Bachelorarbeit, 2013
44 Seiten, Note: 1,3
Politik - Allgemeines und Theorien zur Internationalen Politik
1. Einleitung
2. Die Allmenderessource und die Probleme einer Selbstverwaltung
2.1. Die Eigenschaften der Allmende und die Arten der Verwaltung
2.2. Grundlegende Probleme bei der Selbstverwaltung von Allmenderessourcen - „Nicht-Ausschließbarkeit“, „Trittbrettfahren“ und „Rivalität“
2.3. Die „Tragik der Allmende“ als Gefangenendilemma
2.4. Das Gefangenendilemma – Ein Modell mit restriktiven Annahmen
3. Reziprozität, Vertrauen und Reputation als Basis für kooperatives Verhalten
4. Die Rolle von face-to-face Kommunikation bei der Überwindung kollektiver Dilemmasituationen
4.1. Erkenntnisse aus experimentellen Studien – Der „communication-effect“
4.2. Der „communication-effect“ – Eine Erklärung
4.3. Kommunikation und die Bewältigung von Allmendeproblemen – Ein teurer Mechanismus
5. Niedrige Diskontierungsraten als Anreiz für kooperatives Handeln
6. Klar definierte Grenzen zur Lösung des Problems der „Nicht-Ausschließbarkeit“
7. „Quasi-freiwillige Regelkonformität“ durch gegenseitige Überwachung und abgestufte Sanktionen
7.1. Reputation, Vertrauen, reziprokes Handeln – Ein für Kooperation hinreichendes System?
7.2. Gegenseitige Überwachung
7.3. Abgestufte Sanktionen
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedingungen, unter denen Individuen in der Lage sind, kollektive Dilemmasituationen bei der Nutzung von Allmenderessourcen durch Selbstverwaltung zu überwinden, ohne dabei auf externe staatliche oder privatrechtliche Lösungen angewiesen zu sein.
4.1. Erkenntnis aus experimentellen Studien – Der „communication-effect“
Im Folgenden soll auf den Einfluss von Kommunikation auf die Kooperationsbereitschaft am Beispiel der Studien von Isaac und Walker (1988) und Ostrom/Gardner/ Walker (1994) eingegangen werden. Isaac und Walker (1988) untersuchten den Einfluss von Kommunikation auf kooperatives Verhalten in so genannten „Public-Good Experiments“. Dafür bildeten Ökonomiestudierende, die sich freiwillig gemeldet hatten und sich vorher nicht kannten jeweils Gruppen von vier Personen. Den Teilnehmern wurde vor jeder Spielrunde ein virtueller Betrag an Ressourcen bereitgestellt (62 Tokens). Sie hatten in jeder Spielrunde die Möglichkeit, ihre virtuellen Ressourcen (alle oder einen Teil) mittels eines Computers anonym in einen individuellen Pott oder einen Gruppenpott (kollektives Gut) zu investieren. Die Ressourcen, die in den individuellen Pott eingezahlt wurden, wurden mit einem Quotient von 0,01 multipliziert (Isaac/ Walker 1988: 598). Wenn ein Individuum also in einer Runde alle Ressourcen in den individuellen Pott eingezahlt hätte, wäre es auf einen Betrag von 0,62 (62*0,01=0,62) gekommen.
Würde jedes Individuum in einer Spielrunde alle Ressourcen (insgesamt 248 Einheiten) zur Bereitstellung des kollektiven Gutes aufwenden, wäre durch die Kooperation mit den anderen Teilnehmern ein höherer Gewinn generiert worden. Der Multiplikationsquotient lag für diesen Fall bei 0,003 pro Ressourceneinheit (Isaac/ Walker 1988: 599). Bei insgesamt 248 investierten Einheiten ergäbe sich folgende Auszahlung pro Runde: 248*0,003= 0,744.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der „Tragik der Allmende“ ein und skizziert die Fragestellung, wie Individuen kollektive Handlungsprobleme durch Selbstverwaltung statt durch staatliche Eingriffe lösen können.
2. Die Allmenderessource und die Probleme einer Selbstverwaltung: Dieses Kapitel definiert Allmenderessourcen und erläutert die damit verbundenen Herausforderungen wie Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit sowie die Problematik des Gefangenendilemmas.
