Masterarbeit, 2016
133 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Themenaufriss
1.2 Zentrale Fragestellung
1.3 Methodische Vorgehensweise
2 Entwicklungsprozesse und Überlegungen während des Schreibens
3 Definitionsversuche der Begriffe Migration, Emigration, Flucht, Vertreibung, Integration und Inklusion
3.1 Migration, Emigration und Flucht
3.2 Vertreibung
3.3 Integration
3.4 Inklusion
4 Geschichte der Emigration, Migration, Flucht und Vertreibung in Deutschland und Europa
4.1 Migrationsbewegungen vom Dreißigjährigen Krieg bis 1933
4.2 Migrationsbewegungen in Deutschland von 1933 bis 1948
4.2.1 Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich von 1933 bis 1938
4.2.2 Situation deutscher Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten von Amerika
4.2.3 Situation jüdisch deutscher Flüchtlinge im Deutschen Reich von 1941 bis 1945
4.2.4 Politische Reaktionen auf die Migrations- und Flüchtlingsbewegungen von 1933 und heute
4.3 Flucht und Vertreibung der Deutschen ab 1944
4.3.1 Flucht und Evakuierung 1944/45
4.3.2 Vertreibung der Deutschen
4.4 Displaced Persons
4.5 Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen in der Nachkriegszeit
5 Situation der Asylbewerber/innen, Gastarbeiter/innen und Flüchtlinge in Deutschland in der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre
5.1 Gastarbeiter/innen in der BRD und DDR
5.2 Flüchtlinge und Asylsuchende in Deutschland
5.3 Situation der (Spät-)Aussiedler/innen
5.4 Gesellschaftlicher Umgang mit der Minderheit der Roma
5.5 Fremdenangst in Gesamtdeutschland
6 Flucht- und Migrationsbewegungen seit 2014
6.1 Fluchtursachen
6.2 Aufnahme der Flüchtlinge und Migranten/innen durch die deutsche Zivilgesellschaft
6.3 Ansichten und Einstellungen der Thüringer Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen und Migranten/innen
7 Zum heutigen gesellschaftlichen Umgang mit der Flucht und Vertreibung von 1945
7.1 Retroperspektive Ansichten der heutigen Gesellschaft auf die Flucht und Vertreibung von 1945
7.2 Gegenwärtige gesellschaftliche Ansichten über die aktuelle Flucht- und Migrationsbewegung in Bezugnahme auf die historischen Ereignisse der Flucht und Vertreibung von 1945
8 Zwischenzusammenfassung
9 Empirische Forschungsergebnisse
9.1 Aufbau und Ablauf des Forschungsprozesses
9.2 Beschreibung der Forschungsergebnisse aus dem Fragebogen
9.3 Beschreibung der Forschungsergebnisse der Interviews
9.4 Teilzusammenfassung empirischer Teil
10 Fazit und Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Wissen über Flucht und Vertreibung im Kontext des Zweiten Weltkriegs den gesellschaftlichen Umgang mit heutigen Flüchtlingen in Deutschland beeinflusst und welche Rolle historische Erfahrungen für die aktuelle Einstellungsbildung in der Bevölkerung spielen.
4.2.3 Situation jüdisch deutscher Flüchtlinge im Deutschen Reich von 1941 bis 1945
Dieses Unterkapitel beschäftigt sich mit der Situation jüdischer Flüchtlinge, die versuchten sich zwischen 1941 und 1945 in Deutschland zu verstecken oder die Flucht wagten. Dieser spezielle Teil der deutsch-jüdischen Geschichte ist noch nicht systematisch erforscht worden. Aus diesem Grund gibt es darüber keine ausreichende wissenschaftliche Fachliteratur. Professorin Frau Dr. Susanna Schrafstetter von der University of Vermont (USA) beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und hielt am 5. Januar 2016 im Erfurter Rathaussaal einen Vortrag mit dem Titel „Flucht vor dem Holocaust: Untergetauchte Juden in Deutschland, 1941 – 45“. Dieser Vortrag fand im Rahmen einer Ringvorlesung zusammen mit der Universität Erfurt und der Fachhochschule Erfurt statt. Vor dem Hintergrund, dass Frau Prof. Dr. Susanna Schrafstetter als Expertin für diesen Themenbereich anzusehen ist und es aktuell keine Fachliteratur gibt, nehme ich ihren Vortrag als Quelle für dieses Unterkapitel.
