Magisterarbeit, 2004
106 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Grundsätzliches zu den Auftritten der Autorin-Figuren in Jelineks Stücken
1.1. Quantität der Auftritte
2. Ein Sportstück, Das Werk, Regieanweisungen – Wie sich Jelinek im Theater selbst inszeniert
2.1. Ein Sportstück – Elfi Elektra/Die Autorin
2.1.1 Ein Mischwesen
2.1.1.1. Die Problematik autobiografischer Bezüge
2.1.1.2. „Künstliche Natürlichkeit“ – Die moderne Sage
2.1.1.3. Jelineks Gebrauch antiker Vorbilder
2.1.2. Antiker Krieg und Moderner Sport
2.1.3. Hektor und Achill – Angriffe auf die Autorin
2.1.3.1. Vorwurf der Aggressivität
2.1.3.2. Akzeptanz im eigenen Land
2.1.4. Elfi Elektra als Voyeurin in der Welt des Sports
2.1.4.1. Selbstkonzeption im ersten Monolog
2.1.4.2. Gleichmacher Sport
2.1.4.3. Elfi Elektra als Opfer
2.1.4.4. „Eine Göttin die nicht und nicht gebären kann“
2.1.5 Sport-Welt: lebendige und Tote
2.1.5.1. Die Welt der lebenden – eine geschlossene Gesellschaft
2.1.5.2. Zuschauer als Lebende – Sportler als Tote
2.1.5.3. Widerstand innerhalb der Masse
2.1.5.3.1. Die gegnerische Masse
2.1.6. Elfi Elektra auf der Suche
2.1.7. Der zweite Elektra-Monolog: Kampf dem „unseligen Geschlecht“
2.1.7.1. Der abgeschobene Vater
2.1.7.2. Jelineks Sicht des Matriarchats
2.1.7.3. Zuschreibung von geschlechtlicher Identität
2.1.7.4. Fiktionalität der Geschlechter
2.1.7.5. Elfi Elektra als Mörderin
2.1.7.6. Das Nicht-Opfer
2.1.7.7. Sex und Tod
2.1.7.8. Abschluss des zweiten Elektra Monologs
2.1.8. Der Auftritt der „Autorin“
2.1.8.1. Sprache und Stil
2.1.8.2. Ein Schlusswort
2.2. Das Werk – Die Rolle der Autorin
2.2.1. Die Autorin schaltet sich ein
2.2.2. Struktur des Monologs
2.2.2.1. Prinzip der Verdichtung und Verflechtung
2.2.2.2. Ein gelungenes Sprachspiel – Jelineks Auffassung vom Schreiben
2.2.3. „Von jetzt an gehts bergab“
2.2.4. Peters Antwort
2.2.5. Vergleich zur Autorin-Figur in Ein Sportstück
2.3. Regieanweisungen – Wie Jelinek (mit dem) Theater spielt
2.3.1. Ältere Stücke: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft und Krankheit oder moderne Frauen
2.3.2. Auswüchse der Ironie: Szenenanweisungen in Ein Sportstück, In den Alpen und Das Werk
2.3.3. Der Diskurs in den Szenenanweisungen
3. Öffentliche Auftritte – Extravaganz, Idealismus und Provokation
3.1. Agitation und Aufführungsboykott – Reaktionen zur Regierungsbeteiligung der FPÖ
3.1.1. „Kultur-Alarm“
3.1.1.1. Salzburger Festspiele 1999
3.1.1.2. Kampf dem Kulturkampf
3.1.2. Demonstrationen auf dem Stephansplatz
3.1.3. Widerstandslesungen
3.1.4. Das zweite Aufführungsverbot
3.2. Jelinek-Interviews: Über Politik, Sexualität, Selbstauslöschung und das Schreiben
3.2.1. Interviews zu Politik und Literatur
3.2.2 Vermischung von Privatem Literatur und Politik
3.3. Bilder
Die Arbeit untersucht, wie Elfriede Jelinek durch die explizite Integration von "Autorin-Figuren" und gezielten Regieanweisungen in ihren Stücken sowie durch ihr öffentliches Auftreten eine spezifische Form der Selbstinszenierung betreibt, um ihre Rolle als Schriftstellerin und ihre Position im gesellschaftlichen Diskurs zu definieren.
