Magisterarbeit, 2011
153 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Postmortalitätsvorstellungen bei den „Azteken“ und bei den spanischen Katholiken im 16. Jhd.
2.1 Zum Begriff Postmortalitätsvorstellungen im kulturtheoretischen Rahmen
2.2 Der Totenkult der Azteken
2.2.1 Exkurs: Die Quellenproblematik
2.2.2 Tod und Opfer als Garant für Leben im Mythos
2.2.3 Postmortale Anthropologie
2.2.4 Die Orte der Postmortalen Existenz – Sag mir wie du stirbst und ich sag dir wer du bist
2.2.5 Bestattungsritual – Der Dienst der Lebenden an den Toten
2.2.6 Totengedenkfeste
2.3 Tod und Sterben bei den Katholiken in Zamora, Kastilien, im 16. Jhd.
2.3.1 El buen Morir - Das Gute Sterben
2.3.2 Testamente als Quellen
2.3.3 El alma y el más allá – Die anthropologische Form und die Orte postmortaler Existenz im Jenseits
2.3.4 Die Mittel zum Heil – der Dienst der Lebenden an den Toten
2.3.5 Die Feiertage zum Totengedenken - Allerheiligen und Allerseelen
3 Der Forschungsdiskurs zwischen „Survivals“, „Synkretismus“ und „Invented Tradition“
3.1 Días de los Muertos – das mexikanische Allerheiligen und Allerseelen Fest: Ein kurzer Überblick über den Ablauf
3.2 Paul Westheim – Der Blick eines Eingewanderten
3.3 Anita-Britta Hellbom – Einblicke bei der IAHR 1975
3.4 Austellungskatalog „Lebende Tote“ – Der Blick aus Übersee 1986
3.5 Charmichael and Sayer – Das Skelett beim Festmahl
3.6 Exkurs – Einige Überlegungen zu theoretischen Konzepten
3.7 Juanita Garciagodoy – Der interne Blick von Außen
3.8 Stanley Brandes und die Colonial Invention
3.8.1 Die Bedeutung und der Ursprung der Ikonographie des Días de los Muertos
3.8.2 Zucker, Tod und Kolonialismus
4 Claudio Lomnitz – Wie der Tod zum Totem wurde
4.1 Die Eroberung Amerikas und die Umwälzung der Werte
4.2 Die verzögerte Einführung des Fegefeuers
4.3 Die Adaption der Sterbepraktiken
4.4 Die Einführung der Testamente
5 Días de los Muertos in Ocotepec, Morelos – Ein Besuch vor Ort
5.1 Ocotepec – historische und soziale Kontextualisierug
5.2 Feldzugang
5.3 Erster Besuch in Ocotepec
5.4 Eindrücke in Cuernavaca Ende Oktober
5.5 Der Tag der „kleinen Toten“
5.6 Das gemeinsame Rosenkranzgebet
5.7 Der Tag der „großen Toten“
5.8 Der Abschied auf dem Friedhof
6 Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht das mexikanische Totentagsfest (Días de los Muertos) in Ocotepec, Morelos, unter dem Fokus der Hybridisierung religiöser Praxis im Kontext einer kolonialen Vergangenheit. Ziel ist es, die dynamischen Anpassungsprozesse zwischen indigenen und christlichen Vorstellungen vom Tod zu analysieren und dabei die Bedeutung des Festes für die Identitätsstiftung lokaler Gemeinschaften sowie die Rolle des Staates und der Kirche bei der Konstruktion dieses nationalen Symbols zu hinterfragen.
2.2.1 Exkurs: Die Quellenproblematik
Bei jeder Untersuchung von Quellen aus einer anderen Zeit und/oder einem anderen kulturellen Kontext stellen sich große Verständnisherausforderungen. Selbst wenn die Sprachbarrieren überwunden werden können, sind in den meisten Fällen die epistemologischen Kontexte nicht bekannt, welche eine möglichst nicht verfremdende Interpretation erlauben würden. Auch ist es notwendig, diejenigen Strukturen zu berücksichtigen in deren Kontext eine Quelle entstanden ist und die Frage nach den Intentionen der jeweiligen Verfasser zu stellen. Im vorliegenden Fall stellen sich darüber hinaus noch weitere Herausforderungen, die es fast unmöglich machen, Aussagen über die Glaubensvorstellungen und religiöse Praktiken im aztekischen Volk zu treffen. Es gibt kaum Quellen, die wir üblicherweise als „Primärquellen“ bezeichnen würden. Fast alle Bildquellen, vor allem aber die, welche religiöses Wissen enthielten, wurden bei der Verwüstung während der Einnahme von Tenochtitlán gezielt zerstört. Da auch viele Priester, die Widerstand leisteten, umgebracht wurden, ist das religiöse Wissen mit den Trägern untergegangen.
