Bachelorarbeit, 2016
53 Seiten, Note: 1.0
1. Aktualität und Aufbau der Arbeit
2. Methodischer Teil der Arbeit
2.1. Der Bildbegriff
2.2. Der Iconic Turn in den Sozialwissenschaften
2.3. Definition und Bedeutung von Fotografie
2.4. Die ästhesiologische Bildhermeneutik
2.5. Forschungsfragen
3. Ikonen des Krieges
3.1. Medienikonen - eine Begriffsdefinition
3.2. Merkmale von Fotoikonen
3.3. Akteure der Ikonisierung
4. Kriegs- und Krisenfotografie
4.1. Imaginierte Kriege des 19. Jahrhunderts
4.2. Rolle der Bilder in den Weltkriegen
4.3. Das Ende des schmutzigen Krieges in Vietnam
4.4. Golfkrieg per Knopfdruck - Beginn der elektronischen Kriegsführung
4.5. Die visuelle Kriegserklärung 9/11 und ihre Folgen
4.6. Offene oder versteckte Gewalt
5. Stille Gewalt im Bild - die Ikonisierung einer Fotografie
5.1. Historischer Hintergrund der Fotografie: Die Flüchtlingskrise Europas
5.2. Entstehung der Fotografie
5.3. Analyse der ikonischen Fotografie: Leiche eines Kindes am Strand
5.4. Publikations- und Rezeptionsgeschichte des Bildes
5.5. Die Fotoikone Aylan
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Macht und Dynamik ikonischer Kriegs- und Krisenfotografie am Beispiel des Bildes des ertrunkenen syrischen Flüchtlingskindes Aylan. Ziel ist es, durch eine qualitative Bildanalyse unter Anwendung der ästhesiologischen Bildhermeneutik zu ergründen, warum bestimmte Fotografien eine solch starke symbolische Wirkung entfalten und als Ikonen in das kollektive Gedächtnis eingehen.
3.1. Medienikonen - eine Begriffsdefinition
Das aus dem Griechischen stammende Wort εἰκὼν (eikōn), ikóna - übersetzt als Ikone, wird als Bildnis, Abbild oder Gleichnis eines Gegenstandes, Gemäldes, aber auch als Gedankenbild und Vergleich verstanden. Traditionell wurden mit dem Begriff der Ikone Tafelbilder aus Holz bezeichnet, auf denen heilige Personen der orthodoxen Ostkirche oder biblische Szene gemalt sind. Zwar ist der Ikonenbegriff in der modernen Mediengesellschaft aus der engen Verbindung mit Kult- und Heiligenbildern herausgelöst worden, die besondere Würdigung wohnt ihm jedoch weiterhin inne und verweist auf seine besondere Relevanz gegenüber anderen Bildern.
Frühere religiöse Ikonen zeigten meist eine Darstellung der Präsenz Gottes und tragen dabei zwei unterschiedliche Eigenschaften mit sich. Sie sind als imago eine authentische Abbildung von Heiligenfiguren und dabei eng verknüpft mit der dazugehörigen Bildgeschichte aus der heiligen Schrift, der historia. Auch den modernen Medienikonen wohnen diese beiden Eigenschaften inne, wobei das imago als das erlebte Ereignis oder die betroffene Person wahrgenommen werden kann, während die historia des einzelnen Bildes durch die Medien geliefert wird. Die historia der heutigen Ikonen beruht nicht auf einem gemeinsam geteilten Fundament des christlichen Glaubens, sondern entsteht durch den laufenden Mediendiskurs und kann damit veränderbar und manipulierbar sein. Die Medien liefern in der historia nicht nur eine ausführliche Erklärung des Ereignisses, sondern auch ihre ideologische Interpretation (vgl. Fahlenbrach 2010, S.60).
