragment, das jenem zugeschrieben wird, und `das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus‘ enthält (ebd., S.153). Programmatisch ist im Jahre 1797 die Forderung nach einer `Mythologie der Vernunft‘:
(…) – das Vernünftige an dieser Mythologie sollte im identitätsphilosophischen Ansatz liegen, also in der Annahme, dass in Gesellschaft und Natur dieselbe Vernunft waltet wie im menschlichen Geist. Da aber die subjektive Vernunft ein Merkmal der Freiheit ist, so wird der Gesamtprozess, in den der Mensch verwickelt ist, freiheitsanalog verstanden. (…). Das Dokument, von dem man heute in der Regel großes Aufhebens macht, ist nicht viel mehr als ein volkspädagogisches Projekt. (…). Eine selbstbewusste, starke Öffentlichkeit muss erst geschaffen werden, (…). (ebd., S.153ff)
Neben der Feststellung, dass hier eine organische Weltanschauung anstelle des gängigen mechanistischen Weltbilds zutage tritt, ist ebenso eine Identitätsbildung im deutschen Sprachraum anvisiert. Wenn die Freiheit beim Individuum anfängt, kann – oder muss sie – später genauso in der Gesellschaft zu verwirklichen sein. So wie bei Fichte, der das Ich und dessen Tatkraft zum `großen Ich des Volkes‘ stilisiert (ebd., S. 178). In diesem Sinne ist die Romantik in der Tat eine deutsche Affäre.
0. Vorwort: Die Romantik: eine deutsche Affäre?: Einleitung in die Fragestellung, ob das „Deutsche“ mit einer festen, romantischen Identität gleichgesetzt werden kann.
1.0 Der Wendepunkt: die Französische Revolution und die ästhetische Erziehung; Kritik am Rationalismus und Glaube an die Kontingenz: Untersuchung der romantischen Hinwendung zur Innerlichkeit als Reaktion auf die Französische Revolution.
1.1 Das Subjektive und die Herausbildung einer Universalpoesie; der deutsche Einfallsreichtum und Tiefsinn: Analyse der deutschen Sehnsucht nach Ganzheit und eines selbstbewussten Individualismus.
1.2 Ein Mangel an nationalem Bewusstsein; der deutsche Idealismus als Suche nach neuen Formen der Transzendenz: Betrachtung des deutschen Idealismus als Versuch, einen Dualismus zwischen Geist und Materialismus zu überwinden.
1.3 Die organische Gesellschaft, die nach Freiheit strebt: Diskussion der romantischen Idee einer organischen Weltanschauung als Gegenentwurf zur mechanistischen Weltanschauung.
1.4 Patriotismus und romantische Verklärung; Gleichförmigkeit statt Eigensinn: Analyse der Politisierung der Romantik während des Widerstands gegen Napoleon.
1.5 Radikalisierung der `politischen‘ Romantik: Beleuchtung des Übergangs von ästhetischen Idealen zu konkreten politischen Forderungen.
1.6 Neue Formen des romantischen Ausdrucks: Wagners Gesamtkunstwerk und Nietzsche als Verteidiger des Mythischen: Kritik an der mythologischen Selbstinszenierung und der Rolle der Sprache im 19. Jahrhundert.
1.7 Die Wilhelminische Ära: Nominalismus und Militarismus: Untersuchung der Romantik als Protest gegen den modernen Militarismus und die Entzauberung der Welt.
1.8 Eine Zwischenbilanz; der deutsche Provinzialismus und die damit einhergehende Weltabgewandtheit: Zusammenfassung der Thesen zur Verknüpfung von Romantik, Identität und Weltfremdheit.
2.0 Herder in der Darstellung Safranskis: die lebendige Vernunft, geschichtlich gedacht: Einführung in Herders anthropologische Ansätze und sein Konzept der „lebendigen Vernunft“.
2.1 Zur sprachlichen Transzendenz bei Herder: Analyse von Herders Kritik am Rationalismus und der Bedeutung der Sprache als konstitutive Weltkraft.
