Diplomarbeit, 2004
100 Seiten, Note: 1,3
Vorwort
Einleitung
Teil I Theoretische Grundlagen
1. Geistige Behinderung - Begriffserklärung und Personenkreis
1.1 Medizinischer Ansatz
1.2 Psychologischer Ansatz
1.3 Pädagogischer Ansatz
1.4 Juristischer Ansatz
1.5 Internationale Klassifikation nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
1.6 Definition der Amerikanischen Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung ("American Association of Mental Retardation - AAMR")
1.7 Behinderung als Isolation und Abhängigkeit von Hilfe
1.8 Zusammenfassung
2. Daten und Fakten zur Lebens- und Wohnsituation geistig behinderter Menschen
2.1 Übersicht
2.2 Gründe für eine Heimaufnahme
2.3 Größen der Wohneinrichtungen
2.4 Größen der Wohngruppen
2.5 Zusammenfassung
3. Normalität
3.1 Veränderung der Normalität und des Normalitätsempfindens
4. Das Normalisierungsprinzip
4.1 Normalisierung
4.2 Entstehung des Normalisierungsprinzips
4.3 Bestandteile des Normalisierungsprinzips
4.4 Aufnahme des Normalisierungsprinzips in Deutschland
4.5 Kritische Betrachtung des Normalisierungsprinzips
5. Erweiterung des Normalisierungsprinzip durch Wolfensberger
5.1 Kritische Betrachtung der Weiterentwicklung des Normalisierungsprinzips durch Wolfensberger
6. Zusammenfassung Teil I
Teil II Bestandsaufnahme der Lebensbedingungen von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnheimen unter der Berücksichtung des Normalisierungsprinzips
7. Erläuterung der Planung und Vorbereitung der Bestandsaufnahme
8. Beschreibung der Wohneinrichtung „Haus am Rennplatz“
8.1 Konzeption der Wohneinrichtung „Haus am Rennplatz“
9. Auswertung des Fragebogens zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips
10. Auswertung der MitarbeiterInnenbefragung
11. Auswertung der BewohnerInnenbefragung
12. Eigene Beobachtungen im Wohnheim „Haus am Rennplatz“
13. Zusammenfassung der Ergebnisse und persönliche Einschätzung
Teil III Resümee und Reflexion der Diplomarbeit
14. Resümee und Reflexion der Auseinandersetzung mit dem Thema
Anhang
A Fragebogen zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips
B Fragebogen zum Normalisierungsprinzip (Mitarbeiter)
C Fragebogen für die Bewohner
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen unter Berücksichtigung des Normalisierungsprinzips. Ziel ist es, am Beispiel des Wohnheimes „Haus am Rennplatz“ zu analysieren, inwiefern dieses theoretische Prinzip in der heutigen Praxis Anwendung findet, welchen Stellenwert es für die Betroffenen hat und wie es die Lebensqualität beeinflusst.
1.1 Medizinischer Ansatz
Im medizinischen Bereich wird sowohl von einer angeborenen oder frühzeitig erworbenen Intelligenzminderung als auch von Oligophrenie gesprochen. Aus medizinischer Sicht geht dies einher mit einer Beeinträchtigung des Anpassungsvermögens. Als Symptome werden in der Medizin die eingeschränkte kognitive bzw. sprachliche Entwicklung, Anpassungsstörungen, Störung der Affektivität und der psychomotorischen Retardierung beschrieben.
Im medizinisch-biologischen Bereich werden sowohl die physischen, organisch-genetischen Abweichungen mit Bezugnahme auf die Ätiologie verwendet und sowie Wechselwirkungen zwischen endogener körperlicher Schädigung (neuronal) und exogenen, somatischen und sozialen Faktoren untersucht.
Die Hauptaufgabe der Medizin besteht in der Klärung der Ursache und der Entstehungsgeschichte von geistiger Behinderung sowie in der Entwicklung therapeutischer Maßnahmen.
„Ziel der ärztlichen Untersuchung eines geistig behinderten Menschen ist es, Ursachen und Entstehungsgeschichte (Ätiologie und Pathogenese) der vorhandenen Funktionsstörungen aufzuklären. Das gelingt trotz aller Bemühungen nicht immer; es kommt deshalb auch darauf an, in einer Art `Bestandsaufnahme` Stärken und Schwächen zu bestimmen (Mehrfachbehinderung) und organisch-biologische und psycho-soziale Grundlagen für erforderliche Behandlungsmaßnahmen zu schaffen. Durch frühzeitiges Erkennen einer Behinderung kann manchen ihrer Folgen wirksam begegnet werden.“
1. Geistige Behinderung - Begriffserklärung und Personenkreis: Dieses Kapitel erläutert unterschiedliche theoretische Definitionsansätze (medizinisch, psychologisch, pädagogisch, juristisch) und betont die Schwierigkeit einer einheitlichen Bestimmung aufgrund der Individualität des Menschen.
2. Daten und Fakten zur Lebens- und Wohnsituation geistig behinderter Menschen: Hier werden statistische Hintergründe zur Lebenssituation und Heimunterbringung dargelegt, die zeigen, dass Wohnform, Gruppengröße und persönlicher Einfluss auf die Entscheidung zur Aufnahme variieren.
