Masterarbeit, 2016
80 Seiten
1 Einleitung
2 Was ist ein Wort? Annäherung an einen vielfältigen Begriff
2.1 Einzelkomponenten der lexikalischen Einheit
2.2 Der Wortschatz als ein dynamisches System
2.2.1 Rezeptiver, produktiver und potentieller Wortschatz
3 Die mentale Organisation von Wörtern im Gehirn
3.1 Das Langzeitgedächtnis
3.2 Der menschliche Wortspeicher: Das mentale Lexikon
3.2.1 Begriffsbestimmung und Forschung
3.2.2 Aufbau und Struktur
3.2.3 Wortform und Wortbedeutung
3.2.4 Das mentale Lexikon als Netzwerk
3.2.5 Zusammenfassung
3.3 Die Repräsentation von Wörtern im zwei- und mehrsprachigen mentalen Lexikon
3.3.1 Die Formen der mentalen Repräsentation nach Weinreich (1953)
3.3.2 Die Subset-Hypothesis nach Paradis (1987)
3.3.3 Aufbau semantisch-konzeptueller Repräsentationen
3.3.3.1 Die Entwicklung der lexikalischen Einheit
3.3.3.2 L1-Transfer im Bereich der Lexik
3.3.3.3 Kollokationen und Konstruktionen
3.4 Folgerungen für den Fremdsprachenunterricht
3.4.1 Rückbezug auf vorhandenes Sprachwissen
3.4.2 Mehrdimensionales Wortwissen
3.4.3 Kontextualisiertes und vernetztes Lernen
3.4.4 Wiederholungen und aktiver Gebrauch
3.4.5 Mehrkanaliges und ganzheitliches Lernen
4 Wortschatzarbeit im Spanischunterricht
4.1 Die lexikalische Kompetenz: eine Begriffsannäherung
4.2 Die Frage nach dem Umfang und der Auswahl des Wortschatzes
4.3 Die Vermittlung von Vokabellernstrategien im Spanischunterricht: eine Methodenvielfalt
4.3.1 Didaktische Grundannahmen
4.3.2 Phasen des Wortschatzerwerbs
4.3.2.1 Sprachaufnahmephase
4.3.2.2 Konsolidierungsstrategien
4.3.2.3 Phase der Archivierung
4.3.2.4 Wortschatz einmal anders: Alternativen zum Vokabeltest
5 Fazit / Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die neurokognitiven Prozesse, die den Erwerb und die langfristige Speicherung von Wortschatz beeinflussen, und leitet daraus didaktische Grundprinzipien für eine effektive Wortschatzvermittlung im Spanischunterricht ab.
3.2.4 Das mentale Lexikon als Netzwerk
Alle Wörter sind in ein komplexes Informationsgewebe eingebunden, woraus sich innerhalb des mentalen Lexikons ein hochstrukturiertes, immer weiterentwickelndes Netzwerk auf unterschiedlichen Strukturebenen bildet. In ihm sind die lexikalischen Einheiten in verschiedenen Teilnetzen mehr oder weniger stark miteinander verbunden (vgl. Haudeck 2008: 57). Je mehr Sinneseindrücke mit einem Wort in Verbindung gebracht werden (z.B. Bewegung, Situation, Schreibweise, Emotion, Klang, Schriftbild), desto größer ist seine Merkmalsausprägung und desto erfolgreicher lässt es sich im Gedächtnis abrufen (vgl. Meerholz-Härle 2008: 17).
