Diplomarbeit, 2003
96 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Themenstellung und Relevanz der vorliegenden Untersuchung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Übersicht über Forschungsstand und verwendete Forschungsliteratur
2. Rollentheorie in der Außenpolitikanalyse
2.1 Grundlegendes zur Rollentheorie und zu außenpolitikbezogenen rollentheoretischen Untersuchungen
2.2 Rollentheoretische Überlegungen bei der Bewertung der Beziehung der USA zu den Vereinten Nationen
3. Wesentliche Grundlinien und Bestimmungsfaktoren amerikanischer politischer Kultur und Außenpolitik
3.1 Amerika zwischen Isolationismus und Internationalismus, Unilateralismus und Multilateralismus
3.2 Ideologisch-moralische Grundlinien amerikanischer politischer Kultur und Außenpolitik
3.3 Politisch-institutionelle Eigenarten amerikanischer Außenpolitik
4. Die USA in den Vereinten Nationen: Gutmütiger Gulliver vs. hegemonialer Herkules
4.1 Rollenbekenntnis: Amerika in der Rolle des wohlwollenden Schöpfers bei der Gründung der Vereinten Nationen
4.2 Rollenkonflikt: Entfremdung und Spannungen im Verhältnis der USA zu den Vereinten Nationen
4.2.1 Streitpunkt Repräsentation
4.2.2 Streitpunkt Souveränität und Legitimität
4.2.3 Streitpunkt Effizienz
4.2.4 Die öffentliche Meinung und die amerikanische UN-Mitgliedschaft
4.3 Rolle rückwärts: Vom „unipolaren Moment“ zur multilateralen Epoche?
4.4 Rollensimultanität: Amerikanische UN-Politik unter neokonservativer Lenkung
5. Amerikanische Weltpolitik und die USA in der UN im 21. Jahrhundert: Ausblick und Prognose
6. Schlußbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der USA zu den Vereinten Nationen unter Anwendung eines rollentheoretischen Ansatzes. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, zu erklären, warum sich die Vereinigten Staaten in ihrer Beziehung zur UN in einem Identitätsdilemma zwischen der Rolle als "gutmütiger Gulliver" und "hegemonialer Herkules" gefangen sehen und wie sich diese Dynamik auf ihr UN-Engagement auswirkt.
Die USA in den Vereinten Nationen: Gutmütiger Gulliver vs. hegemonialer Herkules
Um die Entwicklung des Rollenverhaltens der USA in den Vereinten Nationen in der inzwischen mehrere Jahrzehnte umfassenden Geschichte der Weltorganisation kritisch und unter einem rollentheoretischen Blickwinkel herausstellen und bewerten zu können, ist zunächst ein eingehender Blick darauf zu werfen, welche einstellungs- und rollenspezifische Ausgangssituation für die USA 1945 mit Bezug auf die Vereinten Nationen festzustellen war. Hierbei sind sowohl die strategischen Einschätzungen der amerikanischen politischen Entscheidungsträger bezüglich der globalen Stellung Amerikas zur Zeit der UN-Gründung, die daraus erwachsenden amerikanischen Vorstellungen (role conceptions) von der von den USA in der UN zu spielenden Rolle, als auch die externen Erwartungen (role prescriptions), die an die Vereinigten Staaten mit Blick auf die von ihnen in der Organisation zu spielende Rolle herangetragen wurden, zu berücksichtigen.
In der nachfolgenden Darstellung ist im Rückgriff auf die in Kapitel 2 formulierten rollentheoretischen Ausführungen, wie auch auf die an gleicher Stelle definierten Amerika-bezogenen Rollenbilder aufzuzeigen, daß 1945 sowohl das amerikanische außenpolitische Selbstbild bzw. die globalpolitischen Interessen Amerikas, als auch das Fremdbild, d.h. die von außen an das Land herangetragenen globalpolitischen Erwartungen, weitgehend gut miteinander harmonierten. Dieser festzustellenden Harmonie entsprang das Auftreten der Vereinigten Staaten in der Rolle eines „gutmütigen Gullivers“, der seine „leadership as benevolent“ (Gregg 1993: 6) betrachtete und dem zudem bewußt war, daß ihm allein eine „essential role in preserving a semblance of global order“ (Kagan 1998: 25) zukam. Diese Rolle setzten die USA nicht nur im wirtschaftlichen Bereich mit Gründung und Unterstützung von Institutionen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond, sondern auch im politischen Bereich insbesondere mit ihrer schöpfenden Beteiligung am Gründungsprozeß der Vereinten Nationen um.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Spannungsfeldes zwischen den USA und der UN sowie Darstellung der These vom Identitätsdilemma.
2. Rollentheorie in der Außenpolitikanalyse: Theoretische Grundlegung des rollentheoretischen Ansatzes und Anwendung auf staatliches Verhalten in internationalen Beziehungen.
3. Wesentliche Grundlinien und Bestimmungsfaktoren amerikanischer politischer Kultur und Außenpolitik: Untersuchung der historischen, ideologischen und institutionellen Determinanten, die den amerikanischen Außenpolitikstil prägen.
4. Die USA in den Vereinten Nationen: Gutmütiger Gulliver vs. hegemonialer Herkules: Hauptteil der Arbeit, in dem die Phasen und Konfliktpunkte der amerikanischen UN-Politik analysiert werden.
5. Amerikanische Weltpolitik und die USA in der UN im 21. Jahrhundert: Ausblick und Prognose: Reflexion über zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen der US-UN-Beziehung im neuen Jahrhundert.
6. Schlußbemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der gewonnenen Erkenntnisse über das Rollenverhalten der USA und das zukünftige Konfliktpotential.
Vereinigte Staaten, Vereinte Nationen, Rollentheorie, Außenpolitik, Identitätsdilemma, Gutmütiger Gulliver, Hegemonialer Herkules, Internationalismus, Isolationismus, Multilateralismus, US-Kongress, Politische Kultur, Konfliktpotential, Weltordnung
Die Magisterarbeit untersucht die komplexe und oft spannungsreiche Beziehung zwischen den USA und den Vereinten Nationen aus einer rollentheoretischen Perspektive.
Im Zentrum stehen die Identitätsbildung der amerikanischen Außenpolitik, das Spannungsfeld zwischen Nationalinteressen und internationalen Institutionen sowie die Rolle der USA als Weltmacht.
Das Ziel ist es, das "Identitätsdilemma" der USA in der UN offenzulegen, bei dem die USA zwischen der Rolle eines wohlwollenden Schöpfers und der eines machtbewussten Hegemons schwanken.
Die Arbeit nutzt einen rollentheoretischen Ansatz, um außenpolitisches Verhalten als Ergebnis von Selbst- und Fremdbildern sowie spezifischen situativen Faktoren zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert die historische Entwicklung der Beziehung in verschiedene Phasen, angefangen bei der UN-Gründung bis hin zur neokonservativen Politik der Regierung George W. Bush.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rollentheorie, Identitätsdilemma, Multilateralismus und das Spannungsverhältnis zwischen moralischem Idealismus und politischem Realismus geprägt.
Diese Metaphern dienen dazu, das Schwanken der USA zwischen einer kooperativen, wohlwollenden Politik (Gulliver) und einem unilateralen, machtfokussierten Vorgehen (Herkules) greifbar zu machen.
Der Autor zeigt auf, dass der Kongress durch seine Kontrollfunktion und oft kritische Haltung gegenüber der UN maßgeblich zur Entfremdung zwischen den USA und der Weltorganisation beigetragen hat.
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