Bachelorarbeit, 2016
39 Seiten, Note: 1,3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Die Romane und ihre historischen Vorlagen
2.1 Kaltblütig und die Clutter-Morde
2.2 Tannöd und der Mordfall Hinterkaifeck
3. Darstellung des Bösen in Kaltblütig und Tannöd
3.1 Zum Zusammenhang zwischen Idylle und Kleinstadt
3.2 Agrarkultur als Idealvorstellung
3.3 Die Darstellung der Opfer
3.3.1 Die Bauernhöfe
3.3.2 Die Familienkonstellation
3.4 Das Böse und seine Darstellung
3.4.1 Was ist das Böse?
3.4.2 Entmenschlichung
3.4.2.1 Christen und Teufel
3.4.2.2 Gesunde un Kranke
3.4.3 “keiner aus unserer Mitte”
3.4.4 It might happen again.”
4. Psychologische Ansätze
4.1 Freuds Massenpsychologie
4.2 Terror-Management-Theorie (TMT)
4.2.1 Einführung
4.2.2 Lösungsstrategien in der TMT
4.2.3 TMT und Religion
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Darstellung des „Bösen“ und dessen Auswirkungen auf die betroffenen Dorfgemeinschaften in Truman Capotes „Kaltblütig“ und Andrea Maria Schenkels „Tannöd“. Ziel ist es, Parallelen in der Verarbeitung dieser Morde zu identifizieren und die improvisierten Erklärungsansätze der Bewohner mithilfe psychologischer Theorien soziologisch einzuordnen.
3.1 - Zum Zusammenhang zwischen Idylle und Kleinstadt
Bevor untersucht werden kann, welche Auswirkungen gewalttätige Zwischenfälle auf einen Mikrokosmos haben, muss eben dieser Mikrokosmos definiert, zumindest jedoch beschrieben werden. Was sind die relevanten Faktoren, die eine Kleinstadt oder ein Dorf vom Leben in größeren Gemeinschaften unterscheiden und welche Implikationen wohnen dem Konzept ‚Kleinstadt’, im literarischen wie auch im soziologischen Sinn, inne?
Die Kleinstadt impliziert, wenn wir die idyllische Perspektive verengen, das Wohnzimmer. […] Strukturell gesehen erweisen sich Kleinstadt und Wohnzimmer als ‚Muster’ […] fürs Heimischsein oder Heimischwerden als Verwirklichung oder Perversion des Wunsches nach Geborgenheit.
Nach dieser Beschreibung ist der wesentliche Unterschied zwischen Kleinstadt und Großstadt das Gefühl der Heimlichkeit, Vertrautheit, und letztlich - und entscheidender - der Sicherheit. Wo das Leben außerhalb des eigenen Wohnzimmers die Erweiterung desselben ist, gelten dieselben Bedingungen und Definitionen für die Kleinstadtbewohner wie für die eigene Familie, die in eben jenem Wohnzimmer heimisch ist. Die optionale Perversion, die Glaser hier anspricht, spielt in diese Untersuchung jedoch eine ebenso große Rolle. Zwar darf vermutet werden, dass Glaser auf Ereignisse anspielt, die die Pervertierung des Geborgenseins von innen heraus, also aus der eigenen Familienbeziehung heraus verursachen, aber wenn die Kleinstadt dasselbe Konzept im größeren Rahmen ist, kann diese ‚öffentliche Geborgenheit’ in der Gemeinschaft auf dieselbe Weise pervertiert werden.
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas, der zwei primären Romane und der Analyseaspekte hinsichtlich der Auswirkungen von Morden in Kleinstädten.
2. Die Romane und ihre historischen Vorlagen: Kurze Einführung in die Romane und die zugrunde liegenden historischen Mordfälle, wobei „Kaltblütig“ als Fiktion und „Tannöd“ als Roman behandelt werden.
3. Darstellung des Bösen in Kaltblütig und Tannöd: Analyse der literarischen Verarbeitung, des Kleinstadtkonzepts sowie der sozialen Rolle der Opfer und der Entmenschlichungsstrategien gegenüber den Tätern.
4. Psychologische Ansätze: Anwendung von Freuds Massenpsychologie und der Terror-Management-Theorie, um das Verhalten der Dorfbewohner nach den Morden psychologisch zu erklären.
5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse, Widerlegung der Arbeitsthese zu starken Parallelen und Diskussion der methodischen Probleme durch die Retrospektive.
Kaltblütig, Tannöd, Das Böse, Kleinstadt, Dorfgemeinschaft, Kriminalroman, Massenpsychologie, Terror-Management-Theorie, Religiosität, Mord, Hinterkaifeck, Holcomb, Entmenschlichung, Soziologie, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Morden in sehr kleinen Städten und untersucht, wie die dortigen Dorfgemeinschaften auf das „Böse“ reagieren.
Im Mittelpunkt stehen die literarische Darstellung des Verbrechens, die soziologische Beschaffenheit der betroffenen Orte sowie psychologische Erklärungsmodelle für das Verhalten der Bewohner.
Das Ziel ist es, Parallelen in der Wirkungsweise und Darstellung der Mordfälle in den Romanen „Kaltblütig“ von Truman Capote und „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel aufzuzeigen.
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Textanalyse mit soziologischen und psychologischen Konzepten, insbesondere Freuds Massenpsychologie und der Terror-Management-Theorie.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Agrar-Idealen, die Darstellung der Opfer, Entmenschlichungsmechanismen gegenüber den Tätern und die Anwendung psychologischer Theorien auf die Reaktion der Gemeinschaft.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Kleinstadt-Idylle, Entmenschlichung, Massenpsychologie, Terror-Management-Theorie, Religion, Mordfälle und die Gegenüberstellung von Tatsachenbericht und Fiktion aus.
Da beide Schauplätze stark religiös geprägt sind, dienen christliche Vorstellungen den Bewohnern oft als moralischer Kompass, um das Unfassbare zu erklären und das „Böse“ als „Nicht-Christliches“ oder „Teuflisches“ auszugrenzen.
Während in „Tannöd“ die Täter religiös durch „Verteufelung“ entmenschlicht werden, greift man in „Kaltblütig“ eher zu pathologischen Erklärungsansätzen wie Geisteskrankheit.
Ein Paradoxon besteht darin, dass Bewohner in Holcomb trotz ihrer hohen Integration misstrauisch gegenüber der eigenen Gemeinschaft werden, während man sich in „Tannöd“ trotz vorliegender Gründe für ein Tatmotiv eher gegen die Idee sträubt, dass der Täter aus dem eigenen Dorf stammt.
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