Diplomarbeit, 1993
123 Seiten
Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich kritisch mit der Rolle der Presse bei der Erzeugung und Verbreitung rassistischer Diskurse und untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen rassistischer Ideologie, praktischen Auswirkungen und medialem Konsum. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Massenmedien, insbesondere die Presse, zur Herstellung und Reproduktion rassistischer Alltagsvorstellungen beitragen und welche Wirkungsweisen diese auf die RezipientInnen haben.
Die Negativberichterstattung
In den 60er Jahren entstanden in Amerika Studien über die spezifische Berichterstattung über Schwarze und EinwanderInnen. Ihr Ergebnis ist auch noch heute brisant: EinwanderInnen kommen zu fast 100% nur in Form der Negativberichterstattung in den Zeitungen vor. Konflikte und Gewalttaten in denen Minderheiten involviert sind, gelangen schnell in die Schlagzeilen, als Gewalt und Verbrechen von der weißen Mehrheit. Die Gefahr in dieser einseitigen Berichterstattung besteht darin, daß Minderheiten stereotypisiert werden. "This is because everything to do with coloured peopel takes place against an underlying premise, that they are the symbols or the embodiment of a problem" (Husband und Hartmann, 1974,164).
Wer und mit welchen Kriterien entscheidet darüber, wann eine Nachricht in der Presse erscheint? Grundsätzlich ist dann eine Nachricht druckreif, wenn sie im Interesse der Öffentlichkeit steht. Hauptsächlich entscheiden die weißen Eliten darüber, da ZeitungsherstellerInnen nur in Ausnahmefällen JournalistInnen aus den Minderheitengruppen beschäftigen (vgl. van Dijk, 1991b,14). Das Interesse von Weißen an Minderheiten entsteht erst dann, wenn sie zu einem 'Problem' werden. Das öffentliche Interesse reagiert erst auf Demonstrationen, Rechtsverstöße u.s.w. Galtung und Ruge (1970) insistieren: Je negativer eine Nachricht ist, desto schneller gelangt sie in die Zeitung. Je 'unzweideutiger' ("unambiguous" Husband und Hartmann, 1974,155) der Inhalt, desto schneller wird es eine Nachricht. Die Menschen sind an die tägliche Kost von Katastrophen, Konflikten und Problemen aus der Zeitung gewöhnt. Die ZeitungsherstellerInnen erhöhen die Angstspirale, um auf dem Markt noch AbnehmerInnen zu finden. "Conflict and controversy are the essence of 'newsworthiness' and their significance as criteria in politics and race. The subjective skills of the newsman when applied to the reporting of race produce an emphasis on conflict, negativness and the unusual that again sets 'newsworthiness' at odds with reporting underlying trends and background information" (Husband und Hartmann, 1974,159).
Die Wichtigkeit der Negativität, die z.B. in Berichten über 'race-relations' zum Ausdruck kommen, erschweren eine produktive Auseinandersetzung mit und über EinwanderInnen. Die Folge ist ein verzerrtes Bild über Minderheiten in den Medien/der Presse. Die Tendenz eher über 'unzweideutige' Ereignisse zu schreiben, führt dazu, daß gerade Situationen, die für Minderheiten eine entscheidene Bedeutung haben, nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Im Vergleich zu den drei Negativ-Topics : Einwanderung, Verbrechen und Drogen gibt es nahezu keine Berichterstattung über Themen von denen Minderheiten betroffen sind, z.B. Aufenthaltsrecht, Gesundheitswesen, Schulwesen, Rassismus.
Kapitel I. Rassismus: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden Überblick über den Begriff des Rassismus, seine Geschichte, verschiedene Erscheinungsformen (inkl. Elite-Diskurs, Neo-Rassismus) und die Abgrenzung zu Ausländerfeindlichkeit und Ethnozentrismus.
Kapitel II. Nationalismus: Hier wird Nationalismus als Phänomen untersucht und aufgezeigt, wie eine deutsche Identität in Hinblick auf die Herstellung und Reproduktion des alltäglichen Rassismus konstruiert wird.
Kapitel III. Massenmedien: Das Kapitel beleuchtet die Geschichte der kommunikativen Berichterstattung, die Ergebnisse der Kommunikationsforschung und analysiert Funktion sowie Wirkungsweise der Massenmedien, insbesondere der Presse.
