Magisterarbeit, 2000
77 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Lesen, singen und hören
III. Grundlagen
III.1. Versteckte Poetik
III.2. Walthers Minnesangkonzept
IV. Das Singen, der Sänger und das Publikum
IV.1. Exposition der Begriffe
IV.2. „singen unde sagen“: das Singen
IV.2.1. „Lange swîgen des hât ich gedâht“ (L 72,31)
IV.2.1.1. Überlieferung und Form
IV.2.1.2. Inhalt
IV.2.1.3. Ebenen des Singens
IV.2.2. Weitere Textzeugen
IV.3. „werben umbe werdekeit“: der Sänger
IV.3.1. „Ir reiniu wîp, ir werden man“ (L66,21)
IV.3.1.1. Überlieferung, Form und Inhalt
IV.3.1.2. Das Selbstbewußtsein des Sängers
IV.3.2. Weitere Textzeugen
IV.4. „sô sprechet denne jâ“: das Publikum
IV.4.1. „Saget mir ieman, waz ist minne“ (L 69,1)
IV.4.1.1. Überlieferung, Form und Inhalt
IV.4.1.2. Textintenes und textexternes Publikum
IV.4.2. Weitere Textzeugen
V. Interaktionen zwischen Sänger und Publikum
V.1. „Owê, hovelîchez singen“ (L 61,34)
V.1.1. Überlieferung, Form und Inhalt
V.1.3. Sender und Adressaten
VI. Resumee
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert poetologische Aspekte in der Liedlyrik Walthers von der Vogelweide. Das primäre Ziel ist die Untersuchung der drei grundlegenden Elemente der Aufführung von Minnesang – das Singen, der Sänger und das Publikum –, um aufzuzeigen, wie diese in den Liedern reflektiert werden und welche Bedeutung sie für die Gesamtaussage und die Interaktionsweisen am Hofe haben.
IV.1. Exposition der Begriffe
Joachim Knape stellt fest, daß Wather von der Vogelweide -
...bei den 270 ‘echten’ Minnesang-Strophen des Maurer-Korpus [...] mit der Verwendung eines Strophen-Ichs in 95,2% aller Strophen nur wenig über dem Prozentsatz im 935strophigen Gesamtkorpus von ‘Minnesangs Frühling’ [...] mit 91,5% [liegt].22
Jedoch in 10,1% der Minnesang-Strophen Walthers von der Vogelweide bezieht sich das ‘Ich’ auf ‘sang’, ‘rât’, ‘mære’ oder ’lêren’23, Schlüsselbegriffe, die auf poetologische Aspekte eines Textes aufmerksam machen. Auch andere Sänger, Heinrich von Morungen etwa oder Hartman von Aue und Reinmar versehen ihre Lieder mit poetologischen Exkursen.24 Knape zählt allerdings nur 8% der Strophen-Ichs in ‘Minnesangs Frühling’ zu solchen, die eigenen ‘sang’ oder ‘rat’ thematisieren. Durch die Unterscheidung der Ich-Aussagen nach minnethematisch gebundenen und poetologisch bedeutsamen Ichs wird erkennbar, daß Walther von der Vogelweide ein überdurchschnittlich großes Interesse gehabt haben muß, seine eigene Persönlichkeit in die Lieder einzubringen.25
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, das Ziel der Arbeit zu untersuchen, wie Walther von der Vogelweide poetologische Aspekte in seiner Minnelyrik thematisiert und welche Rolle die Elemente des Minnesangs einnehmen.
II. Lesen, singen und hören: Dieses Kapitel kontrastiert die moderne Lektüre von Literatur mit der mittelalterlichen Vortragssituation, in der Dichtung durch den Vortrag eines Sängers vor einem Publikum unmittelbar an die Person des Sängers gebunden war.
III. Grundlagen: Es wird die historische Situation der Poetik im Mittelalter dargelegt, insbesondere das Fehlen einer volkssprachlichen Poetik, was als Auslöser für Walthers Bedürfnis zur Selbstreflexion in seinem Werk gedeutet wird.
IV. Das Singen, der Sänger und das Publikum: Der Hauptteil der Arbeit analysiert anhand ausgewählter Lieder, wie Walther die drei zentralen Instanzen des Minnesangs reflektiert und in ein Verhältnis zu seiner eigenen Rolle als Sänger setzt.
V. Interaktionen zwischen Sänger und Publikum: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Interaktion zwischen Sender und Adressaten im Lied, wobei die wechselseitigen Bezüge zwischen der fiktiven Ebene des Textes und der realen Vortragssituation untersucht werden.
VI. Resumee: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass Walthers Lieder als wertvolle Quelle für die Aufführungspraxis des Minnesangs fungieren, da sie die Rolle des Sängers als moralische und wertestiftende Instanz betonen.
Walther von der Vogelweide, Minnesang, Poetik, Poetologische Lyrik, Sänger, Publikum, Aufführungspraxis, Minne, Liedlyrik, Ich-Aussagen, Selbstbewusstsein, Mittelalter, Hohe Minne.
Die Arbeit untersucht, wie Walther von der Vogelweide die poetologischen Grundlagen seines eigenen Schaffens innerhalb seiner Minnelyrik reflektiert und thematisiert.
Zentrale Themen sind das Singen als Handwerk und Machtinstrument, die Rolle des Sängers in der höfischen Gesellschaft sowie das Verhältnis zum Publikum.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Walthers Minnesang nicht nur die konventionelle Minneklage bedient, sondern durch ein hohes Maß an Selbstreflexion die Aufführungssituation und das Selbstverständnis des Sängerstandes kritisch hinterfragt.
Die Arbeit verfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Walthers Liedern, wobei die Ich-Aussagen der Texte in Beziehung zur mittelalterlichen Aufführungspraxis und den theoretischen Grundlagen der Zeit gesetzt werden.
Der Hauptteil analysiert die drei Eckpfeiler der Aufführung – das Singen, den Sänger und das Publikum – sowie deren Interaktionsweisen innerhalb und außerhalb der Liedtexte.
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie poetologische Lyrik, Minnesang-Aufführung, Selbstbewusstsein des Sängers, Interaktion zwischen Sänger und Publikum sowie das Hohe Mittelalter geprägt.
Das Lied dient als exemplarisches Fallbeispiel, um die Macht des Sängers und die Verknüpfung der textinternen Ebene mit der realen Vortragssituation gegenüber dem höfischen Publikum aufzuzeigen.
Der Autor versteht das „bilde“ primär als Metapher für den Minnesang selbst, der als idealtypisches Konzept zwar von Walther entworfen wurde, in seiner starren Form jedoch als überholt betrachtet wird.
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