Bachelorarbeit, 2013
31 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Zielsetzung und Eingrenzung der Arbeit
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Judith Butler
2.2. Robert W. Connell
2.3. Arnold van Gennep
3. Gewalt- und Gefängniserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in der Westbank
4. Die Ausgangsthese von Julie Peteet
5. Analyse
5.1. Die Rolle des Körpers als Erscheinung von Macht- und Hierarchiebeziehungen
5.1.1. Verletzungen als Ausdruck des Zusammenhalts und der Identität
5.1.2. Körperkontrolle als zentrales Element der Männlichkeit
5.1.3. Erhaltung der Würde unter Folter
5.1.4. Geschichten des Leidens als Teil der palästinensischen Identität
5.2. Der palästinensische Held als männliche Ikone
5.2.1. Das Fehlen einer nationalen Identität
5.2.2. Die Kinder der Steine - Helden der Ersten Intifada
5.2.3. Vom Fidā'iy zum Šahīd
5.3. Die Bedeutung der Frauen für die Konstruktion von Männlichkeit
5.4. Beeinflussung der Männlichkeit durch Heldengeschichten
5.4.1. Die Märtyrermutter
6. Schlussbetrachtung
6.1. Zusammenfassung
6.2. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion männlicher Identität in der palästinensischen Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung von Gewalt- und Gefängniserfahrungen. Ausgehend von der These Julie Peteets wird analysiert, inwieweit diese Erfahrungen als Initiationsritus für junge Männer fungieren und wie sich dies auf die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern auswirkt.
5.1.2. Körperkontrolle als zentrales Element der Männlichkeit
Zentral in Pitchers Analyse ist auch der Aspekt der Körperkontrolle. Der natürlichen, einem jeden Menschen innewohnenden Angst vor Verletzungen und Tod trotzen zu können, gehöre in der palästinensischen Gesellschaft untrennbar zu dem Bild des aufopfernden Mannes und drücke seine Fähigkeit aus, den Körper zu kontrollieren. Auch Amal Amireh unterstreicht, dass Körperkontrolle ein wichtiges Element der arabischen Männlichkeit darstellt. Echte Männer, so das Bild, lassen sich nicht kontrollieren. Zu dieser Kontrolle gehöre auch jene über die eigenen sexuellen Bedürfnisse und die Fähigkeit, Verführung zu widerstehen. Für vollständige Kontrolle während der Intifada, wurden folglich zwei Dinge notwendig:
„[…]: a militarization of the intifada and a redomestication of women. […] The use of arms by Palestinian men allows them to assert their manhood in relation to their opponents by putting them on more equal footing with the Israeli soldiers. It also distinguishes the Palestinian men from Palestinian women by making the former adopt a kind of resistance to the occupation that was always monopolized my men.”
Auf der anderen Seite wurde diese Bewaffnung begleitet von einer Kampagne, die das Ziel hatte, Frauen zu verschleiern und von öffentlichen Orten zu entfernen, um damit die nationale Sicherheit und die nationale Ehre zu schützen. Denn „it allowed men to assert their power over women by controlling women’s bodies at a time they felt their own male bodies were being violated”.
Hier wird ein bereits von Peteet angeschnittener Punkt deutlich: Der Zusammenhang zwischen der Angst der Männer vor Gewalt, Schwäche und Kontrollverlust und auf der anderen Seite ihrem Bedürfnis, den weiblichen Körper zu disziplinieren, zu schützen und zu kontrollieren.
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld der Männlichkeitsstudien im arabischen Raum und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Konstruktion palästinensischer Männlichkeit.
2. Theoretischer Rahmen: Vorstellung der theoretischen Grundlagen durch die Ansätze von Judith Butler, Robert W. Connell und Arnold van Gennep hinsichtlich Geschlechteridentität, Macht und Übergangsriten.
3. Gewalt- und Gefängniserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in der Westbank: Zusammenfassende Darstellung der statistischen Situation und der Bedingungen von Haft und Gewalt für junge Palästinenser.
4. Die Ausgangsthese von Julie Peteet: Erläuterung des zentralen theoretischen Ansatzes, dass Gewalterfahrungen während der Intifada als männlicher Übergangsritus dienen.
5. Analyse: Detaillierte Untersuchung der körperlichen Dimension, der Heldenbilder und der Rolle der Frauen bei der Konstruktion männlicher Identität.
6. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung von Gewalterfahrungen als Initiationsritus und Ausblick auf den aktuellen Wandel der Geschlechterverhältnisse.
Männlichkeit, Palästina, Intifada, Gewalt, Gefängniserfahrung, Übergangsriten, Körperpolitik, Geschlechterrollen, Widerstand, Märtyrertum, Identität, Machtverhältnisse, Heldenbilder, Feminismus, Soziologie.
Die Arbeit untersucht, wie männliche Identität in der palästinensischen Gesellschaft konstruiert wird und welchen Einfluss spezifische Erfahrungen, wie Gewalt und Inhaftierung, auf diesen Prozess haben.
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der Übergangsriten, die Bedeutung des männlichen Körpers im politischen Widerstand, die Rolle der Frau in patriarchalischen Strukturen sowie den Wandel von Heldenidealen.
Das Ziel ist es zu ergründen, ob Gewalt- und Gefängniserfahrungen als eine Art Initiationsritus für den Übergang vom Jungen zum Mann dienen und wie diese Strukturen die Geschlechterbeziehungen innerhalb der palästinensischen Gesellschaft beeinflussen.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Sekundärliteratur, darunter sozialwissenschaftliche, psychologische und literarische Quellen, sowie dem Einbezug von Feldforschungsergebnissen und Aussagen Betroffener.
Im Hauptteil werden die Thesen von Julie Peteet vertieft und anhand von drei Themenkomplexen analysiert: der Bedeutung des Körpers als Machtsymbol, dem Wandel von männlichen Ikonen und dem Beitrag von Frauen zur Festigung dieser Männlichkeitskonstrukte.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Männlichkeit, Widerstand, Intifada, Übergangsriten, Körperpolitik sowie die spezifisch palästinensischen Konzepte von Standhaftigkeit (ṣumūd) und Märtyrertum (Šahīd).
Während die Märtyrermutter während der Ersten Intifada als nationales Symbol für Stolz und Opferbereitschaft gefeiert wurde, zeigt sich in jüngerer Zeit eine Ernüchterung, die zu kritischeren, individuelleren Perspektiven in der Literatur und im öffentlichen Diskurs führt.
Das Konzept des Sumud (Standhaftigkeit) prägt das Verständnis, dass der Körper durch das Aushalten von Leid und Gewalt zu einem Werkzeug des politischen Widerstands wird, bei dem die physische Unversehrtheit gegenüber nationalen Zielen in den Hintergrund tritt.
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