Bachelorarbeit, 2016
35 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Der Begriff der Krise
2.1. Der allgemeine Krisenbegriff
2.2. Der betriebswirtschaftliche Krisenbegriff
2.2.1. Definition und Begriffsabgrenzung
2.2.2. Die Phasenmodelle der Unternehmenskrise
2.2.3. Ursachen von Unternehmenskrisen
2.2.4. Wirkungen von Unternehmenskrisen
2.2.5. Krisenprävention
2.2.6. Krisenbewältigung
2.2.7. Krisenevaluation
3. Social Media im Krisenkontext
3.1. Einflussfaktoren des Internets und der Social Media auf Unternehmenskrisen
3.2. Die Social-Media-Krise
4. Der Streisand-Effekt
4.1. Etymologie
4.2. Definition und wissenschaftliche Einordnung
5. Der Streisand-Effekt als Social-Media-Krise
5.1. Fallbeispiel: Der Blogger Markus Beckedahl und die Deutsche Bahn
5.2. Der Verlauf
5.3. Die Ursachen
5.4. Die Wirkungen
5.5. Die Prävention und Bewältigung
5.6. Einflussfaktoren des Internets und der Social Media
5.7. Die Definition
6. Der Streisand-Effekt und die Zensur
7. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit der Streisand-Effekt als eine Social-Media-Krise betrachtet werden kann. Hierfür werden die theoretischen Grundlagen der Unternehmens- und Social-Media-Krisen auf das spezifische Phänomen der unbeabsichtigten Verbreitung unterdrückter Informationen angewendet, um die Mechanismen und Risiken für Unternehmen und andere Akteure zu analysieren.
5.1. Fallbeispiel: Der Blogger Markus Beckedahl und die Deutsche Bahn
Der Blogger Markus Beckedahl (2009: o.S.), der Betreiber von Netzpolitik.org, erhielt am 03. Februar 2009 von der Deutschen Bahn aufgrund der Veröffentlichung eines internen Memos zur Mitarbeiterüberwachung des Unternehmens eine juristische Abmahnung. Die Rechtsabteilung der Bahn forderte in dem Schreiben, welches Beckedahl in Form einer E-Mail mit PDF-Anhang erhielt, Schadenersatzansprüche und drohte mit strafrechtlicher Verfolgung (Stoffels 2012: 43). In einem Interview mit dem Spiegel Online, sagte Beckedahl, dass das Dokument nach dessen Veröffentlichung kaum Interesse fand, obwohl es sich dabei um ein brisantes Thema handelte und Netzpolitik.org einer der meistverlinkten Weblogs Deutschland ist. In dem Protokoll geht es genauer genommen um eine Unterredung zwischen Mitarbeitern der Bahn und dem Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix.
Beckedahl veröffentlichte anschließend das Anwaltsschreiben auf seinem Blog und das Interesse für das Dokument stieg nun immens an. So wurde das Dokument vor der Abmahnung 3000 Mal aufgerufen, während es nach der Abmahnung innerhalb von zwei Tagen 60.000 Mal angeklickt wurde (Rath 09.02.2009: o.S.). Zudem wurde das Protokoll auf zahlreichen Websites, unter anderem in Tauschbörsen-Systemen wie BitTorrent geteilt. Die Torrent-Sammelseite The Pirate Bay veröffentlichte die Datei mit folgenden Vermerk: „Dies ist das Bahn-Datenschutzmemo, ursprünglich auf Netzpolitik.org verlinkt. Am 03.02.2009 wurde Netzpolitik.org deshalb abgemahnt. Hiermit wird um Verbreitung gebeten“ (Stöcker 2009: o.S.). Die klassischen Medien griffen daraufhin das Thema auf. Der Blogger, der inzwischen von mehreren Juristen unterstützt wurde, weigerte sich die Unterlassungserklärung, die in dem Anwaltsschreiben gefordert war, zu unterzeichnen. Die Deutsche Bahn ging daraufhin nicht weiter auf den Blogger ein, änderte jedoch auch nicht ihre Position zu dem Vorfall: „Bei der Veröffentlichung des Schriftstücks handele es sich um den ‚Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen‘. Da die Bahn dies nicht tolerieren könne, habe das Unternehmen die Abmahnung als geeignetes Mittel gesehen, um dagegen vorzugehen“ (von Streit 2009: o.S.).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Social-Media-Krise anhand aktueller Beispiele sowie Hinführung zur Fragestellung bezüglich des Streisand-Effektes.
