Bachelorarbeit, 2014
39 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Leben und Selbstmystifizierung der Lasker-Schüler
2.1 Die Kindheit als verlorenes Paradies
2.2 Abkehr vom bürgerlichen Leben
3 Der ‚Spielgefährte‘ Gottfried Benn
4 Mystische Welten: Die Lyrikerin in ihrem Verhältnis zur Religion
5 Einbettung der Lyrik Lasker-Schülers im Zeitkontext
5.1 Gattungsmerkmale und Lebensgefühl des Expressionismus
5.2 Lasker-Schüler – eine expressionistische Lyrikerin?
6 Das einseitige Gespräch des lyrischen Ichs mit dem lyrischen Du
7 Überwindung der Einsamkeit und Verlorenheit
8 „Der kühle Tag“: Ablehnung des irdischen Daseins
9 Gegenwelt zur Realität: auf der Suche nach dem verlorenen Paradies
9.1 Himmlische Bildbereiche als mystische Symbole
9.2 Die Bedeutung der Farbmetaphorik
9.2.1 Blau und Gold: die Farben des Himmlischen
9.2.2 Schwarz und Weiß: die Farben der irdischen Welt
9.2.3 ‚Bunt‘: die Farbe des lyrischen Ichs
9.2.4 Rot: die Farbe des Lebens und der Liebe
9.3 Die Liebe als Maske für die Gottessuche
9.4 Daseinsbewältigung reflektiert in der Naturbeschreibung
10 Das Spiel mit dem lyrischen Du als Daseinsüberwindung
10.1 Das erotische Liebesspiel
10.2 Kindliches Spiel als Eskapismus
11 Die Liebe als daseinsbewältigende Macht? Die paradoxe Beziehung zum lyrischen Du
12 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gedichtzyklus Gottfried Benn von Else Lasker-Schüler. Ziel ist es, die These zu belegen, dass nicht eine tatsächliche Beziehung zu Gottfried Benn den inhaltlichen Kern bildet, sondern die Liebe selbst als eine daseinsbewältigende Macht fungiert, die dem lyrischen Ich die Flucht aus der als negativ empfundenen Realität in eine mystische Gegenwelt ermöglicht.
3 DER ‚SPIELGEFÄHRTE‘ GOTTFRIED BENN
Die Begegnung zwischen Else Lasker-Schüler und dem Lyriker Gottfried Benn ist ebenso mythenumwoben wie das Leben der Schriftstellerin. Wo die Liebe beginnt und wie sie verläuft, scheint genauso rätselhaft wie die Frage, ob sie überhaupt je existiert hat. Wenn man über das Verhältnis dieser großen Dichter schreibt, bleibt man daher letztlich auf Vermutungen angewiesen, was insbesondere der Tatsache geschuldet ist, dass keine glaubwürdigen Zeugnisse wie Briefe oder Fotodokumente existieren. Die einzigen Hinweise auf eine mögliche Liebesbeziehung liefern gegenseitige Widmungen und textinterne Hinweise in ihren Gedichten. In der Sekundärliteratur besteht angesichts dieser Dokumente häufig die Neigung, eine romantische und höchst tragische Liebesgeschichte hinter den Gedichten zu vermuten, was aufgrund der mangelnden Beweise jedoch reine Spekulation bleibt. Daher sollen hier lediglich die wenigen bekannten Fakten dargelegt werden.
Ende 1912 lernen sich die beiden Dichter kennen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die 43-jährige Lasker-Schüler bereits einen Namen als Lyrikerin gemacht. Der 26-jährige Benn arbeitet als Assistenzarzt der Pathologie und obgleich als Lyriker bis dahin kaum bekannt, hat er gerade seine Morgue Gedichte veröffentlicht. Der große Altersunterschied ist ihm wohl nicht bewusst, da sich Lasker-Schüler im Kreise der jungen Expressionisten erheblich jünger gibt. Nachdem sie Benns Morgue Gedichte gelesen hat, schreibt sie einen geradezu enthusiastischen Brief an ihren Verleger Kurt Wolf, in dem sie ihn bittet, Benns Gedichte zu verlegen: „Er ist halb Tiger, halb Habicht und steht im Keller seines Krankenhauses und öffnet die Leichen. Er ist ebenso herb wie derb ebenso zart wie weich. König, ihr dürft nicht zögern […] Sprich!!! König!! Ich stehe Dr. Benn nicht was Liebe betrifft nah – tue es Ehrenwort hinterrücks, tue es aus Weltordnung nicht mal aus Cultur. Ich der Prinz!“
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Abgrenzung von Fiktion und Biografie im Werk Else Lasker-Schülers und führt in die zentrale Fragestellung der Liebe als daseinsbewältigende Macht ein.
