Magisterarbeit, 1996
64 Seiten
1. EINLEITUNG
1.1 Vorbemerkung
1.2 Biographisches
1.3 Themen und Besonderheiten in Sevelas Prosa und Traditionen jüdischer Autoren
2. SCHICKSALE JÜDISCHER MÄNNER IN DER DARSTELLUNG SEVELAS
2.1 Tragisches
2.2 Autobiographisches
2.3 Satirisches in jüdischen Männerschicksalen
2.3.1 Satire – Ironie
2.3.2 Der jüdische Witz
3. SCHICKSALE JÜDISCHER FRAUEN IN DER DARSTELLUNG SEVELAS
3.1 Tragische Schicksale
3.2 Autobiographisches
4. SCHICKSALE JÜDISCHER KINDER IN DER DARSTELLUNG SEVELAS
4.1 Tragisches
4.2 Autobiographisches
4.3 Satirisches
5. NICHTJÜDISCHE SCHICKSALE IN DER DARSTELLUNG SEVELAS
5.1 Schicksale nicht jüdischer Frauen und Mädchen
5.2 Schicksale nicht jüdischer Männer in der Darstellung Sevelas
6. ZUSAMMENFASSUNG
7. ÜBERSETZUNG DER RUSSISCHEN ZITATE
8. VERZEICHNIS DER VERWENDETEN LITERATUR
8.1 PRIMÄRLITERATUR
8.1.1 In russischer Sprache verfasste Werke des Autoren
8.1.2 Übersetzungen
8.2 SEKUNDÄRLITERATUR
8.2.1 Rezensionen zu den Werken Sevelas
8.2.2 Nachschlagewerke
8.2.3 Literatur zur osteuropäischen Literatur und Literaturgeschichte
8.2.4 Literatur über die Judendarstellung und jüdische Literatur
8.2.5 Literatur über die Geschichte der Juden und jüdische Traditionen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Schaffen des jüdischen Schriftstellers Efraim Sevela. Ziel ist es, Merkmale und Besonderheiten der Darstellung russisch-jüdischen Lebens von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu analysieren und die unterschiedlichen Lebenssituationen und Schicksale in seinen Werken aufzuzeigen.
2. SCHICKSALE JÜDISCHER MÄNNER IN DER DARSTELLUNG SEVELAS
Im Gegensatz zu jüdischen Heldinnen in Sevelas Werken werden Männer öfter als Frauen im Zusammenhang mit ihren Berufen dargestellt. In den „Legendy Invalidnoj ulicy“, einem aus zwei Teilen bestehenden Buch , werden im ersten Teil „Droga do szczęścia“ („Der Weg zum Glück“) alte jüdische Männer, ehemalige sowjetische Soldaten, die in einem jüdischen Friseursalon Geschichten erzählen, vorgestellt. Hier überwiegen die Berufsgruppen der Soldaten, Rentner, Arbeiter und Friseure, sowie ein Schuhputzer; die einzige jüdische Frau in diesem Teil des Buches ist die Ehefrau eines Friseurs, die den Krieg überlebt hatte. Alle anderen haben ihre Frauen und Kinder verloren – fortan versorgt diese Frau die alten Männer mit Essen und vermag sie auch seelisch zu stützen. Innerhalb der erzählten Geschichten, sowie im zweiten Teil des Buches, werden meist Mütter, Ehefrauen und Witwen mit sozialen Ambitionen dargestellt. In „Popugaj, govorjaščij na idiš“ werden Frauen auch in anderen Berufen, als dem der Hausfrau – Ehefrau und Mutter – dargestellt.
Zu der Berufsgruppe der Soldaten zählt auch der Held des Romans „Mama – Kinopovest’“, Jankel Lapidus. Er, ein junger Student, dessen Leben als unfreiwilliger Soldat in absurder Weise verläuft, dient in vielen Armeen der Welt und impliziert gewisse Züge des Bildnisses des „Ewigen Juden“ – so wie auch einige andere Dargestellte in Sevelas Erzählungen. Nachdem der junge Mann ein Studium an der Universität zu Warschau beginnen will, wird er infolge des Kriegsausbruchs als Soldat in die polnische Armee einberufen und gerät in die Mühlen verschiedenster Machtsysteme und Armeen. Sein Leben ist bestimmt durch Wanderschaft, ohne die Möglichkeit einer Heimkehr zu seiner Mutter, von deren Tod oder Überleben er durch die erzwungene Wanderschaft nichts in Erfahrung bringen kann. Zunächst gerät er in russische Kriegsgefangenschaft nach Sibirien, später in die britische Armee und in die Fremdenlegion nach Afrika und Vietnam. In der Fremdenlegion ist er der Willkür seines Vorgesetzten, dem polnischen Unteroffizier Zaremba, ausgeliefert. Des jungen Soldaten Jankel Lapidus Leben ist gekennzeichnet durch stete Wanderschaft und Heimatlosigkeit.
