Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Religionen in Deutschland
3. Die Flüchtlingskrise 2015
4. Zeitgeschichtlicher Kontext: Die Leitkulturdebatte von ihren Anfängen bis in die Gegenwart
4.1. Bassam Tibi und die europäische Leitkultur
4.2. Die politische Diskussion um eine deutsche Leitkultur und die daraus resultierende deutsche Leitkulturdebatte
4.3. Ein Resümee zur Leitkultur
5. Pegida – Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes
5.1. Entstehung, Aufkommen, Teilnehmer und Inhalte
5.2. Pegida über Religion und deutsche Leitkultur
6. Der Rekurs auf das Christentum: Gründe und Hintergründe
7. Ergebnisdiskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer religionswissenschaftlichen Perspektive, warum in der deutschen Leitkulturdebatte sowie bei der Gruppierung Pegida ein verstärkter Rekurs auf das Christentum erfolgt. Dabei wird analysiert, inwiefern Religion als rhetorischer Marker zur Identitätsbildung und zur Abgrenzung gegenüber dem als fremd wahrgenommenen Islam in Zeiten globaler Migration instrumentalisiert wird.
4.1. Bassam Tibi und die europäische Leitkultur
Bassam Tibi ist ein deutscher muslimischer Politologe, der ursprünglich aus Damaskus/Syrien stammt. In seinen Werken beschäftigt er sich vorrangig mit dem Islam sowie dem Islamismus in Verbindung mit dem Westen. Er geht dabei als Politikwissenschaftler natürlich auch auf die politische Dimension dieser Thematik ein. In einem seiner ersten Werke Krieg der Zivilisationen aus dem Jahr 1995 nimmt er dabei Bezug auf den bekannten Professor für Internationale Beziehungen Samuel P. Huntington. Der Harvard-Professor hatte im Jahr 1993 den viel diskutierten Aufsatz Clash of Civilizations? veröffentlicht, der innerhalb kürzester Zeit weltweit rezipiert wurde. Nach der grundlegenden These dieses Werkes gibt es sieben Zivilisationen – eine westliche, konfuzianische, japanische, islamische hinduistische, slawisch orthodoxe, lateinamerikanische – auf der Welt. Diese differieren grundlegend in den drei Merkmalen Religion, Sprache und Geschichte und sind deshalb niemals in Einklang zueinander zu bringen. Es werde deshalb im 21. Jahrhundert einen Krieg der Zivilisationen geben, der die Auseinandersetzung zwischen den Staaten ersetzt.
Bassam Tibi nimmt nun auf diese umstrittene These Bezug und stellt fest, dass die darin erwähnten sieben Zivilisationen bis auf die zwei Ausnahmen Westen und Lateinamerika „vorwiegend religiös geprägt sind“. Grund für den vorausgesagten Kampf ist, dass jede von den sieben ihre eigene Weltanschauung vertritt. Diese sind nicht nur antagonistisch, sondern auch regelrecht feindselig zueinander, was eine große Wahrscheinlichkeit für Spannung bis hin zum Krieg birgt. Der im Mittelpunkt stehende Zwist besteht für beide Wissenschaftler, sowohl für Huntington als auch für Tibi, zwischen dem Westen und dem Islam. Das Motiv liegt in deren universellen, inklusiven Weltanschauungen. Und genau an diesem Punkt setzt Bassam Tibi an, indem er darauf hinweist, dass der Islam durch globale Migration vermehrt den Westen als Ziel anvisiert. Den Islam bezeichnet Bassam Tibi dabei als „vormodern“, der insofern im Gegensatz zu dem, durch die Moderne geprägten, Westen steht.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die religionswissenschaftliche Perspektive ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Nutzung des Christentums als Identitätsmarker innerhalb der deutschen Leitkulturdebatte und bei Pegida.
2. Religionen in Deutschland: Das Kapitel bietet einen statistischen Überblick über die konfessionelle Verteilung in Deutschland und verdeutlicht die Grenzen offizieller Statistiken bei der Erfassung individueller Religiosität.
