Examensarbeit, 2016
86 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Forschungsstand
1.3. Das Zeitzeugeninterview – eine historische Quelle
2. Die Militärpolitik der SED
2.1. Die Mobilisation der DDR-Bevölkerung
2.2. Die Einführung der Wehrpflicht (in allen Bereichen des Lebens)
3. Auf dem Weg zur Schaffung einer Alternative
3.1. Die Rolle der Kirche und Blockparteien
3.2. Die Entstehung des Bausoldatendienstes
4. Der Dienst mit dem Spaten - Bausoldaten vs. NVA
4.1. Personenkreis und Verweigerungsmotive
4.2. Das ungeliebte Gelöbnis
4.3. Arbeitsfelder und -bedingungen
4.3.1. Zentralisierung und militärische Vereinnahmung: 1964–1975
4.3.2. Dezentralisierung und Entspannung: 1975–1982
4.3.3. Rezentralisierung und Einsatz in der Volkswirtschaft: 1982–1989
4.4. Freizeitgestaltung
4.5. Stellung innerhalb der NVA und Behandlung durch Vorgesetzte
4.6. Protest und Widerstand
4.7. Bespitzelung durch das MfS
5. Bausoldaten nach ihrem Dienst
5.1. Gesellschaftliche Stellung und bildungspolitische Diskriminierung
5.2. Die Bausoldatenbewegung als „Keimzelle der friedlichen Revolution“?
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte, das Wesen und die Bedeutung des waffenlosen Militärdienstes (Bausoldaten) in der DDR sowie die damit verbundene gesellschaftliche und politische Stellung der Betroffenen im Kontext des SED-Regimes.
1.1. Fragestellung
Die Interessen der DDR mit der Waffe zu verteidigen sei die „höchste Ehre und patriotische Pflicht jedes Staatsbürgers“, so urteilte einst der Minister für Nationale Verteidigung Heinz Hoffmann, als die SED Anfang 1962 die allgemeine Wehrpflicht in der DDR einführte. Diese Regelung trat ohne jede Rücksicht auf diejenigen in Kraft, die aus religiösen, ethischen oder moralischen Gründen den Wehrdienst ablehnten, denn eine Alternative zum Militärdienst wurde nicht geschaffen. Dass besonders christliche Wehrpflichtige sich nicht mit dem Ausspruch Hoffmanns identifizieren konnten, führte zu einer intensiven Beschäftigung kirchlicher Vertreter mit der Verweigerungsthematik. Doch auch in nichtchristlichen Kreisen traf die Anordnung, keine 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, auf wenig Begeisterung. Da die NVA bereits mit der ersten Einberufungswelle auf unerwartet viele Wehrdienstverweigerer stieß, musste sich bald mit alternativen Lösungsstrategien für das Problem beschäftigt werden.
Zweieinhalb Jahre nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wurde daher, gemäß der Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, die „Aufstellung von Baueinheiten“ festgelegt. Damit hatte die DDR zwar keinen zivilen Ersatzdienst geschaffen, wie er in der Bundesrepublik bereits 1961 gesetzlich festgeschrieben wurde, aber dennoch eine praktikable Lösung gefunden, um einerseits einen Konflikt mit der Kirche aus dem Weg zu gehen und andererseits die „Wehrdienstverweigerer [...], wenn auch ohne Waffe, als Wehrpflichtige voll und ganz in den Dienst und Auftrag einer Armee einzubinden. Der waffenlose Militärdienst ist eine Erfindung des SED-Regimes, die heute noch in der Schweiz seine Anwendung findet.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Wehrpflicht in der DDR ein und stellt die Forschungsziele sowie die verwendete Methodik der Zeitzeugeninterviews vor.
2. Die Militärpolitik der SED: Das Kapitel erläutert die ideologischen Grundlagen der Wehrpolitik und den schrittweisen Prozess der Remilitarisierung der DDR-Gesellschaft.
3. Auf dem Weg zur Schaffung einer Alternative: Hier wird der Druck der Kirche und die daraus resultierende Notwendigkeit der DDR-Führung beleuchtet, eine Lösung für die steigende Zahl von Wehrdienstverweigerern zu finden.
4. Der Dienst mit dem Spaten - Bausoldaten vs. NVA: Dieser Abschnitt analysiert detailliert den Alltag, die Arbeitsbedingungen, die Verweigerungsmotive und die Repressionsmechanismen gegen Bausoldaten.
5. Bausoldaten nach ihrem Dienst: Das Kapitel thematisiert die langfristigen gesellschaftlichen Folgen und Diskriminierungen der ehemaligen Bausoldaten und ihre Rolle als Teil einer friedlichen Opposition.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der Bausoldaten als Ausdruck individueller Mündigkeit in einem repressiven System.
Bausoldaten, NVA, DDR, Wehrpflicht, Militärdienst, Verweigerung, Friedensbewegung, SED-Regime, MfS, Diskriminierung, Ziviler Ersatzdienst, Widerstand, Zeitzeugen, Totalverweigerer, Militärpolitik
Die Arbeit behandelt die Geschichte, die Bedingungen und die gesellschaftliche Bedeutung des waffenlosen Militärdienstes, der sogenannten „Bausoldaten“, in der DDR zwischen 1964 und 1989.
Zentrale Themen sind die Einführung der Wehrpflicht, die Motive für die Verweigerung, der Alltag in den Baueinheiten, die Überwachung durch das MfS sowie die Rolle der Betroffenen als gesellschaftliche Opposition.
Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte und das Wesen des Bausoldatendienstes darzulegen und aufzuzeigen, wie das SED-Regime versuchte, waffenlose Wehrpflichtige in sein System zu integrieren und gleichzeitig zu kontrollieren.
Neben der Auswertung von Primärquellen und historischer Literatur stützt sich die Arbeit maßgeblich auf die Methode der Oral History, basierend auf selbst geführten Zeitzeugeninterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Motive, die Darstellung des militärischen Alltags und der Arbeitsbedingungen, die Freizeitgestaltung, die Konfrontationen mit Vorgesetzten sowie die staatliche Repression und Überwachung.
Wichtige Begriffe sind Bausoldaten, NVA, DDR, Wehrpflicht, Friedensbewegung, SED-Regime, MfS und soziale Diskriminierung.
Die SED sah in der allgemeinen Wehrpflicht und der Einbindung aller Bürger in die Verteidigung des Staates eine ideologische Notwendigkeit, um den Sozialismus gegen äußere Feinde zu sichern; ein ziviler Ersatzdienst passte nicht in dieses militarisierte Gesellschaftsbild.
Die Kirche fungierte oft als Schutzraum für die Verweigerer, förderte den Austausch zwischen den Bausoldaten und bot ein Forum für politische Diskussionen, was die Bausoldatenbewegung in ihrem oppositionellen Wirken stärkte.
Das MfS stufte die Bausoldaten als „feindlich-negative Kräfte“ ein, überwachte sie durch ein dichtes Netz an Informanten (IM) und versuchte, die Entstehung oppositioneller Strukturen durch Zersetzungsmaßnahmen und Isolierung zu verhindern.
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