In der Zeit unmittelbar nach der Eroberung wagte, aufgrund der zu fürchtenden Repressalien, vermutlich niemand über dieses Wissen zu sprechen (Prem 2003, 11). Der Zugang zu den überlebenden Priestern wurde auch von den katholischen Missionaren verschüttet und es wurde den Mönchen zunächst untersagt, sich mit der „heidnischen Religion“ zu befassen. Das Wissen der religiösen Spezialisten blieb also unzugänglich (Prem 2003, 53).
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Totentagsfest in Mexiko als zentrales Spannungsfeld für die Identitätsfindung der Mestizen-Nation nach einer kolonialen Vergangenheit.
2 Postmortalitätsvorstellungen bei den „Azteken“ und bei den spanischen Katholiken im 16. Jhd.: Dieses Kapitel kontrastiert die Jenseitskonzepte der Azteken mit den katholischen Vorstellungen des 16. Jahrhunderts, um die unterschiedlichen Grundlagen für das spätere Totenfest aufzuzeigen.
3 Der Forschungsdiskurs zwischen „Survivals“, „Synkretismus“ und „Invented Tradition“: Hier erfolgt eine kritische Aufarbeitung der wissenschaftlichen Debatten über Ursprung und Charakter des Festes, die sich zwischen Kontinuitätsthesen und neueren kulturtheoretischen Ansätzen bewegen.
4 Claudio Lomnitz – Wie der Tod zum Totem wurde: Eine vertiefende Auseinandersetzung mit Lomnitz' historischem und politischem Analyseansatz zur Entstehung des Todes als nationalem Symbol in Mexiko.
5 Días de los Muertos in Ocotepec, Morelos – Ein Besuch vor Ort: Der empirische Teil dokumentiert die Feldforschung in Ocotepec und analysiert, wie die Gemeinde ihre Traditionen in einem Spannungsfeld zwischen lokaler Identität, Urbanisierung und Tourismus pflegt.
6 Schlussbetrachtungen: Die Autorin resümiert die Ergebnisse, unterstreicht die Bedeutung der barrio-Struktur für die soziale Kohäsion und plädiert für eine Abkehr von simplen Synkretismus-Modellen zugunsten von Hybridisierungskonzepten.
Días de los Muertos, Mexiko, Ocotepec, Postmortalitätsvorstellungen, Azteken, Katholizismus, Synkretismus, Hybridisierung, Transkulturation, Kolonialismus, Identität, Tod, Bestattungsrituale, Ofrenda, Totengedenken
Die Arbeit analysiert das Totentagsfest in Mexiko, insbesondere in der Gemeinde Ocotepec, und untersucht, wie sich die Praktiken und Vorstellungen von Tod und Sterben unter dem Einfluss der kolonialen Geschichte zu ihrer heutigen Form gewandelt haben.
Die zentralen Themen umfassen die Vergleiche von aztekischen und spanisch-katholischen Totenvorstellungen, die historische Entwicklung der Feierlichkeiten, Identitätskonstruktionen im modernen Mexiko sowie die kritische theoretische Einordnung mittels Kulturtheorien wie Transkulturation und Hybridisierung.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich durch historische Machtasymmetrien und lokale Adaptionen ein einzigartiges kulturelles Phänomen entwickelt hat, und dabei die Problematik essentialisierender Erklärungsmodelle wie des „Synkretismus“ aufzuzeigen.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu den geschichtlichen und religiösen Hintergründen mit einer eigenen qualitativen Feldforschung (illustrierende Teilhabe) in Ocotepec, Morelos.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Postmortalitätsvorstellungen, eine Diskussion der wissenschaftlichen Forschungsdebatten, die Untersuchung von Claudio Lomnitz' Thesen zur Nationalisierung des Todes sowie die detaillierte Beschreibung der eigenen Feldbeobachtungen in Ocotepec.
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Días de los Muertos, Hybridisierung, Kolonialgeschichte, Ocotepec, Identitätspolitik und Totenkult charakterisieren.
Ocotepec dient als konkreter Ort, um zu zeigen, wie dörfliche Sozialstrukturen (barrios) als identitätsstiftende Einheiten fungieren und wie sich moderne Traditionen als dynamische Anpassungsprozesse gegenüber Urbanisierung und staatlicher Vereinnahmung behaupten.
Im Gegensatz zu älteren Studien, die das Totenfest oft als „unverfälschten“ Überrest aztekischer Rituale betrachteten, lehnt die Autorin essentialistische Kontinuitätsannahmen ab und betont die dynamischen Prozesse der Hybridisierung und die Bedeutung sozio-ökonomischer Faktoren.
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