Bachelorarbeit, 2012
41 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Über die Autoren
2.1 Assia Djebar
2.2 Abbas Khider
3 Die Autobiographie im Zusammenspiel mit Historie und Fiktion
3.1 Definition von „Autobiographie“
3.2 Die arabische Autobiographie
3.3 Autobiographie und Historie bei Djebar
3.3.1 La double autobiographie
3.3.2 Schreiben als Ver- und Entschleierung
3.4 Autobiographie und Fiktion bei Khider
3.4.1 Eine fiktive Autobiographie
3.4.2 Eine „neue Welt“ erschaffen
4 Formen der Gewaltdarstellung bei Djebar und Khider
4.1 Gewaltdarstellung in L’Amour, la fantasia
4.1.1 Gewalt und Liebe
4.1.2 Schreiben gegen das Vergessen
4.2 Gewaltdarstellung in Die Orangen des Präsidenten
4.2.1 Kindheit im Krieg
4.2.2 Folter und Alltag im Gefängnis
5 Traumaverarbeitung durch Schreiben
5.1 Distanz überwinden
5.2 Distanz schaffen
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das literarische Schreiben über persönlich erfahrene Gewalt zur Verarbeitung traumatischer Ereignisse beitragen kann. Anhand der Werke von Assia Djebar und Abbas Khider wird analysiert, wie die Autoren durch die bewusste Vermischung von Autobiographie, Historie und Fiktion eine Distanz zu ihrem Schmerz aufbauen und das Erlebte für sich sowie für die Öffentlichkeit bearbeitbar machen.
3.3.1 La double autobiographie
« Avant d’entendre ma propre voix, je perçois les râles, les gémissements des emmurés du Dahra, des prisonniers de Sainte-Marguerite; ils assurent l’orchestration nécessaire. Ils m’interpellent, ils me soutiennent pour qu’au signal donné, mon chant solitaire démarre. » (AF, S. 243, F, S. 316)
Dieses Zitat verdeutlicht die Verstrickung von Autobiographie und Historie in L’Amour, la fantasia. Ihre Autobiographie zu schreiben, ist für Assia Djebar nur möglich, wenn sie gleichzeitig die kollektive, algerische Geschichte beschreibt. Diese scheinbar so verschiedenen Themen ergeben zusammen ein Ganzes und ermöglichen es der Autorin, in abgeschwächter Form über sich selber zu schreiben. Denn sie selber ist ein Glied in der Kette aus Erinnerungen, ihre persönliche Geschichte ist nur mit dem Hintergrundwissen der kollektiven Historie verständlich. Wenn die Franzosen 1830 nicht Algerien erobert hätten, hätte Djebar wahrscheinlich niemals französisch gelernt. Deswegen teilt sie die französische Sprache ihrer Meinung nach zu aller erst mit den Offizieren, die Algier besetzt haben. Andererseits besteht die kollektive Geschichte immer auch aus den individuellen, subjektiven Berichten verschiedener Personen. Diese Doppelung von Kollektiv und Individuum ermöglicht es der Autorin, von der eigenen Person abzulenken. Die historischen Kapitel über den Krieg fungieren als « muraille épaisse », welche die persönlichen, intimen Ausführungen aus Djebars Leben schützt und verschleiert.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Gewalt in der Kunst ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Möglichkeit einer literarischen Traumaverarbeitung bei Djebar und Khider.
2 Über die Autoren: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick zu Assia Djebar und Abbas Khider sowie deren Motivation und Werdegang als Schriftsteller.
3 Die Autobiographie im Zusammenspiel mit Historie und Fiktion: Es wird die Definition der Autobiographie erörtert und die spezifische, kulturell geprägte Form der arabischen Autobiographie sowie deren Verbindung zur Fiktion bei den beiden Autoren untersucht.
4 Formen der Gewaltdarstellung bei Djebar und Khider: Das Kapitel analysiert die drastische und anschauliche Schilderung von körperlicher sowie struktureller Gewalt in den Romanen beider Autoren.
5 Traumaverarbeitung durch Schreiben: Hier steht die psychologische und literarische Komponente der Traumabewältigung durch sprachliche Distanzierung und symbolische Handlungen im Zentrum.
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse werden gebündelt und das Fazit gezogen, dass Literatur als Bewahrer der Zeit fungiert und durch die Polyphonie der Stimmen eine kollektive Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglicht.
Autobiographie, Fiktion, Gewaltverarbeitung, Trauma, Assia Djebar, Abbas Khider, Algerienkrieg, Irak, Postkolonialismus, kollektives Gedächtnis, Sprache, Distanz, Literaturwissenschaft, Identität, Geschichtsschreibung.
Die Arbeit analysiert die literarische Verarbeitung von persönlich erlebter Gewalt in den Werken von Assia Djebar und Abbas Khider.
Zentrale Themen sind die Verknüpfung von privater Geschichte mit kollektiver Historie, die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache nach einem Trauma sowie die ethische Dimension der Gewaltdarstellung in der Literatur.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Schreiben als therapeutisches Instrument fungiert, um traumatische Erlebnisse zu strukturieren und in einen neuen Kontext zu setzen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Primärtexte (Romane) mit theoretischen Konzepten zur Autobiographie, zum kollektiven Gedächtnis und zur Traumaverarbeitung verknüpft werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Autobiographie und Fiktion, die Analyse konkreter Gewaltdarstellungen und die Erörterung des Traumas als Prozess, der Distanz erfordert.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Autobiographie, Gewaltverarbeitung, Fiktion, kollektives Gedächtnis, Trauma und Distanz.
Französisch ist für Djebar die Sprache des ehemaligen Feindes, was sie zunächst als unpassend empfindet, sich jedoch im Laufe der Zeit als notwendiges Mittel zur Entschleierung und persönlichen Befreiung erschließt.
Khider wählt die Romanform und die "Autofiction", weil ihm die Literatur die Möglichkeit gibt, Lücken im Gedächtnis durch Fantasie zu füllen und eine künstlerische Distanz zu schaffen, die den Leser nicht unmittelbar mit dem bloßen Horror foltert.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

