Masterarbeit, 2016
149 Seiten, Note: 1,7
1) Einleitung: Das Theater als Medium der Öffentlichkeit
2) Theoretische Aspekte von Öffentlichkeit
2.1) Konzept einer Selbstbeschreibung
2.2) Bildung von Öffentlichkeiten
2.3) Rolle von Aufmerksamkeit und Publikum
3) Das Deutsche Nationaltheater und seine medialen Öffentlichkeiten
3.1) Die Gründung des Nationaltheaters 1919 bis 1933
3.1.1) Begriff „Nationaltheater“
3.1.2) Gemeinschaftsgedanke, Expressionismus und Demokratiefrage
3.1.3) Nation, Tradition und Weltwirtschaftskrise
3.2) Der Nationalsozialismus in Weimar
3.2.1) Propaganda, Zensur und nationaler Geist
3.2.2) Volkserziehung, NS-Treue und finanzielle Unterstützung
3.3) Das Deutsche Nationaltheater nach dem Wiederaufbau und in den ersten Nachkriegsjahren bis 1961
3.3.1) Unterhaltung, Besatzungsmächte und fehlende Stücke
3.3.2) Wiedereröffnung, sowjetische Einflüsse und Friedenskampf
3.4) Das Theater in der DDR nach dem Mauerbau
3.4.1) Schein-Liberalisierung, Sozialismus und Kulturkrise
3.4.2) Zuschauerbindung, Ideologie und Umbruch
3.5) Das Deutsche Nationaltheater Weimar in den 1990er-Jahren
3.5.1) Erweitertes Konzept von Selbstbeschreibung
3.5.2) Krise, Experimentierwille und Erwartungen
3.5.3) Unsicherheit, finanzielle Nöte und Kulturstadt-Jahr
4) Das Deutsche Nationaltheater und digitale, mediale Öffentlichkeiten
4.1) Konzept Digitaler Öffentlichkeiten
4.2) Ausblick: Forschungsthema Internet und Social-Media
5) Fazit: Das Theater als Instrument von Politik, Ideologie und Gesellschaft
Die Arbeit untersucht die historische Transformation medialer Öffentlichkeiten des Deutschen Nationaltheaters in Weimar im Zeitraum von 1919 bis 2000 und analysiert, wie das Theater als Medium und Instrument politischer sowie gesellschaftlicher Einflüsse fungierte.
3.1.2) Gemeinschaftsgedanke, Expressionismus und Demokratiefrage
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffneten sich die Theater in Bezug auf verschiedene Aspekte. Es begann ein Auszug in die Öffentlichkeit, neue Konzepte wurden ausprobiert und demzufolge erlangte die Gesellschaft ein neues Verständnis von Theater. Theaterspiele fanden nicht mehr nur im Theaterbau selbst statt, sondern das Ensemble bespielte auch öffentliche Plätze. Dies bedeutete einerseits einen geringeren Schwellenwert, überhaupt ein Theaterstück zu besuchen, und zeigte andererseits die Öffnung gegenüber jeglichen Zielgruppen der Gesellschaft. Damit einher ging der Gedanke, nicht mehr strikt zwischen Schauspieler und Zuschauer zu trennen – sowohl lokal als auch symbolisch. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Kommunikation zwischen Schauspieler und Zuschauer: „Theater wurde […] als Interaktionsprozeß bestimmt, der wesentlich durch Raumkonzeption des Theaters, durch die jeweilige räumliche Zuordnung von Schauspielern und Zuschauern determiniert ist.“ Diese oft fehlende räumliche Grenze konnte auf offenen, öffentlichen Plätzen am besten aufgehoben werden.
Hinter diesen Überlegungen und Maßnahmen steckten ebenfalls politische Entwicklungen. Die Avantgardisten strebten eine Kulturform an, die nicht in Herrschende oder Bürgerliche trennte. Die Gemeinschaft sollte Kultur schaffen können und das Leben aller mit dieser verschmelzen. Hierzu wurden oftmals Feierlichkeiten auf öffentlichen Plätzen ausgerichtet und Kulturbeiträge und Theaterstücke in deren Programm genommen. „Die Vorstellung von [dem] Theater als Fest war besonders populär. Sie wurde von national-völkischen, kirchlichen und sozialdemokratischen Kreisen vertreten […].“ Auf einem Fest herrscht konnotativ gute Stimmung und jeder kann mit jedem in Kontakt treten. Der Gedanke, dass alle zusammen spielen, das Leben in das Theater getragen wird oder andersrum und somit der Gemeinschaftsgedanke gefördert wird, der durchaus religiöse und später auch agitatorische Anmutungen haben kann, macht das Theater als Fest aus.
