Magisterarbeit, 2004
92 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Forschungsgegenstand
1.2 Vorgehensweise
2. Rezeptionsgeschichte des «Stellvertreters» von 1963 bis heute
3. Rolf Hochhuths Drama «Der Stellvertreter»
3.1 Problematik der literarischen Zuordnung
3.2 Ansichten eines Autors: Hochhuths Selbstverständnis und sein Bild vom Theater
3.2.1 Hochhuths Glaube in das Individuum
3.2.2 Hochhuth gegen das Theater seiner Zeit
3.2.3 Hochhuth und das Dokumentarische
3.3 Dramenanalytischer Teil
3.3.1 Dramenanalyse von Rolf Hochhuths «Der Stellvertreter»
3.3.1.1 Dramaturgie
3.3.1.2 Sprachliche Besonderheiten
3.3.1.3 Figurenanalyse
3.3.1.3.1 Kurt Gerstein und Riccardo Fontana
3.3.1.3.2 Der Doktor
3.3.1.3.3 Papst Pius XII.
3.4 Zusammenfassung
4. «Der Stellvertreter» als politisches Theaterstück
4.1 Die Bühne als Tribüne: Das Theater Erwin Piscators
4.1.1 Piscators politisches Theater im zeitlichen Abriss
4.1.2 Piscator, Hochhuth und das Bekenntnistheater
4.2 Aufführungsanalytischer Teil
4.2.1 Aufführungsanalyse von Erwin Piscators «Stellvertreter»-Inszenierung
4.2.1.1 Analyse der Strichfassung und Dramaturgie
4.2.1.2 Plakat- und Programmheftanalyse
4.2.1.3 Bühnenbild, Kostüme, Projektionen und Ton
4.2.1.4 Figurenanalyse
4.2.1.4.1 Riccardo Fontana und Kurt Gerstein
4.2.1.4.2 Papst Pius XII.
4.2.1.4.3 Der Doktor
4.3 Zusammenfassung
5. Der «Stellvertreter» als politischer Film
5.1 Constantin Costa-Gavras und der politische Film
5.1.1 Der Political Fiction Film
5.1.2 Merkmale des politischen Films von Costa-Gavras
5.2 Filmanalytischer Teil
5.2.1 Filmanalyse von Constantin Costa-Gavras’ «Stellvertreter»-Verfilmung
5.2.1.1 Dramaturgie
5.2.1.2 Das Motiv der Güterzüge als Sinnbild der SS-Maschinerie
5.2.1.3 Inszenierung des Ortes und der Zeit
5.2.1.4 Figurenanalyse
5.2.1.4.1 Kurt Gerstein und Riccardo Fontana
5.2.1.4.2 Der Doktor
5.2.1.4.2 Papst Pius XII.
5.3 Zusammenfassung
6. Schlussbetrachtung
7. Bibliographie
Diese Arbeit untersucht Rolf Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“ sowie dessen Realisierungen in Theater und Film durch die Regisseure Erwin Piscator und Constantin Costa-Gavras. Ziel ist es, das Sinnverstehen der komplexen Binnenbeziehungen des Werkes in Drama, Theater und Film zu vertiefen und insbesondere die „politische“ Qualität dieser Umsetzungen sowie die methodische Herangehensweise der Regisseure biographisch und analytisch zu beleuchten.
1.1 Forschungsgegenstand
Es war im Februar 1963, als ein Theaterstück unter der Regie von Erwin Piscator die Bretter der Freien Berliner Volksbühne so sehr erbeben ließ, dass diese Erschütterung sich über weite Teile des Erdballs ausbreitete und noch lange Zeit danach zu spüren war. Die Rede ist von Rolf Hochhuths Drama «Der Stellvertreter».
Das Stück ist ein Phänomen: Es katapultierte den bis dahin unbekannten Autor Rolf Hochhuth ins Rampenlicht der Öffentlichkeit und verwandelte das Theater quasi über Nacht wieder in einen Schauplatz politischer Wirksamkeit. Es wirbelte durch die Weltpresse, bahnte sich seinen Weg genauso in die Wohnzimmer der Bevölkerung wie in die Vorzimmer der Politik, rüttelte an den Grundfesten des Vatikans und löste weltweit leidenschaftliche Debatten aus. Alles in allem: Es war ein Skandal.
