Wissenschaftlicher Aufsatz, 2005
18 Seiten
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
I
II
III
IV
Die vorliegende Arbeit untersucht das Kapitel „Zirkus Konzentrazani" aus Wolfgang Langhoffs Tatsachenbericht „Die Moorsoldaten" als Modellfall für die Funktion von Humor und Witz unter extremen Haftbedingungen im Konzentrationslager Börgermoor/Papenburg im Jahr 1933. Ziel der Analyse ist es, das strategische Potenzial des Humors als Mittel zur Sicherung von Handlungsspielräumen und zum Erhalt der mentalen Widerstandsfähigkeit gegenüber der faschistischen Lagerüberwachung aufzuzeigen.
Zirkus Konzentrazani
Der Ablauf der Vorstellung des „Zirkus Konzentrazani" fand an einem Sonntagnachmittag im Herbst 1933 statt und war, soweit unter den Extrembedingungen überhaupt einzurichten, auch mit Blick auf die moralisch-politischen Bedenken der politischen Gefangenen gesichert: „Die S.S. hatten wir absichtlich so placiert, daß sie gegen die Sonne schauen mußten, im Fall es einem einfallen sollte, einen Photo mitzubringen und zu knipsen. Außerdem hatten wir auch beschlossen, die Vorstellung sofort abzubrechen, wenn ein Photoapparat auftauchen sollte." - Die Zirkusvorstellung konnte dann auch nach so witziger wie disziplinierter Ankündigung und Organisierung nach Einzug der SS-Leute „mit dem Kommandanten an der Spitze" unter herrlichem Wetter, strahlendblauem Himmel und lachender Sonne beginnen.
Auch unter den Extrembedingungen des KZs wirkten freilich die allgemeinen Handlungsmuster und Rituale der speziellen sozialen Situation ,Zirkus'; auftritt „Direktor Konzentrazani" unter „nicht endenwollende[m] Empfangsapplaus" und „Lachsalven über Lachsalven, noch ehe er den Mund aufgemacht hatte!" - und in der entsprechenden Programmabfolge präsentierten sich politische Gefangene der Nationalsozialisten als „Artisten", in verschiedenen Rollen verfremdet: so als die bauchtanzenden „schönsten Girls der Welt, unsere fünf Moorgirls", als turnende „Arabertruppe", als „Clowns" und spaßmachende „dumme Auguste", als „Keulenschwinger" und witzerzählender „Humorist", als „Ringer" und „Boxer", als wahrsagender „Storch" und „Moorsoldaten" in einer „Pat und Patachon-Ausgabe" - mit dem schließlichen Höhepunkt als Schluß der Vorstellung von „Zirkus Konzentrazani", dem das „Börgermoorlied" zunächst behutsam vortragenden „Gesangschor", der die letzte Strophe des Lieds „Die Moorsoldaten" mit ihrem trotzigen Refrain „plötzlich laut und hart" ausklingen ließ: „Dann ziehn die Moorsoldaten Nicht mehr mit dem Spaten Ins Moor!"
I: Einleitung in die Thematik des Überlebenskampfes im KZ und die Rolle des Humors zur Bewältigung der extremen Bedrohungslage.
II: Beschreibung der Vorbereitungen und Durchführung der makabren Zirkusvorstellung im KZ Börgermoor/Papenburg im Herbst 1933 sowie der Charakterisierung der SS-Wächter.
III: Analyse der witztechnischen Anwendung und der beabsichtigten Wirkung des „Mitlachens" der SS als Mittel zur Ausweitung von Handlungsspielräumen.
IV: Soziologische Einordnung des Humors als bewusst organisiertes Instrument der mentalen Rebellion und des individuellen wie kollektiven Widerstands.
Konzentrationslager, Wolfgang Langhoff, Die Moorsoldaten, Zirkus Konzentrazani, Galgenhumor, Widerstand, Überlebenskampf, Witz-Kommunikation, KZ Börgermoor, mentale Rebellion, Coping-Mechanism, Nationalsozialismus, soziale Kontrolle, Situative Analyse, Antifaschismus.
Die Arbeit analysiert das Kapitel „Zirkus Konzentrazani" aus Wolfgang Langhoffs Tatsachenbericht über seine Zeit im Konzentrationslager Börgermoor und untersucht die Funktion von Humor als Mittel zum Überleben.
Die zentralen Themen sind die Psychologie des Humors in Extremsituationen, kommunikationswissenschaftliche Ansätze des Widerstands und die authentische Dokumentation des Lagerlebens im „dritten Reich".
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politische Gefangene durch gezielte, organisierte Humor-Inszenierungen Handlungsspielräume gegenüber ihren Peinigern gewinnen und ihre Widerstandskraft stärken konnten.
Der Autor nutzt eine modellanalytische Methode, die kommunikations- und verhaltenswissenschaftliche Muster mit soziologischen Theorien über Humor und soziale Kontrolle verknüpft.
Der Hauptteil beschreibt die konkrete Organisation der Zirkusvorstellung, die Analyse einzelner Witze und die psychologische Dynamik zwischen den inhaftierten „Artisten" und den SS-Zuschauern.
Kernbegriffe sind Konzentrationslager, Galgenhumor, mentale Rebellion, Überlebenskampf und situative Widerstandsstrategien.
Es fungierte als emotionaler Höhepunkt und trotziges Bekenntnis, das die Gefangenen in ihrer Identität stärkte, was unmittelbar nach der Vorstellung zu einem Verbot durch die SS führte.
Die SS-Leute wurden teilweise von der Ursprünglichkeit der Inszenierung und dem Witz überrumpelt und zum Lachen gebracht, was den Gefangenen paradoxerweise ermöglichte, ihre Widerstandskraft durch dieses „Mitlachen" zu stabilisieren.
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