Masterarbeit, 2016
88 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Hintergrund der Arbeit
1.2 Eine Weiterbildung für Sprachmittlerinnen beim Jobcenter
1.3 Vorannahmen und Fragestellung
2 Begriffserklärungen
3 Community Interpreting
3.1 Charakteristika
3.2 Entwicklung von Community Interpreting in Deutschland
4 Die kommunikative Situation beim Jobcenter
4.1 Die Position der Behördenvertreterinnen
4.2 Die Position der Geflüchteten
5 Kompetenzen von Sprachmittlerinnen bei Behörden
5.1 Sprachübergreifende Kompetenzen
5.2 Sprachspezifische Kompetenzen
6 Methode
6.1 Die teilnehmende Beobachtung
6.2 Durchführung der Studie
6.3 Die Pilotstudie
6.4 Aufbereitung der Daten
7 Analyse der gedolmetschten Gespräche zur beruflichen Situation
7.1 Erstes Gespräch
7.2 Zweites Gespräch
7.3 Drittes Gespräch
7.4 Viertes Gespräch
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch eine Bedarfsanalyse die Kompetenzen zu identifizieren, die Sprachmittlerinnen für die Unterstützung arabischer Geflüchteter beim Jobcenter benötigen, um eine effektive und professionelle Kommunikation zu gewährleisten.
3.1 Charakteristika
Bei der Beschreibung des Feldes Community Interpreting und der Herausarbeitung seiner Eigenarten, wird nicht selten auf den direkten Vergleich mit dem Konferenzdolmetschen, der wohl bekanntesten Form des Dolmetschens, zurückgegriffen. Für das Konferenzdolmetschen wird ein gehobener Grad an Professionalisierung erwartet sowie eine hohe Honorierung geboten, während das Community Interpreting durch Laiendolmetscherinnen und kostenlose Dienste gekennzeichnet ist. Es fällt auf, dass alle Definitionen, die den Begriff des CI umschreiben, sich auf den großen Machtunterschied zwischen den zwei Gesprächsparteien konzentrieren. So schreibt Pöllabauer über die zwei Gesprächsparteien, zwischen denen gedolmetscht wird, diese seien häufig „Personen, die am unteren Ende der institutionellen und sozialen Machtpyramide stehen“ und ein geringes Ansehen haben; die andere Gesprächspartei seien Vertreterinnen von Behörden, Institutionen, Einrichtungen des Gastlandes. Hier scheint das Hauptcharakteristikum für das Community Interpreting zu liegen und es von anderen Formen des Dolmetschens zu unterscheiden.
Community Interpreter dolmetschen häufig Sprachen, die von Minderheiten gesprochen werden, sowie Sprachen, die weniger angesehen sind als die Weltsprachen, welche beim Konferenzdolmetschen dominieren. Regionale Dialekte und Umgangssprache kommen beim CI mehr zur Anwendung als beim Konferenzdolmetschen und auch mit wechselnden Stilebenen und Sprachregistern wird man beim CI häufiger konfrontiert. Der Dolmetschmodus ist dabei meistens konsekutiv und bilateral, das heißt, die Texte sind direkt aufeinander bezogen und werden gegenseitig voneinander beeinflusst. Demzufolge handelt es sich oft um spontane, meist kurze Redebeiträge, in denen auch elliptische und abgebrochene Sätze vorkommen, Gedanken können dabei neu formuliert, nachgetragen oder zur Absicherung wiederholt werden. Auch stehen Dolmetscherinnen bei bilateralen, konsekutiven Gesprächen nicht so unter Zeitdruck wie es beim Simultandolmetschen der Fall ist. Sie müssen nicht unbedingt Notizen anfertigen, da Rückfragen möglich und die Beiträge rhetorisch wenig anspruchsvoll sind. Bei solchen Gesprächen spielen nonverbale Informationen hingegen eine große Rolle, da sich die Gesprächspartnerinnen und die Dolmetscherinnen im sogenannten face-to-face Modus direkt anschauen und viele Informationen nonverbal ausdrücken.
1 Einleitung: Vorstellung des Problems der mangelnden professionellen Sprachmittlung für Geflüchtete beim Jobcenter und Definition der Fragestellung.
2 Begriffserklärungen: Definition zentraler Begriffe wie Bedarfsanalyse im Kontext der Sprachvermittlung.
3 Community Interpreting: Erläuterung der Merkmale und historischen Entwicklung des Community Interpreting in Deutschland.
4 Die kommunikative Situation beim Jobcenter: Analyse der Machtverhältnisse und Rollenerwartungen von Behördenmitarbeitern und Geflüchteten.
5 Kompetenzen von Sprachmittlerinnen bei Behörden: Untersuchung der notwendigen sprachübergreifenden und sprachspezifischen Fähigkeiten.
6 Methode: Beschreibung der angewandten Methode der teilnehmenden Beobachtung und deren Durchführung.
7 Analyse der gedolmetschten Gespräche zur beruflichen Situation: Detaillierte Untersuchung und Auswertung von vier konkreten Gesprächsbeispielen.
8 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Empfehlungen für notwendige Kompetenzen.
Community Interpreting, Sprachmittlung, Jobcenter, Geflüchtete, Behördendolmetschen, Kompetenzanalyse, Interkulturelle Kommunikation, Rollenbewusstsein, Fachwissen, Nulläquivalenz, Realia, Gesprächskoordination, Institutionelles Wissen, Sprachbarrieren, Qualifizierung.
Die Arbeit untersucht die Anforderungen an Sprachmittlerinnen, die beim Jobcenter für arabischsprachige Geflüchtete tätig sind, mit dem Ziel, die Qualität der Kommunikation zu verbessern.
Zentrale Themen sind das Community Interpreting als professionelles Feld, die Machtdynamik in Behördenkontexten, die Rolle des Dolmetschers sowie notwendige sprachliche und fachliche Kompetenzen.
Das primäre Ziel ist eine Bedarfsanalyse, um zu ermitteln, welche spezifischen Kompetenzen für Dolmetscher in diesem schwierigen institutionellen Umfeld erforderlich sind, um als Grundlage für künftige Weiterbildungskonzepte zu dienen.
Die Autorin nutzt die Methode der qualitativ-teilnehmenden Beobachtung bei vier Gesprächen in einer Arbeitsvermittlung, um die Theorie in der Praxis zu überprüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Herleitung der Kompetenzen (Rollenbewusstsein, Fachwissen, nonverbale Kommunikation) und eine empirische Analyse von realen Gesprächsbeispielen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Community Interpreting, Behördendolmetschen, interkulturelle Kommunikation, Nulläquivalenz, Realia und Kompetenzanalyse charakterisieren.
Es besteht ein ständiger Balanceakt zwischen Neutralität, der Rolle als Anwalt des Kunden und der notwendigen Distanz, was oft zu einer Überforderung führt, da keine stabilen Rahmenbedingungen für die Dolmetscherrolle existieren.
Realia bezeichnen kulturspezifische Begriffe oder Konzepte, für die es in der Zielsprache keine direkte Entsprechung gibt (z.B. bestimmte deutsche Behördenbegriffe). Deren kompetente Umschreibung stellt eine der größten sprachspezifischen Herausforderungen dar.
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