Im Gegensatz zu den früheren byzantinischen Ikonen erlangen die modernen Fotografien aber als authentische und „echte“ Bilder ihre ikonische und heilige Bedeutung. Oft wird dabei aber übersehen, das Fotos auch gestaltet sind, was Susan Sontag wie treffend beschreibt:
Während ein Gemälde oder eine Prosaschilderung nie etwas anderes sein kann als eine engbegrenzte Interpretation, kann man eine Fotografie als engbegrenztes Spiegelbild begreifen. Aber trotz der mutmaßlichen Aufrichtigkeit, die allen Fotos Autorität, Bedeutung und Reiz verleiht, bildet die Arbeit des Fotografen ihrem Wesen nach keine Ausnahme in dem meist etwas anrüchigen Gewerbes, das zwischen Kunst und Wahrheit angesiedelt ist. Selbst wenn die Fotografen es als ihre Hauptaufgabe betrachten, die Realität widerzuspiegeln, bleiben sie dennoch stummen Befehlen des Geschmacks und des Gewissens ausgesetzt. [...] Auch wenn es in gewisser Hinsicht zutrifft, dass die Kamera die Realität einfängt und nicht nur interpretiert, sind Fotos doch genauso eine Interpretation der Welt wie Gemälde und Zeichnungen. (Sontag 2002, S .12)
1. Aktualität und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Relevanz von Bildern in Krisen- und Kriegsgebieten und Darlegung des Forschungsaufbaus der Arbeit.
2. Methodischer Teil der Arbeit: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Bildbegriff, dem iconic turn und Einführung in die Methode der ästhesiologischen Bildhermeneutik.
3. Ikonen des Krieges: Begriffsdefinition von Medienikonen, Analyse der Merkmale von Fotoikonen und der Akteure hinter dem Prozess der Ikonisierung.
4. Kriegs- und Krisenfotografie: Historischer Überblick über die Entwicklung der Kriegsberichterstattung vom 19. Jahrhundert bis zur elektronischen Kriegsführung.
5. Stille Gewalt im Bild - die Ikonisierung einer Fotografie: Empirische Analyse der Fotografie des Kindes Aylan anhand des historischen Kontexts, der Entstehung und der Rezeptionsgeschichte.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Macht von Bildern und Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung in der Bildanalyse.
Kriegsfotografie, Krisenfotografie, Medienikonen, Iconic Turn, Bildhermeneutik, Aylan, Flüchtlingskrise, Bildanalyse, mediale Inszenierung, kollektives Gedächtnis, Fotoikone, Visuelle Kultur, Symbolik, Kriegsberichterstattung, Bildmacht.
Die Arbeit untersucht, wie Fotografien aus Kriegs- und Krisengebieten zu Ikonen werden, die sich tief in das kollektive Gedächtnis einbrennen und welche Mechanismen dabei wirken.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kriegsfotografie, der medienethischen Bedeutung von Bildern und der Analyse der ikonischen Wirkung am Beispiel der Flüchtlingskrise.
Die Hauptforschungsfrage zielt darauf ab, welche Bedeutungen der ikonischen Fotografie des Flüchtlingskindes Aylan inhärent sind und warum dieses spezifische Bild eine so starke Wirkung entfaltete.
Die Autorin verwendet die Methode der ästhesiologischen Bildhermeneutik, um die bildnerischen Mittel und den tieferen Sinn von Fotografien systematisch zu deuten.
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung durch Begriffe wie "iconic turn" sowie der historischen Entwicklung der Kriegsberichterstattung vom 19. Jahrhundert bis zur elektronischen Kriegsführung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Ikonisierung", "Medienikonen", "Bildhermeneutik", "Kriegsfotografie" und "kollektives Gedächtnis".
Das Bild des syrischen Jungen Aylan wird als Beispiel für eine "stille" Fotoikone gewählt, die trotz fehlender expliziter Gewaltdarstellung eine außergewöhnlich starke emotionale und symbolische Wirkung erzielte.
Die Medien fungieren als die primären Akteure der Ikonisierung, indem sie bestimmte Motive durch wiederholte Publikation und Kontextualisierung in den Rang von "Ikonen" erheben.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