Nach dem zweiten Weltkrieg lag das kulturelle Leben in Deutschland brach. Nur langsam fand es in den folgenden Jahren wieder zur Kräften. Insbesondere das Drama, als künstlerische Form außergewöhnlich stark an aktuelle Ereignisse und die aktive Reaktion des Publikums gebunden, blieb auffallend unfruchtbar. Die Dramaturgie dieser Zeit hatte sich von politischen Geschehnissen abgewandt oder besser: sich ihnen noch nicht wieder zugewandt. Von „Dramenleere“ und „Theaterlethargie“ war die Rede. Auf den Bühnen Deutschlands dominierten Stücke ausländischer Autoren. Es war die Zeit des absurden und grotesken Theaters. Die Verstörung des Menschen, sein Alleinsein, seine Fremdheit in der Welt, dies waren die Themen der zeitgenössischen Dramatiker. Sie offenbarten dem Zuschauer die Absurdität des Lebens und bildeten diese konkret ab. Das Absurde Theater bot die zeitgemäße Darstellung der Gefühle, die der Krieg im Menschen hinterlassen hatte. Aber es erörterte diese Gefühle nicht, es stellte nicht zur Diskussion: weder die Vergangenheit, noch die Gegenwart. Weder die Ereignisse des Krieges, noch die der Nachkriegszeit. Es agierte nicht moralisch, es agierte nicht politisch.
1. Einleitung: Einführung in den Forschungsgegenstand und die methodische Vorgehensweise bei der Analyse von Drama, Theaterinszenierung und Verfilmung.
2. Rezeptionsgeschichte des «Stellvertreters» von 1963 bis heute: Darstellung der weltweiten Debatten, Proteste und medialen Resonanz seit der Uraufführung.
3. Rolf Hochhuths Drama «Der Stellvertreter»: Tiefgehende Analyse der literarischen Problematik, des Autoren-Selbstverständnisses, der Dramaturgie, Sprache und Figurengestaltung.
4. «Der Stellvertreter» als politisches Theaterstück: Untersuchung von Erwin Piscators Theaterkonzept, der spezifischen Uraufführung und der Rolle des Bekenntnistheaters.
5. Der «Stellvertreter» als politischer Film: Analyse der filmischen Umsetzung durch Constantin Costa-Gavras unter Berücksichtigung der Merkmale des „Political Fiction Film“.
6. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der politischen Wirksamkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Rolle der individuellen Verantwortung.
7. Bibliographie: Verzeichnis der herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.
Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter, Erwin Piscator, Constantin Costa-Gavras, Politisches Theater, Politischer Film, Vergangenheitsbewältigung, Holocaust-Darstellung, Pius XII., Kurt Gerstein, Riccardo Fontana, Dokumentartheater, Bekenntnistheater, Moral, Schuldfrage.
Die Arbeit untersucht das Drama „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth und dessen Adaptation auf der Theaterbühne durch Erwin Piscator sowie als Film durch Constantin Costa-Gavras.
Im Zentrum stehen die politische Wirksamkeit von Kunst, die Rolle der katholischen Kirche während des Nationalsozialismus, die Verantwortung des Individuums und die Herausforderungen bei der filmischen oder theatralen Darstellung des Holocausts.
Das Ziel ist, zu analysieren, wie die drei Künstler ihre jeweils spezifischen „politischen Programme“ in Drama, Theater und Film umgesetzt haben und inwieweit die gewählten Mittel geeignet waren, das Publikum zur Auseinandersetzung mit der Geschichte zu bewegen.
Die Arbeit verfolgt primär einen hermeneutischen Ansatz, ergänzt um biographische und film- bzw. theaterwissenschaftliche Analyseaspekte, um ein tieferes Verständnis der Kommunikationsprodukte zu erlangen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Dramenanalyse des Ausgangstextes, eine Untersuchung der Theaterinszenierung von Piscator unter Aspekten der Dramaturgie und Regie sowie eine Filmanalyse von Costa-Gavras’ Adaption.
Wichtige Begriffe sind Politisches Theater, Vergangenheitsbewältigung, Holocaust-Darstellung, Rolle von Papst Pius XII., sowie die Regiekonzepte von Piscator und Costa-Gavras.
Die Arbeit stellt fest, dass Hochhuth historische Dokumente zwar akribisch studierte, diese jedoch letztlich als „Rohmaterial“ für eine fiktive, stark moralisch aufgeladene Dramaturgie nutzte, was oft zu Spannungen zwischen historischem Anspruch und ästhetischer Form führte.
Während Piscator durch radikale Striche und einen Fokus auf das zentrale moralische Dilemma eine Bühnenfassung schuf, die das Theater als „Tribüne“ nutzte, setzte Costa-Gavras bei seiner Verfilmung stärker auf filmische Konventionen und eine filmische Ästhetik, die das Publikum durch Identifikationsfiguren erreichen wollte.
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