1. EINLEITUNG: Einleitende Darlegung der Zielsetzung, das russisch-jüdische Leben in den Werken von Efraim Sevela zu analysieren sowie biographische Hintergründe des Autors.
2. SCHICKSALE JÜDISCHER MÄNNER IN DER DARSTELLUNG SEVELAS: Untersuchung der männlichen Charaktere, die oft in beruflichen Zusammenhängen stehen und deren Schicksale zwischen Tragik, Autobiographie und Satire schwanken.
3. SCHICKSALE JÜDISCHER FRAUEN IN DER DARSTELLUNG SEVELAS: Analyse der Darstellung jüdischer Frauen, primär als Mütter und Ehefrauen, sowie ihre Rolle als Bewahrerinnen von Tradition und Fürsorge.
4. SCHICKSALE JÜDISCHER KINDER IN DER DARSTELLUNG SEVELAS: Darstellung der oft traumatischen und tragischen Erfahrungen jüdischer Kinder und deren Suche nach Identität in einer feindlichen Umwelt.
5. NICHTJÜDISCHE SCHICKSALE IN DER DARSTELLUNG SEVELAS: Betrachtung nicht-jüdischer Charaktere und deren Interaktion mit den jüdischen Protagonisten sowie deren spezifische tragische oder problematische Lebenswege.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse über Sevelas Erzählstil, die Themenwahl und die Einordnung in literarische Traditionen.
7. ÜBERSETZUNG DER RUSSISCHEN ZITATE: Bereitstellung der deutschen Übersetzungen für alle im Text verwendeten russischsprachigen Originalzitate.
8. VERZEICHNIS DER VERWENDETEN LITERATUR: Auflistung der Primärwerke und der herangezogenen Sekundärliteratur zur Arbeit.
Efraim Sevela, russisch-jüdisches Leben, jüdische Schicksale, Holocaust, Sowjetunion, Exilliteratur, jüdischer Witz, Satire, Identität, Heimatlosigkeit, Soldatenleben, Antisemitismus, Familiengeschichte, Tradition, russische Literatur.
Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung jüdischer Lebensschicksale in den Romanen und Erzählungen des Schriftstellers Efraim Sevela von der Vorkriegszeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
Zentral sind die verschiedenen Lebensentwürfe von jüdischen Männern, Frauen und Kindern, die Verarbeitung von Antisemitismus, das Überleben im sowjetischen System sowie die Identitätssuche im Exil.
Das Ziel ist die Hervorhebung der spezifischen Merkmale der jüdischen Lebensdarstellung bei Sevela, insbesondere die Verknüpfung von Tragik mit satirischen und ironischen Stilmitteln.
Die Autorin wendet eine literaturwissenschaftliche Analyse an, die auf der Untersuchung ausgewählter Primärtexte in Verbindung mit biographischen Daten und zeitgenössischer Literaturkritik basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Männer-, Frauen- und Kinderschicksalen (sowohl jüdischer als auch nicht-jüdischer Herkunft) und beleuchtet jeweils tragische, autobiographische und satirische Aspekte.
Wesentliche Begriffe sind Identität, Satire, jüdische Tradition, Sowjetrealismus, Antisemitismus und das Soldatenleben.
Der jüdische Witz fungiert bei Sevela oft als Ablassventil für existenzielle Not und als Mittel der Selbstironie, um inhumane gesellschaftliche Bedingungen zu kritisieren und zu entlarven.
Die Autorin untersucht, wie Sevela nationalsozialistische Klischees und Mythen, wie den des "Ewigen Juden", bewusst aufgreift und umkehrt, um die Heimatlosigkeit und ständige Verfolgung seiner Figuren darzustellen.
Die Arbeit stellt heraus, dass Sevela zwar nicht-jüdische Schicksale seltener thematisiert, diese jedoch in ihrer Tiefe und Komplexität (insbesondere hinsichtlich Leid und Verrat) ähnlich ernst nimmt wie jüdische.
Der Friseursalon in Wilna wird als Ort der Identitätsstiftung beschrieben, an dem Überlebende des Holocausts ihre Geschichten austauschen und ein Fragment ihrer verlorenen Welt bewahren.
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