Masterarbeit, 2013
73 Seiten, Note: 6
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Von der Urwahl zu den vier Grundtypen der Umweltethik
2.1 Egoismus oder moralischer Standpunkt
2.2 Wer sind alle?
2.3 Instrumenteller Wert, intrinsischer Wert, inhärenter Wert und Eigenwert
2.4 Vier Grundtypen der Umweltethik
2.4.1 Moralischer Anthropozentrismus
2.4.2 Pathozentrismus
2.4.3 Biozentrismus
2.4.4 Holismus
3. Welche Ethik?
3.1 Inklusions- oder Exklusionsfrage?
3.2 Der Weg der Ausweitung von innen
3.2.1 Ist es legitim, Tiere zur moralischen Gemeinschaft dazu zu zählen?
3.2.1.1 Das pathozentrische Argument
3.2.2 Ist es legitim, Pflanzen und andere Organismen zur moralischen Gemeinschaft dazu zu zählen?
3.2.2.1 Das pathozentrische Argument
3.2.2.2 Das teleologische Argument
3.2.2.3 Das Argument von der Ehrfurcht vor dem Leben
3.3 Der Weg der Einschränkung von aussen
3.3.1 Soll unbelebte Materie von der moralischen Gemeinschaft ausgeschlossen werden?
3.3.2 Sollen Ökosysteme von der moralischen Gemeinschaft ausgeschlossen werden?
3.3.3 Sollen Pflanzen und anderen Organismen von der moralischen Gemeinschaft ausgeschlossen werden?
3.4 Zwischenfazit
3.5 Diskussion von Einwänden
3.5.1 Der Einwand der Unhintergehbarkeit der Anthropozentrik
3.5.2 Nortons Konvergenzhypothese
3.5.3 Der Einwand der fehlenden Wechselseitigkeit
3.5.4 Der Following-Nature-Einwand
3.5.5 Der Einwand der Holisten
3.6 Exkurs: Interne Argumente für den Naturschutz
3.6.1 Basic-Need-Argument
3.6.2 Ästhetische Argumente (Aisthesis/Kontemplation/Design)
3.6.3 Heimat-Argumente
3.6.4 Pädagogisches Argument
3.7 Fazit
4. Abgestufter oder gleicher Eigenwert?
4.1 Hierarchismus oder Egalitarismus?
4.1.1 Hierarchismus
4.1.2 Egalitarismus
4.1.3 Diskussion
4.1.4 Fazit
4.2 Schwacher oder starker Egalitarismus?
4.3 Fazit
5. Schlusswort
Die Arbeit untersucht die moralische Berücksichtigungswürdigkeit der Natur und stellt dabei die grundlegende Forschungsfrage, welche Entitäten um ihrer selbst willen moralisch zu berücksichtigen sind und ob diese Entitäten in gleicher Weise moralischen Anspruch besitzen. Ziel ist es, eine stark egalitaristische, pathozentrische Umweltethik zu begründen und hierarchische Gegenmodelle zu widerlegen.
2.4.1 Moralischer Anthropozentrismus
„Nach der bloßen Vernunft zu urtheilen, hat der Mensch sonst keine Pflicht, als blos gegen den Menschen (sich selbst oder einen anderen); […] “25 Immanuel Kant
Mit der geringsten moralischen Reichweite auskommen zu können, glaubt der Anthropozentrist: Im moralischen Anthropozentrismus besitzt nur der Mensch Eigenwert. Der moralische Anthropozentrismus stellt folglich nur den Menschen und seine Interessen ins Zentrum seiner Entscheidungsfindung. Der Mensch ist gewissermassen das Mass aller Dinge. Das Verhältnis zur aussermenschlichen Natur ist dabei immer ein indirektes. Damit ihr überhaupt ein Wert zugesprochen werden kann, muss die aussermenschliche Natur in ein Verhältnis mit dem Menschen treten. Mit anderen Worten bemisst sich ein Eingriff in die Natur einzig und allein daran, ob und wie stark damit Menschen beeinträchtigt werden. Der Natur als solches wird im moralischen Anthropozentrismus kein Wert zugeschrieben.26
Ein klassisches Beispiel für die anthropozentrische Position ist die Tierschutzbegründung bei Kant: Als einziges vernunftfähiges und damit moralfähiges Wesen besitzt nur der Mensch, so Kant, Eigenwert. Tieren und anderen Entitäten kommt demzufolge keine moralische Berücksichtigungswürdigkeit um ihrer selbst zu. Nichtsdestotrotz gilt es Tierquälerei zu verurteilen. Dies jedoch nicht deshalb, weil Tiere dabei leiden, sondern aus dem Bedenken heraus, dass Tierquälerei verrohend auf zwischenmenschliches Verhalten einwirken könnte.27
Mit einem solchen, auf indirekten Argumenten beschränkten Schutz der Natur ist – wie im Nachfolgenden ersichtlich wird – unter anderem der Pathozentrismus nicht einverstanden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Umweltzerstörung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der moralischen Relevanz und Signifikanz von Entitäten in der Natur, wobei für eine pathozentrische Umweltethik plädiert wird.