2 Leben und Selbstmystifizierung der Lasker-Schüler: Dieses Kapitel skizziert die biographischen Eckpunkte Lasker-Schülers und erläutert ihre Tendenz, ihr Leben als Mythos zu inszenieren, was die Interpretation ihrer Werke erschwert.
3 Der ‚Spielgefährte‘ Gottfried Benn: Hier werden die Hintergründe der Begegnung mit Gottfried Benn analysiert, wobei das Verhältnis der beiden als mythenumwobene Spielbeziehung charakterisiert wird.
4 Mystische Welten: Die Lyrikerin in ihrem Verhältnis zur Religion: Das Kapitel untersucht Lasker-Schülers synkretistisches Religionsverständnis und ihre Identifikation mit biblischen Figuren wie Joseph.
5 Einbettung der Lyrik Lasker-Schülers im Zeitkontext: Es erfolgt eine Einordnung in den literarischen Expressionismus, wobei die Schnittmengen ihrer Ästhetik mit dem Lebensgefühl dieser Strömung diskutiert werden.
6 Das einseitige Gespräch des lyrischen Ichs mit dem lyrischen Du: Analyse der einseitigen Kommunikationssituation der Gedichte und der Rolle des lyrischen Ichs als suchendem Subjekt.
7 Überwindung der Einsamkeit und Verlorenheit: Untersuchung der Motive Einsamkeit und Heimatlosigkeit sowie der Hoffnung auf deren Aufhebung durch die Macht der Liebe.
8 „Der kühle Tag“: Ablehnung des irdischen Daseins: Analyse der bewussten Abgrenzung von der realen Welt und der Sehnsucht nach einer imaginierten, poetischen Gegenwelt.
9 Gegenwelt zur Realität: auf der Suche nach dem verlorenen Paradies: Vertiefung der Suche nach dem verlorenen Kindheitsparadies durch himmlische Symbole, Farbe und Gottessuche.
10 Das Spiel mit dem lyrischen Du als Daseinsüberwindung: Analyse der Bedeutung des Spielmotivs als Instrument, um die Realität zu transzendieren und in ein mystisches Paradies einzutreten.
11 Die Liebe als daseinsbewältigende Macht? Die paradoxe Beziehung zum lyrischen Du: Kritische Reflexion der These, wobei das Paradoxon zwischen dem Liebeswunsch und der Unmöglichkeit seiner dauerhaften Erfüllung im Zentrum steht.
12 Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Anregung für weiterführende Fragestellungen bezüglich der Entwicklung von Lasker-Schülers Liebeskonzept in ihrem Gesamtwerk.
Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Expressionismus, Lyrik, Daseinsbewältigung, Liebesgedichte, Mystik, Religion, Identität, Selbstmystifizierung, Paradies, Realität, Gegenwelt, Spielmotiv, Transzendenz.
Die Bachelorarbeit analysiert den Gedichtzyklus "Gottfried Benn" von Else Lasker-Schüler und hinterfragt, inwiefern die Liebe in diesen Texten als Mittel zur Überwindung einer als belastend empfundenen Realität eingesetzt wird.
Die zentralen Themen umfassen die Suche nach Transzendenz, das Spannungsfeld zwischen Biografie und Werk, die expressionistische Ästhetik sowie die Bedeutung von Symbolik, Religion und Spiel in der Lyrik Lasker-Schülers.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu belegen, dass die Liebe nicht nur als Ausdruck einer persönlichen Beziehung zu Benn dient, sondern eine universelle, daseinsbewältigende Macht darstellt, mit der die Dichterin versucht, in eine Gegenwelt zu entfliehen.
Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Textzyklus systematisch anhand von Motiv-, Farb- und Metaphernanalysen untersucht und in den historischen Kontext des Expressionismus einbettet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische und zeitgeschichtliche Kontextualisierung, gefolgt von einer detaillierten Analyse der gedichtimmanenten Symbole, der Spielmotive und der Frage nach der tatsächlichen Erfüllbarkeit dieses Liebeskonzepts.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Daseinsbewältigung, mystische Gegenwelt, Expressionismus, Liebeslyrik, Selbstmystifizierung und Transzendenz.
Die Figur des Prinzen Jussuf verdeutlicht Lasker-Schülers Tendenz zur Selbstmystifizierung und ihre Identifikation mit biblischen Motiven, die ihr als Maske dienen, um eine eigene, mystisch-orientalische Identität zu schaffen.
Das Spielmotiv fungiert als entscheidendes Instrument zur Daseinsüberwindung. Durch das erotische oder kindliche Spiel erschafft das lyrische Ich eine Welt, die jenseits rationaler Logik liegt und eine spirituelle Vereinigung ermöglicht.
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