1) Einleitung: Das Theater als Medium der Öffentlichkeit: Die Einleitung definiert das Theater als zentrales Medium der Öffentlichkeit und erläutert die Forschungsabsicht, die historische Transformation des DNT von 1919 bis 2000 zu untersuchen.
2) Theoretische Aspekte von Öffentlichkeit: Es wird ein theoretischer Rahmen geschaffen, der Konzepte wie Selbstbeschreibung nach Luhmann sowie Öffentlichkeitsbildung und Aufmerksamkeitsgenerierung (Franck, Klein) verknüpft.
3) Das Deutsche Nationaltheater und seine medialen Öffentlichkeiten: Dieser Hauptteil analysiert chronologisch die Rolle des DNT unter verschiedenen politischen Systemen (Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR, Nachwendezeit) anhand von Publikationen.
4) Das Deutsche Nationaltheater und digitale, mediale Öffentlichkeiten: Dieser Abschnitt betrachtet theoretisch, wie sich durch Internet und Social-Media das Konzept von Öffentlichkeit wandelt und welche Bedeutung dies für die Selbstdarstellung des Theaters hat.
5) Fazit: Das Theater als Instrument von Politik, Ideologie und Gesellschaft: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass das DNT historisch immer ein Medium war, das durch mediale Selbstbeschreibungen versuchte, Einfluss auf die Öffentlichkeit zu nehmen.
Deutsches Nationaltheater Weimar, Öffentlichkeit, Mediale Transformation, Selbstbeschreibung, Aufmerksamkeitsökonomie, Theater als Medium, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR-Theater, Kulturpolitik, Publikumsbindung, Digitale Öffentlichkeit, Sozialer Wandel, Systemtheorie, Kulturmanagement.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Deutschen Nationaltheaters (DNT) in Weimar zwischen 1919 und 2000 und wie es dabei als Medium agierte, um Öffentlichkeit zu schaffen und politische oder gesellschaftliche Botschaften zu transportieren.
Die Arbeit befasst sich mit Theatergeschichte, Medientheorie, politischer Kommunikation, Selbstmarketing von Kultureinrichtungen und dem Wandel des Öffentlichkeitsbegriffs im Laufe des 20. Jahrhunderts.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie das DNT seine Rolle als Medium in wechselnden politischen Systemen definierte, wie es sich selbst in der Öffentlichkeit darstellte und welche Auswirkungen dies auf die Bildung von Teilöffentlichkeiten hatte.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse von Printerzeugnissen wie Spielzeitheften, Almanachen, Zeitungsartikeln und Archivmaterialien, die durch systemtheoretische und marketingtheoretische Ansätze (Luhmann, Klein) interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte: die Gründung (1919-1933), die Rolle im Nationalsozialismus (1933-1945), die DDR-Zeit (1945-1989) sowie die Entwicklungen nach der Wiedervereinigung bis zum Jahr 2000.
Wichtige Begriffe sind Selbstbeschreibung, Aufmerksamkeit, Medien, politisches Instrument, Teilöffentlichkeit und Medialisierung.
Das Theater wurde zum Propagandainstrument umfunktioniert. Die Auswahl der Stücke und die Ausrichtung des Ensembles dienten der Verbreitung von NS-Ideologie, wobei das Theater gleichzeitig versuchte, als Träger "deutscher Kultur" wahrgenommen zu werden.
Das Internet wird im letzten Teil der Arbeit als neues Medium theoretisch eingeführt. Es wird untersucht, wie digitale Öffentlichkeiten entstehen und welche Möglichkeiten sich für das DNT durch Web 2.0-Strukturen und soziale Medien ergeben.
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