Masterarbeit, 2014
99 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Die Natural History Series
2.1. Allgemeine Eckdaten
2.2. Beispiele
2.2.1. The Impossibility of Death in the Mind of Someone living, 1991
2.2.2. Mother and Child (Divided), 1993
2.2.3. The Dream, 2008
3. Das tote, ausgestellte Tier
3.1. Rezeptionsgeschichte
3.2. Hirsts Spezifika
3.2.1. Herstellung
3.2.2. Inszenierung
4. Der Mensch-Tier-Dialog
4.1. Rezeptionsästhetik des toten Tieres
4.2. Einzelne Tiere im Dialog
4.2.1. „Der Hai“
4.2.2. „Die Kuh und das Kalb“
4.2.3. „Das Einhorn“
4.3. Künstlerrolle
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mensch-Tier-Dialog innerhalb von Damien Hirsts „Natural History Series“. Das primäre Ziel ist es, das Wechselspiel zwischen dem in Formalin konservierten toten Tier und dem menschlichen Rezipienten auf Basis der Rezeptionsästhetik zu analysieren und dabei die Rolle des Todes als verbindendes Element zwischen Wissenschaft und Kunst zu beleuchten.
Die Rolle des Präparates in der Kunstgeschichte
Die Geschichte des Tieres in der Kunst begann mit prähistorischen Höhlenmalereien, denen vorchristliche Mythenwesen und mittelalterliche Symbolfiguren folgten. Naturstudien in der Renaissance fokussierten erstmals das Tier als solches. Die neuzeitliche Gattung des Tierbildes fand ihren Anfang in der holländischen und flämischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts, wo das Tier aus der Mythologie gelöst wurde. Die gewandelte künstlerische Auffassung des Tieres um seiner selbst willen ermöglichte eine neue Form der Tiermalerei und führte ab 1830 zu der Art Animalier.
Als „Animaliers“ bezeichneten sich Maler und Bildhauer, die sich darauf spezialisierten, Tiere so realistisch wie möglich darzustellen. Durch diesen bürgerlichen Realismus entwickelte sich ein neues Selbstwertgefühl der Tierdarstellung, welches dazu führte, dass die Tiermalerei seit Ende des 19. Jahrhunderts als eigenständiges Fach an jeder Kunsthochschule gelehrt wurde. Grundlage dieser Tiermalerei ist das Zeichnen der Anatomie des Tieres. Bis zum 20. Jahrhundert existierten im Zusammenhang mit Tieren und Kunst überwiegend Zeichnungen und Gemälde, aber auch Skulpturen. Die zeitgenössische Kunst seit 1960 forderte jedoch eine anschaulichere Form von Leben und nutzte organisches Material wie menschliche Körper, Tiere und Pflanzen.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema vor und grenzt die Arbeit auf den Mensch-Tier-Dialog in der Natural History Series ein, wobei die Rezeptionsästhetik als methodischer Rahmen definiert wird.
2. Die Natural History Series: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Serie und analysiert beispielhaft drei zentrale Werke: The Impossibility of Death in the Mind of Someone living, Mother and Child (Divided) und The Dream.
3. Das tote, ausgestellte Tier: Hier wird die Rezeptionsgeschichte des toten Tieres in der Kunst nachgezeichnet und Hirsts spezifisches Vorgehen bei der Herstellung und Inszenierung seiner Arbeiten kritisch untersucht.
4. Der Mensch-Tier-Dialog: Dieses Kapitel bildet den analytischen Kern, indem es das Wechselspiel zwischen dem Betrachter und den konservierten Tieren sowie die Rolle des Künstlers in diesem Prozess beleuchtet.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und bestätigt, dass Damien Hirst durch die bewusste Inszenierung des Todes einen intensiven, ambivalenten Dialog zwischen Rezipient und Werk ermöglicht.
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Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Analyse von Damien Hirsts Werken aus der "Natural History Series" unter rezeptionsästhetischen Aspekten.
Im Zentrum stehen der Dialog zwischen Mensch und Tier, die historische Einbettung des toten Tieres in der Kunst sowie die methodische Inszenierung dieser Werke durch den Künstler.
Das Ziel ist die Untersuchung der spezifischen Qualität des Mensch-Tier-Dialogs, der durch Hirsts konservierte Tiere in einem dezidiert künstlerischen Kontext entsteht.
Die Arbeit nutzt die rezeptionsästhetische Methode nach Wolfgang Kemp, um die Interaktion zwischen Kunstwerk und Betrachter systematisch zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Serie, eine Analyse der historischen Tradition von Tierpräparaten in der Kunst und eine detaillierte Untersuchung der drei Beispielwerke sowie der Rolle des Künstlers.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mensch-Tier-Dialog, Rezeptionsästhetik, Formalin, Tod und Vanitas geprägt.
Der Tod fungiert bei Hirst als zentrales Verbindungselement, das den Betrachter zur Reflexion über das eigene Leben und die eigene Sterblichkeit zwingt.
Während naturwissenschaftliche Museen den Tod leugnen oder das Tier als reines Lehrmaterial zeigen, setzt Hirst durch den Kunstkontext (White Cube, Titel, Monumentalität) den Tod als bewusstes künstlerisches Ausdrucksmittel ein.
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