3. Die Flüchtlingskrise 2015: Hier werden statistische Daten zur globalen Migration und zur Herkunft sowie Religionszugehörigkeit der Asylsuchenden zwischen 2012 und 2015 aufbereitet, um einen aktuellen Kontext zu schaffen.
4. Zeitgeschichtlicher Kontext: Die Leitkulturdebatte von ihren Anfängen bis in die Gegenwart: Dieses Kapitel analysiert die Genese des Begriffs Leitkultur, beginnend mit Bassam Tibis ursprünglichem Konzept einer europäischen Leitkultur bis hin zur politischen Umdeutung durch deutsche Akteure als deutsch-nationale, christlich geprägte Identitätsvorgabe.
5. Pegida – Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes: Der Abschnitt befasst sich mit der Entstehung, den Zielen und der Zusammensetzung der Gruppierung Pegida und untersucht, wie diese den Begriff der deutschen Leitkultur sowie den Rückgriff auf das Christentum als Mobilisierungsinstrument nutzt.
6. Der Rekurs auf das Christentum: Gründe und Hintergründe: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet die psychologischen und sozialen Motive für den Rückgriff auf das Christentum als Abgrenzungsmechanismus gegenüber dem Fremden.
7. Ergebnisdiskussion: Abschließend werden die Erkenntnisse reflektiert, wobei das Fazit gezogen wird, dass der Rekurs auf das Christentum eine gefährliche Form der Identitätspolitik darstellt, die Integration durch Ausgrenzung und Stereotypisierung eher behindert.
Leitkulturdebatte, Pegida, Christentum, Islam, Migration, Identität, Religionswissenschaft, Integration, Abendland, Fremdheit, Eurozentrismus, Bassam Tibi, Werteorientierung, Islamisierung, Gesellschaft.
Die Arbeit untersucht, warum in politischen Debatten über Leitkultur und in der Rhetorik der Gruppierung Pegida das Christentum immer wieder als identitätsstiftendes Merkmal herangezogen wird.
Zu den Schwerpunkten zählen die deutsche Leitkulturdebatte, das Phänomen Pegida, die Auswirkungen der Flüchtlingskrise 2015 sowie religionssoziologische Fragestellungen zur Identitätskonstruktion.
Das Ziel ist es, aus religionswissenschaftlicher Sicht zu ergründen, zu welchem Zweck das Christentum als Marker für Identität in Abgrenzung zum Islam rhetorisch eingesetzt wird.
Die Arbeit nutzt eine religionswissenschaftliche Analyseperspektive und stützt sich auf eine Auswertung von Literatur, aktuellen Statistiken, politischen Diskursen sowie sozialwissenschaftlichen Daten zu Pegida.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Leitkulturdebatte, eine Untersuchung der Gruppierung Pegida und eine detaillierte Erörterung der Gründe für den Rekurs auf das Christentum im Kontext von Migration und Fremdheitskonstruktionen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Leitkultur, Identitätspolitik, Migration, Religionswissenschaft und den Spannungsfeldern zwischen Christentum und Islam charakterisieren.
Tibi konzipierte Leitkultur als ein von Religion losgelöstes, zivilisatorisches, europäisches Wertekanon-Konzept; in der politischen Debatte wurde es jedoch zu einer deutsch-nationalen und christlich-identitären Forderung umfunktioniert.
Die Flüchtlingskrise fungiert als Katalysator, der die bereits vorhandene Debatte um die deutsche Leitkultur erneut befeuert und den Rückgriff auf das Christentum als identitätsstiftendes Abgrenzungsmerkmal gegenüber Migranten verstärkt hat.
Die Arbeit stellt fest, dass viele Pegida-Anhänger, obwohl sie das „christliche Abendland“ rhetorisch verteidigen, selbst konfessionslos sind und Religion eher als rein symbolisches oder exklusives Abgrenzungsinstrument gegenüber dem Islam nutzen.
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