Diplomarbeit, 2004
72 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Aspekte von Macht
2.1 Klassische Machtauffassung
2.2 Macht als Austauschprozess
2.3 Machtdispositive bei Foucault
2.4 Die Konstitution des Selbst
2.5 Die Konstruktion von «Mütterlichkeit»
3 Machtkonstellationen im Gesundheitssektor
3.1 Zur Vorgeschichte der Pflege
3.2 Totale Institutionen
3.2.1 Insassen
3.2.2 Personal
3.3 Die kontrollierte Gesellschaft
4 Der medizinische Code und die Pflege
4.1 Das System der Krankenbehandlung als Funktionssystem
4.2 Expertokratie
4.3 Pflegerischer Professionalismus
4.4 Pflegetheoriebildung
5 Machtdiskurse in der Pflege am Beispiel der Demenz
5.1 Medizinische Aspekte der Demenz
5.2 Psychosoziale Faktoren der Demenz
5.3 Pflegerische Konzepte im Umgang mit Demenz
5.4 Kitwoods personenzentrierter Ansatz
5.4.1 Die Kultur der Depersonalisierung
5.4.2 Standardparadigma
5.4.3 Organisationsform
5.4.4 Personenzentrierte Pflege
5.4.5 Dementia Care Mapping (DCM)
5.4.6 Kritische Bewertung des personenzentrierten Ansatzes bei Demenz
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert Machtverhältnisse innerhalb des Pflegeberufs und untersucht, inwieweit professionelle Pflegeautonomie möglicherweise selbst Machtinstrumente etabliert. Dabei wird hinterfragt, wie Machtdiskurse die Identität und Handlungsweisen von Pflegekräften sowie den Umgang mit vulnerablen Personengruppen, insbesondere bei Demenz, prägen.
5.4.1 Die Kultur der Depersonalisierung
Wichtigster Begriff im personenzentrierten Ansatz Kitwoods ist das «Personsein»: „Es ist ein Stand oder Status, der dem einzelnen Menschen im Kontext von Beziehung und sozialem Sein von anderen verliehen wird. Er impliziert Anerkennung, Respekt und Vertrauen.“ (Kitwood, 2000, S. 27).
Infolge einer zunehmenden Individualisierung hat sich nach Kitwood das Personsein auf zwei Merkmale reduziert: Autonomie und Rationalität. Menschen, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden aus dem Gefüge der «Personen» ausgeschlossen. Das trifft besonders Menschen mit geistigen oder schweren körperlichen Handikaps, zu denen in besonderem Grade Demente zählen. Desweiteren sind demente Menschen alte Menschen, die von vornherein als soziale Last gelten, abgewertet werden und Diskriminierungen ausgesetzt sind. Dies hat zur Folge, dass sie sehr resolut aus dem Kreis der «Personen» ausgeschlossen werden, ein Ablauf, den Kitwood als Depersonalisierung bezeichnet. (vgl. Kitwood, 2000, S. 25-34)
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der historischen Machtgefüge in der Pflege und Formulierung der zentralen Forschungsfragen.
2 Aspekte von Macht: Darstellung theoretischer Grundlagen zu Macht bei Weber, Popitz und Foucault sowie der Konstruktion von Weiblichkeit in der Pflegegeschichte.
3 Machtkonstellationen im Gesundheitssektor: Analyse der Struktur von Institutionen der Einschließung und der Transformation hin zu einer Kontrollgesellschaft.
4 Der medizinische Code und die Pflege: Untersuchung des medizinischen Funktionssystems nach Luhmann und des daraus abgeleiteten pflegerischen Professionalismus.
5 Machtdiskurse in der Pflege am Beispiel der Demenz: Kritische Beleuchtung von Ansätzen wie Kitwoods personenzentrierter Pflege und Methoden wie dem Dementia Care Mapping (DCM).
6 Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die zukünftige Entwicklung machttheoretischer Untersuchungen in der Pflegewissenschaft.
Machtverhältnisse, Krankenpflege, Pflegewissenschaft, Demenz, personenzentrierte Pflege, Foucault, Machtdiskurse, totale Institutionen, Kontrollgesellschaft, Professionalisierung, Depersonalisierung, Kitwood, Systemtheorie, Iatrogenesis, Mütterlichkeitsideologie.
Die Arbeit untersucht Machtverhältnisse im pflegerischen Kontext und analysiert, wie diese durch historische Strukturen, medizinische Diskurse und professionelle Pflegekonzepte konstituiert werden.
Die zentralen Themen sind Machttheorien, die Einbettung der Pflege in medizinische Funktionssysteme, das Arbeitsfeld der Pflege in totalen Institutionen sowie die kritische Reflexion moderner Pflegeansätze in der Demenzbetreuung.
Das Ziel ist es, die historische und strukturelle Abhängigkeit des Pflegeberufs aufzuzeigen und zu analysieren, ob neue pflegewissenschaftliche Ansätze tatsächlich Autonomie fördern oder lediglich neue, subtilere Machtstrukturen etablieren.
Der Autor nutzt eine machttheoretische Perspektive, indem er soziologische und philosophische Analysen (z. B. von Foucault, Luhmann, Goffman und Kitwood) auf pflegespezifische Diskurse und Institutionen anwendet.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Aspekte von Macht, die Rolle der Pflege in totalen Institutionen, das medizinische Funktionssystem und die machtkritische Bewertung personenzentrierter Ansätze in der Demenzpflege.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Machtverhältnisse, Pflegewissenschaft, Demenz, personenzentrierte Pflege, Depersonalisierung und Kontrollgesellschaft.
Totale Institutionen fungieren als Orte, an denen Pflegende durch rigide Reglementierung und Depersonalisierung versuchen, den Willen der Insassen an die Norm anzupassen.
Die Arbeit kritisiert, dass Kitwoods Ansatz trotz seines humanistischen Anspruchs neue Formen der Überwachung und des Normierungsdrucks auf das Pflegepersonal erzeugt, was zu einer „neuen“ Form der Machtausübung führt.
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