Diese kognitiven Teilnetze sind sowohl inhaltlich als auch formal miteinander passend verknüpft und werden gemeinsam aktiviert. Insbesondere bei ähnlich lautenden Wörtern wird eine starke Verbindung und Struktur unter den Lexemen erkannt (z.B. hidrómetro - higrómetro). Bei dem Abruf eines Wortes werden also automatisch die umliegenden Netze stimuliert, sodass bei dem Wort piano gleichzeitig das Wort tecla aktiviert wird und dem Sprecher somit leichter rezeptiv sowie produktiv zur Verfügung steht (vgl. Kieweg 2002: 8). Je nach Aktivierungsgrad und Strukturiertheit der Wörter verstärkt sich diese netzwerkartige Struktur und der Wortschatz erweitert und prägt sich kontinuierlich im Gedächtnis ein. Die Übergänge zu den einzelnen Teilnetzen sind dabei fließend, sodass die Wörter unterschiedlichen Teilnetzen angehören können (vgl. Haudeck 2008: 57). Laut der Spreading-Activation-Theory nach Quillian (1967) durchläuft der Sprecher/Hörer für die Aktivierung eines Wortes und seiner Bedeutung das mentale Informationsnetzwerk, bis er das für die sprachliche Absicht passende Lexem heraus gefiltert hat (vgl. Neveling 2004: 34). Die folgende Abbildung stellt die Speicherung und Vernetzung des Wortschatzes im Gehirn in abstrakter Form dar.
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den Wandel im Stellenwert der Wortschatzdidaktik und definiert das Ziel der Arbeit, neurokognitive Grundlagen mit fachdidaktischen Methoden für den Spanischunterricht zu verknüpfen.
2 Was ist ein Wort? Annäherung an einen vielfältigen Begriff: Das Kapitel thematisiert die linguistische Komplexität des Wortbegriffs und führt den Begriff der lexikalischen Einheit als zentralen Baustein ein.
3 Die mentale Organisation von Wörtern im Gehirn: Dieser Teil analysiert die kognitive Speicherung von Wortwissen im Langzeitgedächtnis sowie die Netzwerkstrukturen im mentalen Lexikon.
4 Wortschatzarbeit im Spanischunterricht: Dieses Kapitel transferiert psycholinguistische Erkenntnisse in die Praxis des Spanischunterrichts, mit Fokus auf lexikalische Kompetenz und Lernstrategien.
5 Fazit / Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer netzwerkbasierten, individuellen Wortschatzarbeit, die über isoliertes Vokabellernen hinausgeht.
Mentales Lexikon, Wortschatzarbeit, Fremdsprachenunterricht, Spanisch, Langzeitgedächtnis, kognitive Prozesse, Vokabellernstrategien, lexikalische Kompetenz, Netzwerkstruktur, Interferenz, False Friends, Mehrsprachigkeit, Semantisierung, Konsolidierung, Sprachproduktion.
Die Arbeit untersucht, wie Menschen Wortschatz im Gehirn speichern und wie dieses Wissen genutzt werden kann, um den Wortschatzerwerb im Spanischunterricht effektiver und nachhaltiger zu gestalten.
Die zentralen Felder sind die Psycholinguistik des mentalen Lexikons, die neurokognitiven Voraussetzungen für das Gedächtnis sowie die fremdsprachendidaktische Umsetzung dieser Erkenntnisse.
Das Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Strategien für den Spanischunterricht zu identifizieren, die Schülern helfen, Vokabeln besser zu vernetzen, dauerhaft zu speichern und aktiv anzuwenden.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die relevante psycholinguistische und fachdidaktische Fachliteratur auswertet, um daraus methodische Implikationen für die Praxis abzuleiten.
Der Hauptteil behandelt die Struktur des mentalen Lexikons, die Repräsentation von Wörtern bei Mehrsprachigkeit, die Bedeutung von Interferenzen sowie verschiedene Phasen der Wortschatzarbeit wie Sprachaufnahme, Konsolidierung und Archivierung.
Wesentliche Begriffe sind Mentales Lexikon, Wortschatzarbeit, Lernstrategien, Vernetzung und Langzeitgedächtnis.
Traditionelle Tests prüfen oft nur isoliertes Wissen, was der netzwerkartigen Organisation unseres mentalen Lexikons widerspricht und somit nicht zu einer langfristigen Sprachkompetenz führt.
Die L1 dient anfänglich oft als Ankerpunkt, birgt aber auch Gefahren für Interferenzfehler, weshalb der Unterricht gezielt an dieser Schnittstelle ansetzen sollte.
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