2.2 Sprache als `Schauplatz der Geschichte‘ (JGH, S. 16); die diachrone Entwicklung der Sprachen; das sinnliche Erfassen der Welt: Untersuchung des Geschichtsbewusstseins in Herders Sprachphilosophie.
2.3 Herders anthropologische Ansätze; der Volksgeist als identitätsstiftender Faktor: Diskussion des Volksgeist-Konzepts im Kontext des Humanismus.
2.4 Herder im Spiegel des 20. Jahrhunderts; Wertepluralismus: Einordnung von Herder durch die Philosophie Isaiah Berlins und den Pluralismus.
2.5 Die Utopie der historischen Progression und des Endpunkts der Geschichte; `das Deutsche‘ als Minderwertigkeitskomplex; Antagonismus der Neuzeit: Kritik an ideologischen Utopien und dem nationalistischen Ressentiment.
2.6 Ein Zeitenbruch: Das Tragische als Pendant zum geistigen Universalismus; die Geburt des `Anti‐Helden‘ und einer deutschen Gegenkultur: Analyse des Verlusts verbindlicher Perspektiven und der Entstehung des Anti-Helden.
2.7 Die Apotheose des Ichs: eine `Fußnote‘ zu Kant: Untersuchung des Verhältnisses von Freiheit, Willen und kultureller Einbindung bei Fichte und Kant.
2.8 Zwischenbilanz: moderne Kulturkritik an einer verhinderten Transzendenz im intermenschlichen Bereich: Resümee zur Relevanz von Herders Kulturbegriff im 20. Jahrhundert.
3.0 Ausblick: das `Deutsche‘ als Destillat der Geschichte und der Geistesgeschichte: Beantwortung der Ausgangsfragen und kritische Schlussbetrachtung zum deutschen Identitätsbegriff.
Romantik, Deutsche Identität, Volksgeist, Johann Gottfried Herder, Rüdiger Safranski, Isaiah Berlin, Idealismus, Transzendenz, Kultur, Anthropologie, Nationalismus, Subjektivität, Geistesgeschichte, Freiheit, Wertepluralismus.
Die Arbeit untersucht, ob die „deutsche Romantik“ als Ausdruck einer genuin deutschen Identität verstanden werden kann oder ob sie als Teil einer breiteren, internationalen geistigen Bewegung betrachtet werden muss.
Die Arbeit behandelt Themen wie das Verhältnis von Sprache und Identität, die Bedeutung des Volksgeist-Begriffs, die Kritik am Rationalismus der Aufklärung sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und nationaler Zugehörigkeit.
Die Hauptfragestellung lautet, was an der Romantik spezifisch „deutsch“ ist und wie diese geistesgeschichtliche Strömung im Sinne von Herders Volksgeist-Konzept eingeordnet werden kann.
Es wird eine geistesgeschichtliche Analyse auf der Grundlage der Werke von Rüdiger Safranski, Johann Gottfried Herder und Isaiah Berlin durchgeführt, um ein dialektisches Bild der historischen Entwicklung zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des romantischen Werdegangs in Safranskis Deutung sowie die vertiefende Analyse der Herderschen Kulturanalyse und ihrer Wirkung durch Isaiah Berlin.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Romantik, Volksgeist, Identität, Idealismus, Transzendenz und Wertepluralismus charakterisiert.
Herder dient als zentraler Bezugspunkt, um das Verständnis von Kultur als lebendige, historisch gewachsene Größe zu erfassen, die sich vom rationalistischen Denken abgrenzt.
Der Autor argumentiert, dass die Verknüpfung von Romantik mit einer festen „deutschen Natur“ oft zu simplifizierenden Generalisierungen führt, die eine Gefahr für ein historisch-kontextuelles Verständnis darstellen.
Der Autor betrachtet die politische Romantik kritisch, insbesondere im Hinblick auf deren Tendenz, das Individuum zur Selbstvergöttlichung zu treiben und nationalistische Ressentiments zu fördern.
Die Romantik wird als eine weit ausgefächerte Geisteshaltung interpretiert, deren „deutsches“ Element vor allem durch den spezifischen historischen Nährboden des 19. Jahrhunderts und nicht durch eine essentielle Identität bedingt ist.
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