Bachelorarbeit, 2013
41 Seiten, Note: 2,1
1) Einleitung
2) Die ethische Betrachtung des Suizid in der Antike
2.1. Platon
2.2. Seneca und die Stoiker
2.3. Plotin und die Neuplatoniker
3) Christliche Zeit und Mittelalter
3.1. Augustinus
3.2. Dante Alighieri
4) Moderne
4.1. Giacomo Leopardi
4.2. Cesare Pavese
5) Fazit und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die historische Entwicklung der ethischen Bewertung des Suizids von der Antike bis in die Moderne anhand ausgewählter literarischer und philosophischer Beispiele. Dabei wird analysiert, wie sich der moralische Diskurs über den selbstgewählten Tod im Spannungsfeld zwischen philosophischen Lehren, religiösen Dogmen und individuellen Lebenskrisen gewandelt hat.
2.1. Platon
Um die ethische Beurteilung des Suizids in der Antike (anhand ausgewählter Beispiele) herauszuarbeiten, ist es sinnvoll zunächst die Auffassungen Platons (427-347 v. Chr.) zu diesem Thema im Phaidon und den Nomoi heranzuziehen, da vor allem er und die Pythagoreer sich im Abendland als erste Verfechter derjenigen Betrachtungsweise, die den Suizid für moralisch verwerflich erachtet, hervortun.
Im Phaidon lässt Platon Sokrates mit einigen Freunden eine Diskussion über die Unsterblichkeit der Seele führen, an deren Ende Sokrates schlussfolgert, dass es nicht recht sei sich selbst Gewalt anzutun. Dazu zieht er zwei Bilder heran: Im ersten stellt er den Menschen als Wesen dar, das sich in einer Festung befindet, aus der es sich nicht selbst befreien darf und im zweiten schließlich als Teil einer Herde der Götter. Letztendlich drückt beides das gleiche aus: Der Mensch ist nicht Herr über seinen eigenen Körper, er gehört nicht sich selbst und darf deshalb auch nicht über sein eigenes Schicksal entscheiden.
Im Machtbereich der Götter befindlich ist es ihm also erst erlaubt aus dem Leben scheiden, wenn „der Gott irgendeine Notwendigkeit dazu verfügt“.
1) Einleitung: Hinführung zur Thematik des Suizids und Erläuterung der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2) Die ethische Betrachtung des Suizid in der Antike: Untersuchung der antiken Auffassungen zum Suizid mit Fokus auf Platons strikte Ablehnung sowie die nuanciertere Sichtweise der Stoa und Neuplatoniker.
2.1. Platon: Analyse der platonischen Argumentation, die den Menschen als Eigentum der Götter sieht und den Suizid als verwerflichen Akt interpretiert.
2.2. Seneca und die Stoiker: Beleuchtung der stoischen Philosophie, die unter spezifischen Bedingungen (causa iusta) eine Ausstiegsoption aus dem Leben als Ausdruck der Freiheit akzeptiert.
2.3. Plotin und die Neuplatoniker: Erörterung der neuplatonischen Position, die sich weitgehend an Platon orientiert und den Suizid primär als unnatürlich ablehnt.
3) Christliche Zeit und Mittelalter: Untersuchung des religiösen Paradigmenwechsels, der den Suizid als schwere Sünde und Verstoß gegen das göttliche Tötungsverbot einstuft.
3.1. Augustinus: Darstellung der dogmatischen Ablehnung des Suizids bei Augustinus als direkte Konsequenz aus dem christlichen Tötungsverbot.
3.2. Dante Alighieri: Analyse der literarischen Aufarbeitung des Suizids in Dantes Inferno, insbesondere am Beispiel von Pier della Vigna.
4) Moderne: Untersuchung der literarischen Suizidreflexionen in der Moderne, geprägt durch existenzielle Krisen und den Fokus auf individuelle psychische Verfassungen.
4.1. Giacomo Leopardi: Analyse des Spannungsfelds zwischen rationaler Reflexion und emotionaler Verzweiflung im Werk Leopardis.
4.2. Cesare Pavese: Untersuchung der tiefgreifenden Suizidthematisierung in Paveses Tagebuch und Werken vor dem Hintergrund seiner Depression.
5) Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung der Suizidethik von der Antike bis zur Moderne und Ausblick auf die heutige psychologisch geprägte Sichtweise.
Suizid, Ethische Bewertung, Antike Philosophie, Stoa, Christliche Ethik, Giacomo Leopardi, Cesare Pavese, Selbsttötung, Willensfreiheit, Moralphilosophie, Dante Alighieri, Platon, Existenzielle Krise, Todesbegriff, Fremdbestimmung.
Die Arbeit analysiert die ethische Bewertung des Suizids vom antiken Griechenland bis zur modernen italienischen Literatur, um Wandlungen in der moralischen Einstellung aufzuzeigen.
Zentral sind der philosophische Diskurs über Freiheit und Selbstbestimmung, religiöse Verbote sowie die literarische Verarbeitung individueller Lebenskrisen und Depressionen.
Ziel ist es, die Entwicklung der Suizidethik nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie sich die moralische Bewertung im Laufe der Jahrhunderte durch unterschiedliche philosophische und religiöse Einflüsse verändert hat.
Der Autor nutzt eine chronologische und textanalytische Methode, um anhand ausgewählter Werke und Denker (von Platon bis Pavese) die ethischen Argumentationsmuster systematisch herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung antiker Ansätze, die christliche Sichtweise des Mittelalters sowie die moderne literarische Reflexion, wobei jeweils spezifische Autoren und deren Konzepte analysiert werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Suizid, Ethische Bewertung, Stoa, Selbsttötung, Willensfreiheit, Depression und Existenzialismus geprägt.
Während Platon den Suizid aufgrund der göttlichen Verfügungsgewalt über den Menschen als kategorisch verwerflich ablehnt, sieht die Stoa in begründeten Ausnahmefällen eine sittliche Legitimation zur Selbsttötung.
Dante nutzt die Figur in der Göttlichen Komödie, um die Unnatürlichkeit des Suizids und dessen Bestrafung im Inferno literarisch eindrucksvoll und moralisch wertend darzustellen.
Bei Pavese verschiebt sich die Sichtweise von einer philosophisch-theoretischen Reflexion hin zu einer zutiefst persönlichen, durch Depressionen und Lebensmüdigkeit geprägten Erfahrung, die den Suizid letztlich als unvermeidliche Konsequenz erscheinen lässt.
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