2. Der Begriff der Krise: Theoretische Herleitung des Krisenbegriffs mit Fokus auf betriebswirtschaftliche Aspekte, Phasenmodelle und Präventionsmethoden.
3. Social Media im Krisenkontext: Analyse der spezifischen Kommunikationsmechanismen und Risikofaktoren im Netz, die das Entstehen einer Social-Media-Krise begünstigen.
4. Der Streisand-Effekt: Definition und etymologische Herleitung des Phänomens sowie dessen Einordnung in den wissenschaftlichen Diskurs.
5. Der Streisand-Effekt als Social-Media-Krise: Detaillierte Analyse des Fallbeispiels "Deutsche Bahn und Markus Beckedahl" zur Verifizierung der Hypothese.
6. Der Streisand-Effekt und die Zensur: Historische Betrachtung der Unterdrückung von Informationen und deren paradoxe Wirkung bis in die heutige Zeit.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Streisand-Effekt, Social-Media-Krise, Krisenkommunikation, Unternehmenskrise, Internet, Netzpolitik, Public Relations, Zensur, Krisenprävention, Krisenbewältigung, Online-Reputation, Issues Management, Digitale Öffentlichkeit, Transparenz, David-versus-Goliath
Die Arbeit analysiert, wie der sogenannte Streisand-Effekt – die unbeabsichtigte Popularisierung unterdrückter Informationen durch den Versuch ihrer Zensur – als eine spezielle Form der Social-Media-Krise klassifiziert und verstanden werden kann.
Die zentralen Felder umfassen die Krisenkommunikation, die Funktionsweise von Social Media im Krisenkontext, Mechanismen der Online-Zensur sowie die strategische Krisenbewältigung von Unternehmen gegenüber einer vernetzten Netzcommunity.
Das primäre Ziel besteht darin, durch einen theoretischen Vergleich und eine Fallstudie zu belegen, dass der Streisand-Effekt kein isoliertes Phänomen ist, sondern explizit als Social-Media-Krise in das Krisenmanagement von Organisationen integriert werden sollte.
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse zu Krisenkonzepten sowie eine qualitative Einzelfallanalyse (Markus Beckedahl und die Deutsche Bahn), um die Mechanismen des Streisand-Effektes empirisch zu untermauern.
Der Hauptteil erstreckt sich von der betriebswirtschaftlichen Definition der Unternehmenskrise über die Besonderheiten der Internet-Kommunikation bis hin zur tiefgehenden Untersuchung, wie juristische Abmahnungen bei Bloggern oft das Gegenteil des Gewünschten bewirken.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie "Streisand-Effekt", "Social-Media-Krise", "Krisenkommunikation", "Netzaktivismus" und "Online-Reputation" definieren.
Dieser Fall dient als ideales Beispiel, da er den klassischen Konflikt zwischen einem vermeintlich mächtigen Akteur ("Goliath") und einem Blogger ("David") zeigt, bei dem der Versuch einer juristischen Unterdrückung zu einer massiven digitalen Solidarisierungswelle führte.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Zensurversuche im digitalen Zeitalter häufig kontraproduktiv wirken, da sie die Aufmerksamkeit auf genau jene Inhalte lenken, die eigentlich verborgen bleiben sollten, und somit als Katalysator für eine Krise dienen.
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