Bachelorarbeit, 2013
35 Seiten
1. Einleitung
2. Hitlers willige Vollstrecker
2.1 Goldhagens Thesen
2.2 Untersuchungsrahmen und methodischer Ansatz
3. Die fachwissenschaftliche Kritik an Goldhagens Studie
4. Die Goldhagen-Debatte in Deutschland
5. Meinungsmacher: die ZEIT
5.1 Die Wirkungsmacht der ZEIT
6. Fazit
7. Quellen
8. Literatur
9. Anhang
Die Arbeit untersucht den Verlauf und die mediale Inszenierung der Debatte um Daniel Jonah Goldhagens Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ in Deutschland. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern die Wochenzeitschrift DIE ZEIT die öffentliche Wahrnehmung und den Verlauf der Kontroverse maßgeblich steuerte, während eine fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Thesen des Autors weitgehend ausblieb.
2.1 Goldhagens Thesen
Der eigentliche Kern von Goldhagens gesamter Argumentation findet sich bereits im ausgewählten Titel seines Buches: „Hitlers willige Vollstrecker“. Die Freiwilligkeit „der Deutschen“, als Täter am Holocaust beteiligt zu sein, dient Goldhagen als Ausgangspunkt, um die gesamte bisherige Forschung auf diesem Gebiet und ihre Ergebnisse zu falsifizieren. Er benennt fünf Interpretationsansätze von Tätermotivationen, die bis dato die gesamte Holocaust-Forschung dominiert hätten: normativer und sozialpsychologischer Zwang, Gehorsam, Eigennutz und „bürokratische Kurzsichtigkeit“. Goldhagen gesteht diesen Mustern eine gewisse Relevanz zu, klassifiziert sie aber als im Grunde falsch. Er unterstellt, dass alle Ansätze davon ausgingen, die Täter hätten innerhalb dieser Muster immer zuerst persönliche Skrupel überwinden müssen um zu töten oder Entscheidungen zu treffen, die für andere Menschen den Tod bedeuteten. Zudem sprächen die ersten drei Erklärungen den Tätern ihre Handlungsfreiheit ab. Goldhagen dagegen behauptet, die Täter der Shoah hätten all ihre Taten – Demütigungen, Erniedrigungen, Gewalt, Mord – aus freien Stücken und willentlich begangen.
Laut Goldhagen hätte sich ihr Hass zudem ausschließlich gegen jüdische Opfer gerichtet. Als Grundlage seiner Behauptung entwickelt er im ersten Teil seines Buches die drei Kapitel einnehmende Theorie des „eleminatorischen Antisemitismus“. Dieser sei in der deutschen Gesellschaft seit alters her herangereift und stets latent vorhanden gewesen. Zwar wird eingeräumt, dass Antisemitismus ein Phänomen ist, welches auch in anderen Gesellschaften vorkomme, aber in Deutschland zwischen 1933-1945 traf der kulturell verwurzelte Hass auf das Judentum auf besondere Bedingungen. Der latente Antisemitismus wurde durch das Einwirken der nationalsozialistischen Führung – personifiziert durch Adolf Hitler – aus seinem Schlummer geweckt. Die ideologische Richtungsvorgabe des NS-Regimes kanalisierte dann den Wunsch „der Deutschen“ und lenkte ihr Bestreben, indem sie die infrastrukturellen Rahmenbedingungen schuf, so dass sich der kollektive Hass auf Juden zu einem „exterminatorischen Antisemitismus“ ausweiten konnte.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Publikation des Buches „Hitlers willige Vollstrecker“ im Jahr 1996 ein und skizziert die massive mediale Kontroverse, die das Werk in der Bundesrepublik auslöste.
2. Hitlers willige Vollstrecker: Dieses Kapitel verortet das Buch im Kontext der Holocaust-Forschung der 1990er Jahre und legt die zentralen Thesen sowie den methodischen Ansatz Goldhagens dar.
3. Die fachwissenschaftliche Kritik an Goldhagens Studie: Der Abschnitt fasst die harsche Ablehnung des Werkes durch Historiker zusammen, wobei insbesondere der methodische Mangel im Umgang mit Quellen und die Konstruktion des „eleminatorischen Antisemitismus“ kritisiert werden.
4. Die Goldhagen-Debatte in Deutschland: Es wird die chronologische Abfolge der Debatte in drei Phasen beschrieben, wobei der Fokus auf dem Übergang von inhaltlicher Kritik hin zur Personalisierung und medialen Inszenierung liegt.
5. Meinungsmacher: die ZEIT: Das Kapitel analysiert die Rolle der Wochenzeitschrift als Initiator und steuerndes Medium der Debatte und untersucht die publizistische Strategie von Volker Ullrich.
5.1 Die Wirkungsmacht der ZEIT: Dieser Unterabschnitt beleuchtet, wie die ZEIT durch gezielte Berichterstattung und Podiumsdiskussionen die öffentliche Meinung sowie den Verlauf der Debatte dominierte.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Goldhagens Werk als wissenschaftliche Studie gescheitert ist, da es keine neuen historischen Erkenntnisse liefert und die Debatte eher einer medial inszenierten „Schuldbesessenheit“ entsprang.
Goldhagen-Debatte, Hitlers willige Vollstrecker, Holocaust, Antisemitismus, DIE ZEIT, Geschichtswissenschaft, Medien, Kollektivschuld, Historikerstreit, NS-Regime, Erinnerungskultur, Tätermotivation, Volker Ullrich, Nationalsozialismus, mediale Inszenierung.
Die Arbeit analysiert die Debatte um das 1996 erschienene Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Jonah Goldhagen und untersucht dabei vor allem die Rolle der deutschen Medien bei der Gestaltung dieser geschichtspolitischen Kontroverse.
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Kritik an Goldhagens Thesen zum „eleminatorischen Antisemitismus“, die publizistische Steuerung der Debatte durch die Wochenzeitschrift DIE ZEIT sowie die Frage nach der Qualität des wissenschaftlichen Diskurses im Vergleich zur medialen Resonanz.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein fachwissenschaftlich umstrittenes Buch durch massive mediale Interventionen zu einem gesellschaftlichen Ereignis „gepusht“ wurde, obwohl eine inhaltliche Auseinandersetzung auf akademischer Ebene weitgehend ausblieb.
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Betrachtung der Berichterstattung in Printmedien sowie einer komparativen Analyse der fachwissenschaftlichen Rezeption des Buches von Goldhagen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Goldhagens Thesen, die fachwissenschaftliche Kritik daran, die Phasen der öffentlichen Debatte in Deutschland sowie eine detaillierte Analyse der Rolle der ZEIT und ihres Ressortleiters Volker Ullrich.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Goldhagen-Debatte, Holocaust, Kollektivschuld, Mediensteuerung, Antisemitismus und Erinnerungskultur charakterisiert.
Der Autor bewertet die Rolle von Volker Ullrich kritisch, da dieser die Debatte als Initiator und „Meinungsmacher“ bei der ZEIT aktiv befeuerte und trotz des erkennbar geringen wissenschaftlichen Wertes des Buches eine mediale Kampagne steuerte.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Debatte kaum einen nennenswerten positiven Effekt auf die Erinnerungskultur hatte, da sie eher von einer „Selbstbezichtigungsrhetorik“ und der Fixierung auf Kollektivschuld geprägt war, als von einer ernsthaften historischen Aufarbeitung.
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