3. Normalität: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit dem Begriff „Normalität“ auseinander, definiert diesen als ein Konstrukt der gesellschaftlichen Mehrheit und hinterfragt, wie sich das Normalitätsempfinden im Wandel befindet.
4. Das Normalisierungsprinzip: Das Kapitel führt in den Ursprung und die Bestandteile des Normalisierungsprinzips ein, das den Anspruch verfolgt, Menschen mit Behinderung ein Leben zu ermöglichen, das dem nichtbehinderter Menschen entspricht.
5. Erweiterung des Normalisierungsprinzip durch Wolfensberger: Dieser Abschnitt beschreibt die Weiterentwicklung des Prinzips durch Wolfensberger, der den Fokus auf die Aufwertung der sozialen Rolle behinderter Menschen legt.
6. Zusammenfassung Teil I: Dieses Kapitel zieht ein Zwischenfazit über die theoretischen Grundlagen und die Relativität des Behinderungs- und Normalitätsbegriffs.
7. Erläuterung der Planung und Vorbereitung der Bestandsaufnahme: Hier wird das methodische Vorgehen für den praktischen Teil der Diplomarbeit sowie die Auswahl der Forschungsinstrumente beschrieben.
8. Beschreibung der Wohneinrichtung „Haus am Rennplatz“: Das Kapitel stellt die konkrete Wohneinrichtung und deren Konzeption vor, in der die Untersuchung stattfand.
9. Auswertung des Fragebogens zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips: Diese Auswertung beleuchtet die praktische Umsetzung des Normalisierungsprinzips aus Sicht der Einrichtungsleitung anhand der acht Kriterien von Nirje.
10. Auswertung der MitarbeiterInnenbefragung: Hier werden die Ergebnisse der Befragung der Mitarbeiterinnen hinsichtlich ihrer Kenntnisse und Einschätzung zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips in ihrer täglichen Arbeit analysiert.
11. Auswertung der BewohnerInnenbefragung: Dieses Kapitel fasst die Interviews mit den Bewohnern zusammen, um deren persönliche Perspektive auf ihre Lebensqualität im Wohnheim zu erfahren.
12. Eigene Beobachtungen im Wohnheim „Haus am Rennplatz“: Die Autorin reflektiert hier ihre eigenen Eindrücke, die sie vor Ort durch Beobachtung und Gespräche gewinnen konnte.
13. Zusammenfassung der Ergebnisse und persönliche Einschätzung: Abschließend werden die Erkenntnisse der gesamten Bestandsaufnahme kritisch reflektiert und bewertet.
14. Resümee und Reflexion der Auseinandersetzung mit dem Thema: Der Schlussteil reflektiert die Erkenntnisse der Diplomarbeit und betont die Notwendigkeit einer stets kritischen Haltung der Sozialen Arbeit gegenüber gesellschaftlichen Normvorstellungen.
Geistige Behinderung, Normalisierungsprinzip, Normalität, Wohneinrichtung, Lebenssituation, soziale Integration, Teilhabe, Lebensqualität, Pädagogik, Fremdbestimmung, Selbstbestimmung, Inklusion, Wohnheim, Behindertenhilfe, Sozialarbeit.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung in stationären Wohneinrichtungen unter der speziellen Betrachtung, inwiefern das „Normalisierungsprinzip“ in der Praxis umgesetzt wird.
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Behinderung, das Verständnis von Normalität, die Entstehung und Anwendung des Normalisierungsprinzips sowie eine empirische Bestandsaufnahme der Lebensbedingungen in einer konkreten Wohneinrichtung.
Das Ziel ist zu untersuchen, ob und wie das Normalisierungsprinzip – ein Konzept, das geistig behinderten Menschen ein „so normales Leben wie möglich“ ermöglichen soll – in einem spezifischen Wohnheim („Haus am Rennplatz“) Anwendung findet und welche Auswirkungen dies auf die Bewohner hat.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Bestandsaufnahme. Diese beinhaltet Fragebögen für die Bereichsleitung und Mitarbeiter sowie strukturierte Interviews mit den Bewohnern der untersuchten Einrichtung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit den Begriffen Behinderung, Normalität und dem Normalisierungsprinzip sowie eine detaillierte Auswertung der erhobenen Daten in der Wohneinrichtung, inklusive eigener Beobachtungen.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Geistige Behinderung, Normalisierungsprinzip, Normalität, Wohnheim, Lebensqualität, soziale Integration, Teilhabe und Wohngruppen.
Die Arbeit betont, dass eine positive Grundeinstellung der Leitung dem Normalisierungsprinzip gegenüber eine essenzielle Voraussetzung ist, damit Mitarbeiter das Konzept in ihrem pädagogischen Alltag überhaupt umsetzen können.
Die Autorin stellt heraus, dass es keinen „Menschen mit geistiger Behinderung“ als homogene Gruppe gibt. Da jeder Bewohner ein Individuum mit eigenen Bedürfnissen ist, kann eine pauschale Umsetzung des Normalisierungsprinzips nicht allen gerecht werden, was zu einer differenzierten Betrachtung führt.
Die Autorin sieht die Regelung, dass Bewohner über ihr eigenes Einkommen oft nicht völlig frei verfügen können, unter dem Gesichtspunkt des Normalisierungsprinzips kritisch, räumt aber gleichzeitig ein, dass der Schutz vor Ausbeutung und Überforderung ebenfalls eine pädagogische Verantwortung darstellt.
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