2.1.1. Ein Mischwesen
Die Elfi Elektra-Figur hat auf den ersten Blick nicht viel mit der Sagengestalt aus der griechischen Mythologie zu tun. Sie tritt in einer Szenerie auf, die an eine Sportwettkampf-Stätte erinnern soll. Allein mit diesem Auftritt gelingt es Jelinek, ihre Gleichung, dass der moderne Sport dem antiken Krieg gleicht, deutlich zu machen. Wenn Jelinek von Sport als Tötungsdelikt spricht („Ist Sport ein Mord?“, Sport, S. 173, oder „Das Töten ist einfach mein Lieblingssport“, Sport, S. 85), meint sie damit einen kriegerischen Mord. Dies wird überdeutlich, wenn Hektor und Achill, die beiden Protagonisten des Troja-Kriegs, gegeneinander Tennis spielen (Sport, 124-137). Das Tennis-Match hat diejenigen als Gegner einander gegenüber gestellt, die den vielleicht zähesten und blutigsten Krieg der Antike geführt haben. Das Siegen und Besiegen im Sport ist für Jelinek also unmittelbar dem des Kriegs verwandt.
Wichtig ist, dass ein antiker Krieg gemeint ist, also einer, der noch Mann gegen Mann (wie in der Tennis-Symbolik enthalten) geführt wurde. Moderner Krieg mit Massenvernichtungswaffen und hochentwickelter Technik ist etwas anderes. Dieser würde höchstens in eine Zerstörungs-Metapher im Zusammenhang mit Andis Selbstvernichtung durch Drogenkonsum oder der Gletscherbahnkatastrophe in *In den Alpen* passen.
Einleitung: Einführung in die Problematik von Jelineks Literatur als Herausforderung an die Öffentlichkeit und die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit ihren Texten.
1. Grundsätzliches zu den Auftritten der Autorin-Figuren in Jelineks Stücken: Untersuchung der stilistischen Tendenz Jelineks zur Entfremdung und zum Einsatz von "Autorin-Figuren" als Echokammern unterschiedlicher Diskurse.
2. Ein Sportstück, Das Werk, Regieanweisungen – Wie sich Jelinek im Theater selbst inszeniert: Analyse der expliziten Selbstinszenierung Jelineks durch die "Elfi Elektra"-Figur und das Spiel mit der Metaphorik von Sport als Krieg.
3. Öffentliche Auftritte – Extravaganz, Idealismus und Provokation: Untersuchung der engen Verflechtung von Jelineks literarischem Werk und ihrem öffentlichen politischen Agieren, insbesondere nach der Regierungsbeteiligung der FPÖ.
Elfriede Jelinek, Selbstinszenierung, Ein Sportstück, Das Werk, Theater, Autorin-Figur, Regieanweisungen, Österreich-Kritik, politische Literatur, Sport, Krieg, Identität, Widerstand, Voyeurismus, postdramatisches Theater.
Die Arbeit analysiert, wie die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek in ihren neueren Theaterstücken und durch ihr öffentliches Auftreten ihre eigene Persona als literarische Figur und öffentliche Person inszeniert.
Die zentralen Felder sind die Selbstinszenierung in den Theatertexten, die Funktion expliziter Regieanweisungen als Mittel der Machtausübung sowie das politische Agieren der Autorin in der Öffentlichkeit.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jelinek mittels sprachlicher Verfahren und der bewussten Platzierung von "Autorin-Figuren" die Grenze zwischen Privatleben, literarischem Schaffen und politischem Aktivismus gezielt auflöst.
Die Arbeit nutzt eine werk- und diskursanalytische Methode, um Jelineks Theaterstücke und ihr öffentliches Agieren in einen Kontext mit biografischen, historischen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen (insbesondere in Österreich) zu setzen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Stücke *Ein Sportstück* und *Das Werk*, eine Analyse ihrer "subversiven" Regieanweisungen sowie eine Beleuchtung ihrer politischen Interventionen, wie etwa in Bezug auf die FPÖ.
Schlüsselbegriffe sind Selbstinszenierung, postdramatisches Theater, Sport-Krieg-Metapher, Widerstand, voyeuristische Beobachtung und die Rolle der Autorin als "Wutableiter".
Jelinek nutzt die Figur der Elektra (als "Elfi Elektra"), um den modernen Sport durch einen Rückgriff auf antike Sagen in den Mythos zu überführen, womit sie die Brutalität und Gewalttätigkeit sportlichen Wettbewerbs als archaischen "Krieg" demaskiert.
Durch die Gleichsetzung von "Siegen" mit "Vernichten" und die Verwendung von Vokabular aus dem Zweiten Weltkrieg dekonstruiert Jelinek den Sport als ein herrschaftsgeprägtes System, das auf Leistung, Ausschluss und körperlicher Qual basiert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