Kapitel IV. Der 'Diskurs der Elite' in Beziehung zu rassistischen Alltagstheorien: Dieses Kapitel stellt den Zusammenhang zwischen Elite-Diskursen und rassistischen Alltagstheorien her, analysiert politische Rassismus-Diskurse, Pressestrukturen, Medien-Ideologien und den Konsum rassistischer Mediendiskurse durch Jugendliche und Erwachsene.
Kapitel V. Rassismus in der Presse: Der Fokus liegt auf der negativen Berichterstattung über Minderheiten in der Presse, der Analyse negativer Fremd- und positiver Selbstdarstellung, der Themenwahl, der Funktion von Überschriften und der Wirkungsweise rassistischer Pressestrukturen auf RezipientInnen.
Kapitel VI. Eine Textanalyse des 'Spiegel' Leitartikels Nr.46/1992 mit dem Titel 'Wer will Menschen das antun?': Dieses Kapitel bietet eine detaillierte Text- und Diskursanalyse eines spezifischen Spiegel-Leitartikels, untersucht dessen sprachliche Makro- und Mikro-Struktur, Neologismen, Kollektivsymbole und den Argumentationsaufbau bezüglich des Themas 'Roma und Sinti' und Asyl.
Kapitel VII. Diskursanalyse: Politische Grundhaltungsänderungen nach der Wiedervereinigung Deutschlands: Hier wird eine umfassende Diskursanalyse durchgeführt, um politische Grundhaltungsänderungen nach der deutschen Wiedervereinigung zu beleuchten, insbesondere im Kontext der "Asyldebatte" und des neo-nationalistischen Diskurses.
Schlußbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, reflektiert die Rolle der Presse bei der Reproduktion rassistischer Diskurse und formuliert mögliche Ansätze für einen kritischen Umgang mit entsprechenden Darstellungsweisen.
Rassismus, Nationalismus, Massenmedien, Presse, Diskursanalyse, Negativberichterstattung, Elite-Diskurs, Asyldebatte, Stereotypen, Fremdenfeindlichkeit, Mediendiskurse, Rezipienten, Kommunikationsforschung, Identität, Alltagstheorien
Die Arbeit untersucht die Rolle der Presse bei der Verbreitung und Reproduktion rassistischer Diskurse und leistet einen Beitrag zur medienpädagogischen Reflexion über medialen Rassismus in Deutschland.
Zentrale Themenfelder sind Rassismus in seinen verschiedenen Formen, Nationalismus und die deutsche Identität, die Funktion und Wirkungsweise von Massenmedien sowie die Analyse von Elite-Diskursen und rassistischen Alltagstheorien im medialen Kontext.
Das primäre Ziel ist es, kritisch zu reflektieren, wie die Presse zur Erzeugung und Verbreitung rassistischer Diskurse beiträgt und welche Wirkungsweisen diese auf die RezipientInnen haben, insbesondere im Hinblick auf die Konstruktion von Wirklichkeit.
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus theoretischer Analyse (insbesondere zur Geschichte des Rassismus und der Medien) und empirischer Text- und Diskursanalyse, um mediale Repräsentationen von Rassismus zu untersuchen.
Der Hauptteil behandelt die Konzepte von Rassismus und Nationalismus, die Rolle der Massenmedien, den Einfluss von Elite-Diskursen auf rassistische Alltagstheorien, spezifische Analysen von Rassismus in der Presse (z.B. Negativberichterstattung) und eine detaillierte Textanalyse eines 'Spiegel'-Leitartikels sowie eine umfassende Diskursanalyse politischer Veränderungen nach der Wiedervereinigung.
Rassismus, Nationalismus, Massenmedien, Presse, Diskursanalyse, Negativberichterstattung, Elite-Diskurs, Asyldebatte, Stereotypen, Fremdenfeindlichkeit, Mediendiskurse, Rezipienten, Kommunikationsforschung, Identität, Alltagstheorien.
Die Arbeit analysiert einen spezifischen 'Spiegel'-Leitartikel aus dem Jahr 1992 ("Wer will Menschen das antun?") mittels einer sprachlichen Makro- und Mikro-Analyse, um rassistische Strukturen, Neologismen und Kollektivsymbole in dessen Berichterstattung über Asylbewerber und Roma/Sinti aufzuzeigen.
Die Arbeit beleuchtet, wie die 'Asyldebatte' nach der deutschen Wiedervereinigung zu politischen Grundhaltungsänderungen führte und wie Medien, insbesondere durch die Verwendung des Neologismus 'Asylant', zur Erstarkung neo-nationalistischer Diskurse und zur Reproduktion rassistischer Vorurteile beigetragen haben.
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