Forschungsarbeit, 2003
68 Seiten, Note: nicht benotet
Einleitung
1. Figurenkonstellationen in Jelineks neueren Stücken
1.1. Ein Sportstück
1.1.1. Die Figur Andi: eine Ausnahme?
1.1.2. Die Autorin: die tatsächliche Ausnahme
1.1.3. Die übrigen Figuren
1.1.4. Die übrigen Figuren als Typen
1.2. In den Alpen
1.2.1. Die Opfer in In den Alpen
1.2.2. Die übrigen Figuren
1.3. Die Figuren in Das Werk
1.3.1. Peter und Heidi
1.3.2. Hänsel und Tretel
1.3.3. Die übrigen Figuren
2. Themenverflechtung bei Jelinek
2.1. Aufheben von Isolierung
2.2. Sport, Religion und Medien
2.3. Krieg, Naturzerstörung und Sport
2.4. Sport, Jugend und Medien
2.5. Das Werk: Höhepunkt der Verflechtung
2.6. Überschneidung der Stücke
3. Das Werk als einzigartiges Stück
3.1. Die Natur als Ware
3.1.1. Auszug aus der Baugeschichte des Tauernwerks
3.1.2. Zwangsarbeit am Tauernwerk
3.2. Menschliches Handeln als Zerstörung
3.2.1. Der Titel Das Werk und seine Assoziationsmöglichkeiten
3.2.2. Menschliches „Wirken“: Ausbeutung und Naturzerstörung
3.2.3. Der „tätige Mensch“ als Ware
3.3. Naturzerstörung – die größtmögliche Form der Zerstörung?
3.4. Tod in Zahlen: Gletscherbahnunglück und Terroranschläge
4. Formale Analyse von Das Werk
4.1. Der äußere Aufbau
4.1.1. Das Werk in Zahlen
4.1.2. Die Bedeutung der Aufteilung
4.1.2.1. Die ersten beiden Abschnitte
4.1.2.1. Die Funktion des Epilogs
4.2. Sprachanalyse: Mythendestruktion, Alltagsfloskeln und Monolog
4.2.1. Das Prinzip der Mythendestruktion
4.2.2. Mythos Österreich
4.2.3. Redewendungen und Werbeslogans im Text
4.2.4. Peters Dritter Monolog: Ein beispielhaftes Sprachgeflecht
5. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theatertexte Elfriede Jelineks, insbesondere deren strukturelle und inhaltliche Verflechtung von Themen wie Naturzerstörung, menschlichem Handeln, Sport und gesellschaftlicher Verdrängung der österreichischen Vergangenheit. Die Arbeit analysiert dabei, wie Jelinek durch die Verwendung von Typen anstelle individueller Figuren und durch den Einsatz von Satire und sprachlicher Dekonstruktion bestehende gesellschaftliche Mythen entlarvt.
Die Figur Andi: eine Ausnahme?
Zwar war mit Andi der real existierende Bodybuilder Andreas Münzer gemeint, der durch Drogenkonsum ums Leben gekommen war. Aber er stellt eine Ausnahme dar, die eigentlich gar keine ist: durch seinen Wahn, so zu werden wie Arnold Schwarzenegger, raubte sich Andi die eigene Identität. Er wollte zu jemand anderem werden, dabei verlor er sich selbst. „Ich stelle mich meinem großen Vorbild, Arnie, zur Verfügung.“ (Sport, S. 88) So kündigt Andi seine Selbstaufgabe an. Sein Körper soll so werden wie der seines Vorbildes, womit auch deutlich wird, dass er sein Ich mit dem Körper gleichsetzt. „In meinem Körper ist Leistung gut aufgehoben, und zwar dermaßen gründlich, daß mein Körper außerhalb seiner Leistung gar nicht existieren darf.“ (Sport, S. 93) Die Figur in Jelineks Stück ist aber an einem Punkt angelangt, an dem sie begreift, dass das bedingungslose Nacheifern schließlich zum Identitätsverlust führt. „Andi nennt man Arnie, wenn er nicht Arnie ist. Ich ich ich, anders gesagt: ich bin es. Nein. Ich war es.“ (Sport, S. 96) Andis eigenes Ich ist durch ein Pseudo-Ich ersetzt worden, das weder mit seinem Alten ich, noch weniger aber mit dem Idol gleichzusetzen ist. Er steht also vor einer Leere, er ist niemand mehr. Auch in seinem Fall kann also gesagt werden, dass er eine Rolle darstellt, jemanden, der sich in Nachahmung auflöst, für den nichts anderes mehr existiert als sein sportliches Ziel, an dem er schließlich zerbricht.
1. Figurenkonstellationen in Jelineks neueren Stücken: Untersuchung der Abkehr von individuellen Figuren hin zu austauschbaren Typen, die als gesellschaftliche Funktionsträger fungieren.
2. Themenverflechtung bei Jelinek: Erläuterung des für Jelineks Texte typischen Themengeflechts, in dem gesellschaftliche Aspekte wie Sport, Medien und Naturzerstörung untrennbar miteinander verwoben sind.
3. Das Werk als einzigartiges Stück: Analyse von „Das Werk“ im Kontext der österreichischen Vergangenheit, der Baugeschichte des Tauernkraftwerks und der Zwangsarbeit.
4. Formale Analyse von Das Werk: Formale Betrachtung des Stückaufbaus, der Sprachanalyse und der gezielten Destruktion von Mythen und Sprache durch die Autorin.
5. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Vielschichtigkeit von Jelineks Theatertexten und deren Wirkung als gesellschaftliche Denkanstöße.
Elfriede Jelinek, Theaterstücke, Naturzerstörung, Kaprun, Zwangsarbeit, Mythendestruktion, Sprache, Konsumgesellschaft, Typen, österreichische Vergangenheit, Medienkritik, Sport, Identitätsverlust, Entmythisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Theatertexte „Ein Sportstück“, „In den Alpen“ und „Das Werk“ von Elfriede Jelinek.
Die Schwerpunkte liegen auf der Figurenkonstellation als Typen, dem Themengeflecht aus Sport, Medien, Krieg und Naturzerstörung sowie der kritischen Aufarbeitung der österreichischen NS-Vergangenheit durch das Symbol des Tauernkraftwerks.
Ziel ist es, die spezifischen literarischen Verfahren Jelineks, wie die Mythendestruktion und die Entlarvung gesellschaftlicher Klischees, im Kontext ihrer jüngeren Werke zu erläutern.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse, gestützt durch literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur zu Jelinek und Konzepte wie die von Roland Barthes zur Mythendestruktion.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Figuren, der thematischen Vernetzung, der speziellen Rolle von „Das Werk“ als Aufarbeitung der Kapruner Baugeschichte sowie eine formale und sprachkritische Analyse.
Zentrale Begriffe sind Mythendestruktion, Zwangsarbeit, Naturzerstörung, Konsumgesellschaft, Entmythisierung und die Kritik an der österreichischen Identität.
Andi dient als Prototyp für die Entmenschlichung und den Identitätsverlust im modernen Sport, wodurch die Verbindung zwischen menschlicher Körperzerstörung und dem späteren Motiv der Naturzerstörung verdeutlicht wird.
Der Titel wird als ironische Anspielung verstanden; das „Werk“ des Menschen wird im Stück als ein Akt der Naturzerstörung und des organisierten Tötens entlarvt, anstelle einer rein konstruktiven Leistung.
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