Bachelorarbeit, 2016
92 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Historische Entwicklung der Entomophagie
2.1 Insekten in der Geschichte der menschlichen Ernährung
2.2 Globale Verbreitung von Entomophagie
2.3 Aktuelle Verbreitung in Europa
2.4 Entstehung des Nahrungstabus im Westen
3 Verbraucherakzeptanz bei neuartigen Lebensmitteln
3.1 Akzeptanzforschung
3.1.1 Theory of Planned Behavior nach Ajzen (1991)
3.1.2 Anwendung des TPB-Modells am Beispiel des Insektenkonsums
3.2 Psychologische Einflüsse auf das Ernährungsverhalten
3.2.1 Einfluss der Sinne
3.2.2 Der Ekel
3.2.3 Food Neophobie
3.2.4 Mere-Exposure-Effect
3.2.5 Exklusivität
4 Zwischen Genuss und Abscheu – Akzeptanz von Entomophagie in Deutschland
4.1 Der rechtliche Rahmen bei Insekten als Nahrungsmittel
4.1.1 Die neue Verordnung für Insekten als Lebens- und Futtermittel
4.1.2 Risikobewertung der EFSA
4.2 Darstellung in deutschen Medien
4.3 Risiko-Nutzen-Einschätzung aus Verbrauchersicht
4.4 Potenzielle Zielgruppen nach Sinus-Milieus in Deutschland
4.5 Ansätze zur höheren Verbraucherakzeptanz
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Methodischer Hintergrund und Forschungsfrage
5.2 Konzeption des Leitfadens
5.3 Grundprinzipien der Experteninterviews
5.4 Aufbereitung und Auswertung des Datenmaterials
6 Ergebnisse
7 Interpretation und Diskussion
8 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbraucherakzeptanz von Insekten als neuartige Proteinquelle in der direkten Humanernährung in Deutschland, um Potenziale für die Entomophagie zu identifizieren und zukünftiges Konsumverhalten vorherzusagen.
3.2.2 Der Ekel
„Disgust is one of our most basic emotions – the only one that we have to learn – and nothing triggers it more reliably than the strange food of others”. 9
Der Ekel ist eine der grundlegendsten Emotionen des Menschen, welcher sich mit starker Abneigung und Widerwillen äußert. Es lassen sich nach derzeitigem Forschungsstand jedoch keine allgemein gültigen Indikatoren auf bestimmte Lebensmittel feststellen, die Ekelgefühle bei Menschen auslösen. Die Fähigkeit Ekel zu empfinden, ist zwar angeboren, doch werden Ekelgefühle erst durch soziokulturelle und pädagogisch vermittelte Lernprozesse im Laufe des Lebens erworben (LOOY et al. 2013; HARTMANN et al. 2015).
Festzuhalten ist, dass bereits Neugeborene auf bitteren Geschmack mit dem Verziehen des Gesichts reagieren, doch wird dabei nicht von einer Ekelreaktion, sondern von einer angeborenen Geschmacksaversion ausgegangen. Sowohl Aversionen als auch Präferenzen gegenüber einzelnen Speisen können bereits im Mutterleib durch die Ernährung der Mutter geprägt werden (KIEFER 2012, S. 19).
Auch Assoziationen können eine wesentliche Rolle beim Entstehen von Ekelreaktionen spielen. Dies lässt sich am Gesetz der Ähnlichkeit verdeutlichen. Dabei werden Objekte als ekelhaft wahrgenommen, da sie mit negativen Assoziationen in Verbindung gebracht werden (VAN OVERVELD et al. 2010; DEROY et al. 2015). So kann eine Seidenraupe mit einer schleimigen Konsistenz assoziiert werden. Dadurch wird Angst und Ekel hervorgerufen (HARTMANN et al. 2015).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der zukünftigen Proteinversorgung und das Potenzial von Insekten als Lebensmittel ein.
2 Historische Entwicklung der Entomophagie: Das Kapitel betrachtet die historische Nutzung von Insekten als Nahrungsquelle und die Gründe für die Entstehung von Nahrungstabus in westlichen Kulturen.
3 Verbraucherakzeptanz bei neuartigen Lebensmitteln: Hier werden theoretische Akzeptanzmodelle und ernährungspsychologische Einflussfaktoren auf das Konsumverhalten theoretisch fundiert.
4 Zwischen Genuss und Abscheu – Akzeptanz von Entomophagie in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert den rechtlichen Status quo, die mediale Resonanz und potenzielle Zielgruppen für Insektenprodukte in Deutschland.
5 Methodisches Vorgehen: Beschreibung der gewählten qualitativen Forschungsmethode, der Stichprobenauswahl und der Anwendung der Inhaltsanalyse nach Mayring.
6 Ergebnisse: Präsentation der empirischen Daten aus den Experteninterviews, strukturiert nach den entwickelten Oberkategorien.
7 Interpretation und Diskussion: Kritische Reflexion der erhobenen Ergebnisse im Kontext der Forschungsfrage und der aufgestellten Hypothesen.
8 Zusammenfassung: Abschließende Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und ein Fazit zur zukünftigen Bedeutung der Entomophagie.
Entomophagie, Verbraucherakzeptanz, Insekten als Lebensmittel, Proteinversorgung, Ekelbarriere, Neophobie, Novel Food, Nachhaltigkeit, Ernährungspsychologie, Experteninterviews, Qualitative Inhaltsanalyse, Nahrungstabu, Akzeptanzforschung, Marktpotenzial, Produktentwicklung.
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Insekten als alternative, ressourceneffiziente Proteinquelle für die menschliche Ernährung in Deutschland und analysiert, welche Faktoren die Akzeptanz bei den Verbrauchern beeinflussen.
Die Arbeit verknüpft ernährungspsychologische Aspekte wie Ekel und Neophobie mit dem rechtlichen Rahmen für neuartige Lebensmittel sowie strategischen Marketingansätzen zur Steigerung der Akzeptanz.
Das Ziel ist es, auf Basis einer Expertenbefragung die Wahrscheinlichkeit einer positiven Verbraucherakzeptanz für Insekten als Nahrungsmittel in Deutschland zu ermitteln.
Die Verfasserin nutzt ein qualitatives Forschungsdesign und führt leitfadengestützte Experteninterviews durch, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Analyse von Akzeptanzmodellen, eine Untersuchung der rechtlichen und medialen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die detaillierte Präsentation und Diskussion der Experten-Ergebnisse.
Wesentliche Begriffe sind Entomophagie, Verbraucherakzeptanz, Insekten als Lebensmittel, Nahrungstabus, Lebensmittelsicherheit und die Anwendung des TPB-Modells nach Ajzen.
Die Experten nennen primär die Ekelbarriere der Verbraucher, unklare gesetzliche Bestimmungen im Novel-Food-Bereich sowie die noch fehlende Sicherheit bezüglich gesundheitlicher Risiken als größte Hindernisse.
Die Experten betonen, dass Produkte, bei denen das Insekt nicht als ganzes Tier erkennbar ist (z. B. durch Verarbeitung zu Mehl), eine signifikant höhere Akzeptanzschance haben als der Verzehr ganzer Insekten.
Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) werden als eine besonders vielversprechende Zielgruppe hervorgehoben, da sie Nachhaltigkeit und gesundheitsbewusste Ernährung priorisieren.
Die Mehrheit der befragten Experten sieht langfristiges Potenzial, warnt jedoch davor, dass aufgrund der tief verwurzelten kulturellen Abneigung ein massenhafter Markterfolg noch Jahre in Anspruch nehmen wird.
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