2. Von der Urwahl zu den vier Grundtypen der Umweltethik: In diesem Kapitel werden grundlegende moralische Konzepte wie der moralische Standpunkt, instrumentelle versus Eigenwerte sowie die vier Hauptansätze der Umweltethik (Anthropozentrismus, Pathozentrismus, Biozentrismus, Holismus) vorgestellt.
3. Welche Ethik?: Das Kapitel erläutert die methodische Herangehensweise an die Bestimmung der moralischen Gemeinschaft über den Weg der Ausweitung von innen sowie der Einschränkung von aussen und diskutiert Einwände gegen eine pathozentrische Ethik sowie interne Argumente für Naturschutz.
4. Abgestufter oder gleicher Eigenwert?: Hier steht die moralische Signifikanz im Fokus, wobei die Frage diskutiert wird, ob alle Mitglieder der moralischen Gemeinschaft gleichen Wert besitzen, was zum starken Egalitarismus als vorzuziehende Position führt.
5. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Ergebnisse der Untersuchung, wonach allen Menschen und Tieren gleichermaßen Eigenwert zukommt und der starke Egalitarismus als moralisch gebotene Position festzuhalten ist.
Umweltethik, Moralische Berücksichtigungswürdigkeit, Eigenwert, Pathozentrismus, Anthropozentrismus, Biozentrismus, Holismus, Inklusionsfrage, Moralische Signifikanz, Egalitarismus, Hierarchismus, Naturschutz, Empfindungsfähigkeit, Moralische Gemeinschaft, Tötungsverbot
Die Masterarbeit befasst sich mit der moralischen Bewertung der Natur und untersucht, welchen Entitäten ein Eigenwert zukommt und wie diese moralisch zu berücksichtigen sind.
Zu den Kernbereichen gehören die verschiedenen umweltethischen Grundtypen, die methodische Abgrenzung der moralischen Gemeinschaft sowie die Debatte um hierarchische versus egalitaristische Moralstrukturen.
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu bestimmen, welche Lebewesen moralisch um ihrer selbst willen berücksichtigt werden müssen und ob diesen Entitäten der gleiche moralische Wert zukommt.
Die Autorin nutzt eine methodische Zweiteilung: Einerseits den "Weg der Ausweitung von innen", der bei menschlichen Grundannahmen ansetzt, und andererseits den "Weg der Einschränkung von aussen", der von einer holistischen Ausgangslage die moralische Gemeinschaft kritisch prüft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung der moralischen Relevanz (wer gehört zur Gemeinschaft) und der moralischen Signifikanz (wer zählt wie viel).
Zentrale Begriffe sind Pathozentrismus, Eigenwert, Moralische Gemeinschaft, Egalitarismus und Empfindungsfähigkeit.
Weil der Pathozentrismus sowohl durch den Weg der Ausweitung von innen als auch durch den Weg der Einschränkung von aussen als tragfähige und konsistente Lösung für die moralische Relevanz bestimmt werden kann.
Die Arbeit zeigt, dass die Unterscheidung von Personen und Nicht-Personen bei der Frage der Tötung moralisch nicht relevant ist und plädiert daher für eine Gleichbehandlung aller empfindungsfähigen Wesen in allen Situationen.
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