Schätzungsweise versuchten 10.000 bis 15.000 Jüdinnen und Juden in den Jahren 1941 bis 1945 vor den Deportationen zu fliehen oder lebten untergetaucht in der Illegalität. Von diesen Menschen überlebten nur ca. 5.000 Personen, auch diese Zahl ist eine Schätzung. Menschen, die in der Illegalität lebten, bezeichneten sich selbst als U-Boote. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, begann die erste unfreiwillige Migrationswelle deutscher Juden/innen. Mit der Besetzung Österreich und der Tschechoslowakei fanden ab 1938 weitere Fluchtbewegungen statt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges begannen die jüdischen Flüchtlinge, die vorher aus Deutschland in die Nachbarländer geflüchtet sind, erneut aus den nunmehr selbst von der Deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten, wie z. B. Polen, Frankreich, den Niederlanden usw., zu fliehen. Etwa mehr als die Hälfte der 1933 in Deutschland lebenden Juden/innen (etwa 300.000) wanderte gezwungenermaßen aus. Nur wenige Länder nahmen damals wie heute vorbehaltlos Flüchtlinge auf. Meistens musste man den Nachweis über eine finanzielle Bürgschaft mitbringen; idealerweise hatte man einen begehrten Beruf, war jung und gesund. Das waren Faktoren, welche die Chancen für die Einwanderung erhöhten. In vielen Ländern gab es Aufnahmequoten für Flüchtlingen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik aktueller Fluchtbewegungen ein, stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss historischen Wissens auf das heutige Handeln und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Entwicklungsprozesse und Überlegungen während des Schreibens: Dieses Kapitel erläutert den persönlichen Forschungsprozess des Autors, einschließlich der Literaturrecherche und der Einbindung von Zeitzeugenberichten sowie externen historischen Perspektiven.
3 Definitionsversuche der Begriffe Migration, Emigration, Flucht, Vertreibung, Integration und Inklusion: Hier werden die theoretischen Grundlagen und begrifflichen Abgrenzungen dargelegt, die für das Verständnis der Migrationsforschung essenziell sind.
4 Geschichte der Emigration, Migration, Flucht und Vertreibung in Deutschland und Europa: Dieses Kapitel bietet einen umfassenden historischen Überblick von den Migrationsprozessen seit dem Dreißigjährigen Krieg bis hin zur Situation der Displaced Persons nach 1945.
5 Situation der Asylbewerber/innen, Gastarbeiter/innen und Flüchtlinge in Deutschland in der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre: Der Fokus liegt hier auf den Migrationsphasen der Bundesrepublik und DDR, einschließlich der Anwerbung von Gastarbeitern und der rechtlichen Einschränkungen des Asylrechts in den 1990er Jahren.
6 Flucht- und Migrationsbewegungen seit 2014: Dieses Kapitel thematisiert die Ursachen aktueller Fluchtbewegungen sowie die Reaktionen der deutschen Zivilgesellschaft und der Thüringer Bevölkerung.
7 Zum heutigen gesellschaftlichen Umgang mit der Flucht und Vertreibung von 1945: Es wird analysiert, wie die heutige Gesellschaft auf historische Fluchtereignisse blickt und ob diese Wahrnehmung einen Einfluss auf die Bewertung aktueller Migrationsbewegungen hat.
8 Zwischenzusammenfassung: Eine zusammenfassende Reflexion der bisherigen theoretischen und historischen Ergebnisse der Masterarbeit.
9 Empirische Forschungsergebnisse: Dieser Abschnitt stellt die Ergebnisse der selbst durchgeführten Onlinebefragungen und Experteninterviews vor und interpretiert diese vor dem Hintergrund der Fragestellung.
10 Fazit und Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der die Bedeutung historischen Bewusstseins für den gesellschaftlichen Umgang mit Migration bewertet wird.
Flucht, Vertreibung, Migration, Integration, Inklusion, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Gastarbeiter, Asylrecht, Erinnerungskultur, Zivilgesellschaft, Fremdenangst, Zeitzeugen, Empirische Forschung, Deutschland
Die Masterarbeit befasst sich mit dem Einfluss des historischen Wissens über Flucht und Vertreibung von 1945 auf den heutigen gesellschaftlichen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten in Deutschland.
Die Arbeit beleuchtet die deutsche Migrationsgeschichte, die Unterschiede zwischen verschiedenen Migrationsbegriffen, die Reaktionen der Zivilgesellschaft auf Fluchtbewegungen und die Rolle des kollektiven Gedächtnisses.
Die zentrale Frage ist, ob das Wissen um die historischen Fluchtereignisse von 1945 die heutige Hilfsbereitschaft und die Einstellungen gegenüber aktuell ankommenden Geflüchteten positiv oder negativ beeinflusst.
Der Autor wählt einen kombinierten Ansatz aus theoretischer Literaturanalyse und einem empirischen Teil, der qualitative Experteninterviews sowie eine quantitative Onlinebefragung umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Begriffe, eine historische Aufarbeitung der Flucht- und Migrationsgeschichte in Europa und Deutschland sowie die Auswertung empirischer Forschungsergebnisse.
Zentrale Begriffe sind Flucht, Vertreibung, Integration, Inklusion, Erinnerungskultur, Fremdenangst und die deutsche Migrationsgeschichte der Nachkriegszeit.
Die Interviews verdeutlichen die unterschiedliche Wahrnehmung der Fluchtproblematik zwischen den Generationen und zeigen auf, dass bei jüngeren Personen das historische Bewusstsein für 1945 kaum noch einen Einfluss auf die heutige Haltung hat.
Der Autor stellt heraus, dass es in der unmittelbaren Nachkriegszeit keine Willkommenskultur für Vertriebene gab und diese teilweise auf massive Ablehnung stießen, während im aktuellen Kontext zivilgesellschaftliche Interessenvertretungen eine deutlich stärkere Rolle spielen.
Die Befragten sind in dieser Hinsicht gespalten; während ein Teil Gemeinsamkeiten im menschlichen Leid sieht, lehnen andere einen Vergleich aufgrund der unterschiedlichen kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen als unpassend ab.
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