Magisterarbeit, 2004
79 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Ökonomisierung des Fernsehsektors
2.1. Aufmerksamkeit als Wirtschaftsfaktor
2.2. Involvement
2.3. Bedürfnisorientierung
3. Wertewandel und Konsum
3.1. Ursachen des Wertewandels
3.2. Entstehung der Konsumgesellschaft
3.2.1. Konsumbegriff
3.2.2. Merkmale der Konsumgesellschaft
3.3. Erlebniskonsum
3.3.1. Erlebnisrationalität der Konsumenten
3.3.2. Hedonismus
3.4. Lebensstile
3.4.1. Lebensstile und ästhetische Schemata
3.4.2. Vertikaler Konsum
3.4.3. Horizontaler Konsum
3.5. Implikationen für die Werbung
3.6. Implikationen für die Programmgestaltung
4. Konsumwerte in den Lifestyle-Formaten
4.1. Konsumästhetik
4.1.1. Konsumwerte in EINSATZ IN 4 WÄNDEN
4.1.2. Konsumwerte in S.O.S. STYLE & HOME
4.2. Lifestyle-Formate als Erlebniswelten
4.3. Aktivierung ästhetischer Schemata
4.4. Lifestyle-Formate als Form des Erlebnismarketing
4.5. Lifestyle-Formate aus konsumkritischer Perspektive
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Verquickung von ökonomischen Anforderungen privatkommerzieller Fernsehsender und der Thematisierung gesellschaftlicher Konsumwerte als Aufmerksamkeitsstrategie. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lifestyle-Formate durch die Inszenierung aktueller Wertetrends wie Erlebnisorientierung und Hedonismus die Aufmerksamkeit der Zuschauer binden und als Werbeplattformen fungieren.
3.3.2. Hedonismus
Einen wichtigen Teilaspekt der innenorientierten Erlebnismentalität stellt der zunehmende Hedonismus dar. Der Begriff des Hedonismus ist auf die Lehre der griechischen Philosophie zurückzuführen, die das Genussstreben als zentrales Motiv des individuellen Verhaltens bezeichnet (vgl. Sober 1992, 97). Im Rahmen der Wohlstandsgesellschaft verschieben sich die Wertprioritäten, indem sinnliche Konsumerlebnisse bedeutsamer werden als notwendige Konsumgüter. Wie Opaschowski (1998, 37) hervorhebt, lebt der Verbraucher von morgen in einem Spannungsfeld zwischen „Lebensnotwendigkeit und Illusionierung des Lebens“. Diese Illusionierung wird dann bedeutsam, wenn der Mensch aus der Bedürfnisbefriedigung an sich keinen Genuss mehr erzielen kann. Campbell unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen dem traditionellen und dem imaginativen Hedonismus.
Im Rahmen des traditionellen Hedonismus ist der Mensch bestrebt, sich andere Genussquellen zu suchen und auszuschöpfen.
„The initial response of the traditional hedonist, when faced with the loss of natrually occurring pleasure as a consequence of guaranteed satisfaction, is to attempt to re-create artificially the cycle of need-satisfaction experience” (Campbell 1990, 65).
Um sich immer wieder einem neuen Genuss auszusetzen, kreieren sich die Menschen einen künstlichen Mangelzustand. Gerade durch Variation und Verfeinerung der Stimuli wird versucht, das Erregungspotential des Reizes zu steigern. Allerdings stößt die sinnliche Stimulation, die sich aus der Manipulation von materiellen Gegenständen und Reizen ergibt, an einige Grenzen. Die Wahrnehmung der variierten und manipulierten Stimulationen wird durch die geringe Anzahl der menschlichen Sinne beschränkt. Die audiovisuellen Sinne lassen sich zwar gegenüber den taktilen und geschmacklichen Sinnen stärker variieren, allerdings ermöglichen sie keine so intensive physische Stimulation (ebd., 66, 67). Zudem handelt es sich hinsichtlich der sensorischen Reize um externe Stimuli, die sich der totalen Kontrolle des Hedonisten entziehen. Die maximale Genusserfahrung ist allerdings nur dann gegeben, wenn der Hedonist den Stimulus selbst bewirken und steuern kann.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Konsumorientierung im Fernsehen und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Verknüpfung von ökonomischen Zwängen und Programminhalten.
2. Ökonomisierung des Fernsehsektors: Analyse des Wandels zu einem Käufermarkt und der daraus resultierenden Notwendigkeit, Aufmerksamkeit durch programmliche Strategien und Bedürfnisorientierung zu generieren.
3. Wertewandel und Konsum: Untersuchung soziologischer und psychologischer Aspekte des Wandels, insbesondere der Entstehung der Konsumgesellschaft, des Erlebniskonsums und der Bedeutung von Lebensstilen.
4. Konsumwerte in den Lifestyle-Formaten: Detaillierte Fallanalyse der Sendungen "Einsatz in 4 Wänden" und "S.O.S. Style & Home" als Instrumente des Erlebnismarketings und Träger symbolischer Konsumwerte.
5. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über die Verflechtung von Fernseh-Programmgestaltung und Konsuminteressen der werbetreibenden Wirtschaft.
Konsumorientierung, Fernsehkommunikation, Lifestyle-Formate, Aufmerksamkeitsökonomie, Erlebniskonsum, Hedonismus, Lebensstile, Werbeplattform, Involvement, Konsumwerte, Medienwirtschaft, Ästhetisierung, Konsumästhetik, Erlebnismarketing, Zuschauerbindung.
Die Arbeit analysiert die Strategien privatkommerzieller Fernsehsender, durch Lifestyle-Formate den Konsum von Zuschauern zu stimulieren und Programminhalte als Werbeplattformen zu nutzen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Ökonomisierung des Fernsehens, soziologischen Theorien zum Wertewandel sowie der psychologischen Analyse von Konsumentscheidungen im Kontext moderner Mediennutzung.
Das Ziel ist es, die Verknüpfung von ökonomischen Finanzierungsnotwendigkeiten und der Thematisierung von Konsumwerten anhand von Lifestyle-Sendungen wie "Einsatz in 4 Wänden" zu verdeutlichen.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse soziologischer und medienökonomischer Konzepte sowie eine inhaltsanalytische Betrachtung ausgewählter Lifestyle-Fernsehformate.
Der Hauptteil analysiert theoretische Rahmenbedingungen wie den Erlebniskonsum und Lebensstil-Konzepte und wendet diese auf die konkrete Programmgestaltung der untersuchten Sendungen an.
Zentrale Begriffe sind Aufmerksamkeitsökonomie, Lebensstile, Erlebnismarketing, Hedonismus und Konsumorientierung in der Fernsehkommunikation.
Während der traditionelle Hedonismus auf externe sinnliche Reize angewiesen ist, fokussiert der imaginative Hedonismus auf die mentale Kontrolle und emotionale Erlebnisse durch Vorstellungskraft.
Sie stellen einen gesellschaftlichen Konsens her, indem sie kollektive Orientierungsvorgaben vermitteln und den Zuschauern helfen, sich in einer komplexen "Kultur des Wählens" zurechtzufinden.
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