3. Reziprozität, Vertrauen und Reputation als Basis für kooperatives Verhalten: Hier wird dargelegt, wie verinnerlichte Normen und der Aufbau von Reputation und Vertrauen die Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation innerhalb einer Gruppe bilden können.
4. Die Rolle von face-to-face Kommunikation bei der Überwindung kollektiver Dilemmasituationen: Das Kapitel analysiert den „communication-effect“ und zeigt auf, wie direkte Kommunikation die Kooperationsrate in Dilemmasituationen durch Koordination und Vertrauensbildung signifikant steigern kann.
5. Niedrige Diskontierungsraten als Anreiz für kooperatives Handeln: Es wird argumentiert, dass eine langfristige Orientierung der Akteure (niedrige Diskontierungsraten) essenziell ist, damit Individuen ein nachhaltiges Interesse am Erhalt der Ressource entwickeln.
6. Klar definierte Grenzen zur Lösung des Problems der „Nicht-Ausschließbarkeit“: Hier wird erläutert, warum die Festlegung klarer Grenzen bezüglich der Personengruppe, die auf eine Ressource zugreifen darf, eine notwendige Voraussetzung für das kollektive Handeln darstellt.
7. „Quasi-freiwillige Regelkonformität“ durch gegenseitige Überwachung und abgestufte Sanktionen: Dieses Kapitel zeigt auf, dass für langfristige Stabilität neben Vertrauen auch Überwachungs- und Sanktionsmechanismen erforderlich sind, um abweichendes Verhalten zu minimieren.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Bedingungen für eine erfolgreiche gemeinschaftliche Verwaltung von Allmenden zusammen und betont, dass diese eine tragfähige Alternative zu klassischen Verwaltungsformen darstellen kann.
Allmenderessource, Tragik der Allmende, Kollektives Handeln, Gefangenendilemma, Kooperation, Selbstverwaltung, Kommunikation, Vertrauen, Reputation, Reziprozität, Trittbrettfahren, Diskontierungsrate, Sanktionen, Ressourcenmanagement, Gemeinschaft
Die Arbeit untersucht, wie Gruppen von Individuen natürliche Ressourcen gemeinschaftlich verwalten können, ohne dass es zur Übernutzung kommt, und widerspricht damit der klassischen Annahme, dass Selbstverwaltung bei Allmenden unmöglich sei.
Die Schwerpunkte liegen auf der Spieltheorie zur Erklärung kollektiver Dilemmata, der Bedeutung von Vertrauens- und Reputationssystemen, dem Einfluss von face-to-face Kommunikation sowie der Rolle von Sanktionen und langfristiger Planung (Diskontierungsraten).
Die Arbeit fragt nach den spezifischen Bedingungen, die Individuen in die Lage versetzen, Regeln auszuhandeln und einzuhalten, um die „Tragik der Allmende“ ohne externe Hilfe zu überwinden.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf spieltheoretischen Modellen und der Auswertung zahlreicher behavioristisch-experimenteller Studien sowie Feldstudien zum kollektiven Handeln basiert.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen, die Kooperation ermöglichen: von der Bedeutung kleiner Gemeinschaften und direkter Kommunikation über den Aufbau sozialer Normen bis hin zur Implementierung von Überwachungs- und Sanktionsmechanismen.
Zentrale Begriffe sind neben der „Tragik der Allmende“ vor allem die „Reziprozität“, der „communication-effect“, „kollektives Gut zweiter Ordnung“ sowie die „quasi-freiwillige Regelkonformität“.
Sie ermöglicht den Akteuren, ihre Handlungen zu koordinieren, ihre Vertrauenswürdigkeit durch Mimik und Gestik zu beweisen sowie öffentliche Versprechen auszutauschen, was das Dilemma des Trittbrettfahrens deutlich reduziert.
Sie erlauben es der Gemeinschaft, auf einmalige Regelverstöße mild zu reagieren und den Akteur wieder in das System zu integrieren, während wiederholte Verstöße mit zunehmender Härte bestraft werden, um die allgemeine Regelkonformität zu sichern.
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